Biosprit treibt Lebensmittelpreise stärker als erwartet

Von Andre Bergmann

Biosprit treibt Lebensmittelpreise stärker als erwartetEine derartige Entwicklung hatte man offenbar nicht erwartet. Der Anbau von Biospirt ist der Preistreiber Nummer eins bei Lebensmitteln. Die Wirkung durch den subventionierten Anbau sei massiv stärker ausgefalllen, als Wirtschaftsexperten erwartet hatten. So habe sich der Preis für Nahrungsmittel weltweit um bis zu 75 Prozent erhöht, heißt es in einem in der britischen Zeitung „Guardian“ veröffentlichten Bericht.

Die Erkenntnisse basieren auf einer detaillierten Analyse des international anerkannten Volkswirts Don Mitchell und stehen im drastischen Widerspruch zu den Einschätzungen der USA, so das Blatt. Diese sähen die Lebensmittelteuerung durch Biosprit bei weniger als drei Prozent.

Hochrangige Entwicklungspolitiker gehen dem “Guardian” zufolge davon aus, dass die Weltbank-Analyse vom April aus Rücksicht auf US-Präsident George W. Bush bislang nicht veröffentlicht worden sei. “Sie hätte die Weltbank in die politische Schusslinie des Weißen Hauses gebracht”, habe ein Entwicklungspolitiker gesagt. Bush hatte die jüngst rasant gestiegenen Lebensmittelpreise auf eine wachsende Nachfrage in Indien und China zurückführte. Dem Bericht zufolge hat aber vielmehr die Nachfrage nach Biosprit in den USA und Europa die größten Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung und -preise.

Mit dem Wechsel von fossilen Brennstoffen zu Biosprit soll der Ausstoß klimaschädigender Gase verringert werden. Zudem wollen sich die Industrieländer unabhängiger von dem immer teurer werdenden Erdöl machen.

Die japanische Regierung kündigte unterdessen im Vorfeld des G-8-Gipfels in Japan an, weitere 50 Mio. US-Dollar an Lebensmittelhilfen für Entwicklungsländer bereitzustellen. Japan hat nach Angaben des Außenministeriums als Nothilfen bereits Lebensmittel im Wert von 200 Millionen Dollar gespendet oder zugesichert. Die sieben führenden Industriestaaten und Russland (G-8) wollen bei ihrem Gipfel in der kommenden Woche vor allem über die steigenden Lebensmittel- und Treibstoffpreise beraten.

Artikel vom 4. Juli 2008

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