Alevitische Muslime sehen sich durch ARD -Tatort diffamiert
Am 23. Dezember strahlte der öffentlich-rechtliche Sender ARD die Tatort-Folge „Wem Ehre gebührt“, in der es um die Problematik des Ehrenmordes in einer alevitisch - muslimischen Familie geht, aus.
Die Alevitische Gemeinde Deutschland hat nun von der ARD eine Entschuldigung und Wiedergutmachung für die am 23. Dezember ausgestrahlte Tatort-Sendung „Wem Ehre gebührt“ verlangt, in dem sich die islamische Religionsgemeinschaft diffamiert fühlt.
Tatsächlich handelt es sich bei alevitischen Muslimen, die in der Türkei rund 20 Prozent der Muslime ausmachen und lange Zeit unterdrückt und verfolgt wurden, um eine gemäßigte, muslimische Glaubensgruppe. So lebt nach der alevitischen Lehre Gott im Menschen. Aleviten bekennen sich zu Humanität und Demokratie. Die Scharia, das islamische Gesetz, das mit dem deutschen Grundgesetz massiv in Konflikt steht, lehnen Aleviten ab.
Das ist der wichtigste Unterschied zu den Sunniten, die streng nach der Scharia leben und diese wörtlich nehmen. Aleviten kennen keine Pflichtgebete. Sie brauchen zum Beten keinen besonderen Raum und keine spezielle Zeit. Der Koran ist für Aleviten weiterhin kein Gesetzbuch, sondern die Niederschrift von Offenbarungen, die kritisch gelesen werden dürfen.
Zu anderen Religionen, Glaubensbekenntnissen und Ideologien haben Aleviten ein offenes Verhältnis. Sie fühlen sich auch der Humanität verpflichtet. Die Menschenrechte im Allgemeinen sowie die Meinungs- und Religionsfreiheit im Speziellen werden von ihnen ausdrücklich bejaht. Jedem Menschen wird ausdrücklich das Recht auf einen eigenen Glauben zugestanden sowie das freie Selbstbestimmungsrecht zugestanden
In dem TV-Krimi ging es um Inzest innerhalb einer alevitischen Familie. Der Beitrag fördere Vorurteile gegen die Aleviten, die in der Türkei seit Jahrhunderten Opfer von Pogromen gewesen seien, erklärte der Verein am Dienstag in Köln. Bei der Berliner Polizei war nach Ausstrahlung der Folge eine Strafanzeige der Gemeinde wegen Volksverhetzung eingegangen.
In dem Film wird das Inzestopfer schwanger und flüchtet zum strengen Islam der Sunniten. Die um Aufklärung bemühte ältere Schwester wird schließlich vom Vater umgebracht. Nach Ansicht des Kölner Vereins bestätigt diese Handlung Anschuldigungen der sunnitischen Muslime, die Aleviten betrieben in ihren Gemeinden Inzest, in dem sie religiöse Rituale gemeinsam mit Frauen und Kindern exerzierten.
Die Anschuldigungen stammten aus der osmanischen Zeit zum Zweck der Unterdrückung des Alevitentums. Auch heute noch werde die Existenz von rund 20 Millionen Aleviten in der Türkei von staatlichen Stellen geleugnet.
Zunächst hatte die alevitische Dachorganisation versucht, die Ausstrahlung zu verhindern. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte sich allerdings auf die Pressefreiheit berufen und an seinem Programm festgehalten. Mit einer Anmerkung im Vorspann des Films reagierte der Sender jedoch auf die Kritik. Die Zuschauer wurden darauf hingewiesen, dass der Inhalt rein fiktiv sei. Es sei nicht beabsichtigt, religiöse Gefühle zu verletzen oder Vorurteile gegen die Aleviten zu untermauern.
Diese Anmerkung reicht dem Dachverband jedoch nicht aus. Aus Protest gegen den Fernsehkrimi hat er für den 29. Dezember zu einer Demonstration in Köln aufgerufen.
DCRS ONLINE meint: Eigentlich sollte der Tatort einfach ein Spielfilm mit Unterhaltungswert sein, doch es drängt sich der Eindruck auf, das man hier das deutsche Staatsfernsehen missbraucht um eine Minderheit in der Türkei tatsächlich zu diffamieren. Warum werden derartige Konflikte überhaupt bei uns ausgetragen ? Haben wir uns hier vielleicht tatsächlich zum Handlanger extremer Gruppierungen machen lassen ? Warum hat man die Täterfamilie nicht dem sunnitischen Islam zugeordnet ?





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11. April 2008 um 16:16
Liebe DCRS ONLINE-Redaktion,
Euer Kommentar zeigt, daß Ihr mit den Gegebenheiten nicht vertraut seid. Es geht hier nicht um “Alewiten” oder “Sunniten”. “Alewiten” ist eine Umschreibung für “Kurden in der Türkei”, denn nur die gehören dieser Konfession an (nicht die Türken, und auch nicht die Kurden außerhalb der Türkei). Tatsächlich sind es ganz überwiegend diese Kuden, auf deren Konto die “Ehrenmorde” pp. gehen, die hierzulande meist “den Türken” angehängt werden. Deshalb fühlen sich durch diesen Tatort auch nicht die Türken, sondern die Kurden auf den Schlips getreten und protestieren durch ihre als “Glaubensgemeinschaft” getarnte Lobby.
P.S.: Ich bin kein Freund der Türken und ihrer Unterdrückungspolitik gegenüber den Kurden; aber man muß die Fakten doch Fakten sein lassen!