20jähriger Bruder organisiert Mahnwache für Marco W.

Von Irina Heidkamp

Seine Familie steht voll hinter Marco W.Seit rund 200 Tagen sitzt der deutsche Schüler Marco W. in türkischer Untersuchungshaft in einem Gefängnis nahe Antalya. Dem 17jährigen wird vorgeworfen während eines Osterurlaubs in diesem Jahr die 13jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht zu haben.

Der Schüler bestreitet die Vorwürfe vehement. Er habe mit dem Mädchen, das sich nach seinen Aussagen für eine 15jährige ausgegeben hatte, lediglich geflirtet und geknutscht. Die Zärtlichkeiten gingen seiner Aussage nach, von dem Mädchen aus.

Der Prozess in der Türkei wird von vielen in Deutschland fassungslos verfolgt. Der Junge, der laut Aussage seines Anwaltes unter der Haft stark leidet, zunehmend abmagert und psychisch angeschlagen ist, wird scheinbar ohne konkrete Beweiselast seit mehr als einem halben Jahr in Untersuchungshaft festgehalten.

Die Aussagen des vermeintlichen Opfers erscheinen in Anbetracht des verbohrten Glaubens der Mutter, unglaubwürdig. So erklärte der Anwalt von Charlotte wiederholt, dass diese Marco eine Vergewaltigung vorwerfe. Ein medizinisches Gutachten hatte aber ergeben, dass das Mädchen noch Jungfrau ist.

Die Familie des 17jährigen Schülers aus Ülzen, der im Frühsommer seinen Realschulabschluss hätte ablegen sollen, versucht verzweifelt dem Jungen den Rücken zu stärken.

Vor allem auch der 20jährige Bruder von Marco kämpft.

Er hat jüngst eine Mahnwache für Marco organisiert, damit das Schicksal seines Bruders in der Öffentlichkeit nicht in Vergessenheit gerät.

Auf die Frage, ob er Wut über den Prozess empfindet, sagt der 20jährige: „Wut oder so etwas kommt nicht auf. Doch in dem Verfahren ist man sehr hilflos. Aber es gibt uns Kraft, wenn wir sehen, was für Marco bewegt wird. Sogar Läufe wurden für ihn veranstaltet. Das bewegt uns sehr.“

Erfährt Marco denn etwas von der Unterstützung? - „Ja, meine Eltern erzählen es ihm, wenn sie ihn wöchentlich besuchen. Auch unsere Mahnwache unterstützt ihn sehr. Es muntert ihn sehr, sehr auf, dass ihn so viele Leute unterstützen – und es gibt ihm Kraft.“

Am 20. November soll der Prozess gegen Marco in Antalya fortgesetzt werden. Allerdings versuchen seine Anwälte über eine Haftbeschwerde, eine Vorzeitige Entlassung zu erreichen. Die Chancen auf Erfolg stehen hierfür sehr schlecht. Das zuständige Gericht hat angeblich noch niemals einer Haftbeschwerde stattgegeben.

Sollte eine Haftbeschwerde nichts bringen, wollen die Verteidiger vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

Der große Bruder: „Egal was dabei herauskommt, wir werden Marco weiter unterstützen. Ich wünsche ihm sehr viel Kraft, dass er das durchsteht.“

DCRS meint: Kraft, das braucht Marco tatsächlich am aller meisten. Worum es in diesem Prozess wirklich geht, bleibt unklar.

Artikel vom 29. Oktober 2007

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