Beckstein fordert Ehrlichkeit von Tschechien
Im Konflikt um Vertreibung nach und im Zweiten Weltkrieg hat der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein auf dem Sudetendeutschen Tag in Nürnberg an die tschechische Regierung appelliert den Dialog auf der Grundlage der geschichtlichen Wahrheit wieder aufzunehmen. Mit Schweigen könne man die Probleme nicht lösen. Prag müsse bereit sein auch, sich auf offenüber die Vertreibung der Deutschen nach 1945 zu unterhalten.
“Mit Verschweigen kann man kein Problem lösen. Dauerhafte Versöhnung ist nur auf dem Boden der geschichtlichen Wahrheit möglich”, betonte der CSU-Politiker vor rund 8000 zumeist älteren Besuchern der Hauptkundgebung in der Frankenhalle. Die Kundgebung bildete den Höhepunkt des dreitägigen Vertriebenentreffens.
Führende Vertreter der Sudetendeutschen Landmannschaft sähen aber bereits „erfreuliche Signale aus dem Nachbarland“. Dem schloss sich Beckstein an.
Bei seinen jüngsten Tschechien- Besuchen habe er eine große Bereitschaft festgestellt, sich der Vergangenheit zu stellen. Die schwierigen Regierungsverhältnisse verhinderten allerdings einen Durchbruch im Verhältnis zwischen Sudetendeutschen und Prag.
Hürden auf dem Weg der dauerhaften Aussöhnung sind nach Becksteins Ansicht weiterhin die so genannten Benes-Dekrete, die die Vertreibung deutschsprachiger Bevölkerungsteile legitimiert hatten, und das sogenannte Straffreistellungsgesetz, das bei der Vertreibung begangene Verbrechen von Strafe freistellt.
Einer der Kernpunkte im bayerisch-tschechischen Verhältnis sei für Beckstein aber der Ausbau der Kontakte mit dem Nachbarland. “Das wird nicht immer einfach sein, aber eine notwendige Aufgabe”, unterstrich der Politiker.
Scharf reagierten Beckstein und der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, auf die Weigerung von SPD-Chef Kurt Beck, der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, einen Platz im Kuratorium des geplanten Zentrums gegen Vertreibungen einzuräumen.
“Ein solches Zentrum ist nur sinnvoll, wenn es auch Frau Steinbach als Kuratoriumsmitglied mitgestalten kann. Alles andere wäre scheinheilig”, sagte Beckstein. Posselt betonte: “Wir Vertriebene sind Demokraten. Und als Demokraten bestimmen wir noch immer selbst, wer uns ins dem Kuratorium vertritt”.
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