Beerdigung der verhungerte Lea-Sophie in Schwerin

Von Christian Dieter Matuschek

Das armseelige Ende eines kurzen und qualvollen LebensAm Donnerstag wurde die kleine Lea-Sophie auf dem Waldfriedhof in Schwerin beigesetzt. Ihr Schicksal bewegt ganz Deutschland. Das kleine Mädchen wurde nur fünf Jahre alt, es verhungerte grausam neben den wohlgenährten Hunden der Eltern.

Rund 30 Angehörige und Bekannte nehmen an diesem herbstgrauen Vormittag unter Absicherung durch die Polizei Abschied von dem kleinen Mädchen, das unter monatelangen Qualen an Hunger und Durst starb, weil seine Eltern es vernachlässigten.

Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens tragen nach einer kurzen Andacht in der Trauerhalle die rosa Urne mit einem rosa Blumenkranz über das weitläufige Friedhofsgelände zu Lea-Sophies Grab. In einigem Abstand folgt gemessenen Schrittes die Trauergemeinde mit den Großeltern, Angehörigen und Freunden des Kindes. Sie verbergen ihre Gesichter hinter großen Schirmen. Am Grab sagen sie einzeln Lebewohl. Viele legen gelbe oder pinkfarbene Rosen nieder, einige haben Kuscheltiere dabei.

Bis zuletzt hatte die Stadt versucht, den Termin der Beisetzung geheim zuhalten. Als dennoch am Morgen einige Journalisten auf dem Areal auftauchen, lässt die Friedhofsverwaltung Handzettel mit der Bitte verteilen, den Wunsch der Angehörigen nach einer Trauerfeier in aller Stille zu respektieren. Rund 30 Polizisten, viele davon in Zivil, durchstreifen den Waldfriedhof und halten die Medienvertreter immer wieder auf Abstand. Die Stadt soll Angaben der Polizei zufolge kurzzeitig überlegt haben, den Friedhof für die Dauer der Zeremonie zu sperren. Es waren Proteste von aufgebrachten Bürgern befürchtet worden.

Zu Wochenbeginn hatte das Amtsgericht Schwerin dem in Untersuchungshaft sitzenden 26 Jahre alten Vater Lea-Sophies die Teilnahme an der Trauerfeier verweigert. Eine Beschwerde gegen das Urteil beim Landesgericht zog der Anwalt kurz darauf zurück. Die ebenfalls in Haft sitzende 23-jährige Mutter hatte nach Angaben ihres Rechtsbeistands einen solchen Antrag nicht gestellt.

Lea-Sophie war in der vergangenen Woche nach einem Notruf des Vaters in eine Schweriner Klinik eingeliefert worden. Zu diesem Zeitpunkt wog das Mädchen nur noch etwas mehr als sieben Kilo, ein Drittel des Normalgewichts Fünfjähriger. Sie verstarb wenig später. Die Obduktion ergab, dass sie keine Nahrung zu sich genommen hatte. Ihre Eltern wurden daraufhin am folgenden Tag festgenommen. Der wenige Wochen alte Bruder des Mädchens ist nach Angaben des Anwalts der Mutter derzeit in der Obhut des Jugendamtes. Die Großeltern wollen ihn zu sich nehmen.

Der Fall hatte die bundesweite Diskussion um den Schutz von Kindern erneut befördert. Vor allem die Stadt und das Jugendamt waren in die Kritik geraten. Eine interne Sondergruppe der Stadt soll nun die genauen Todesumstände sowie die Einhaltung der Verwaltungsvorschriften klären. Darüber hinaus wollen die Stadtvertreter mit einem eigenen Ausschuss die Jugendpolitik der Stadt prüfen. Bislang haben sowohl Oberbürgermeister Norbert Claussen als auch Sozialdezernent Hermann Junghans (beide CDU) wiederholt die Einhaltung aller Vorschriften im Fall Lea-Sophie beteuert und sich damit massiver Kritik ausgesetzt.

An der Beisetzung am Donnerstag nehmen keine offiziellen Repräsentanten der Stadt teil. Der Oberbürgermeister schickt dafür einen großen Kranz aus hellen Rosen und Chrysanthemen. Inmitten der Blumen sitzt ein Teddy. Auf der Schärpe steht: „In unendlich großer Trauer“.

DCRS ONLINE meint: Ruhe in Frieden, kleine Lea-Sophie.

Artikel vom 29. November 2007

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