Briten stinken selbst zum Himmel

Von Irina Heidkamp

Briten stinken selbst zum HimmelBritische Medien behaupteten am vergangenen Wochenende, dass ein Fauliger Geruch im Südosten Englands von deutschen Schweinen verursacht wurde. Wie nun führende Meteorologen erklärten, ist dies mehr als unwahrscheinlich. Viel eher haben die Briten ihre eigene Gülle gerochen.

Die Briten hatten behauptet, der Wind trage von Deutschland den üblen Geruch von Gülle und Schweinen auf die britische Insel, weil derzeit in Deutschland Gülle-Saison wäre und alle Bauern ihre Felder mit den Hinterlassenschaften ihrer Tiere bestücken würden.

Deutsche Experten halten dies für Unsinn.

So geht Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Rheinland vielmehr davon aus, dass die Briten ihre eigene Gülle riechen. Britische Bauern halten pro Hektar Land nämlich etwa genauso viel Vieh wie deutsche Bauern. Am meisten Gülle wird demnach aber weder in Deutschland noch in Großbritannien produziert, sonder im europäischen Vergleich, in den Niederlanden. Danach rangieren in den Güllewerten Belgien und Dänemark auf Platz zwei und drei.

Axel Schnohr, Meteorologe vom Wetterdienst Meteomedia glaubt ebenfalls nicht an die Theorie der britischen Medien, auch wenn sich die Schlagzeile über die „Deutschen Schweine“ einfach gut lesen ließ.

Der Wind sei am vergangenen Wochenend meist aus Nordost – Ost gekommen. Sollte es auf der britischen Insel eine Geruchsbelästigung durch Luftmassen von dem europäischen Festland gegeben haben, so kämen diese höchstwahrscheinlich aus Belgien oder den Niederlanden.

Europas Bauern transportieren gegenwärtig wieder die mit Wasser versetzten Hinterlassenschaften ihrer Rinder und Schweine als Dünger auf die Felder. Und das ist mit Geruch verbunden. In die Nase steigen Schwaden aus Ammoniak, Essigsäure und anderen organischen Säureverbindungen. Dies sei vielleicht unangenehme, aber nicht giftig.

Kann der in der Gülle enthaltene Stickstoff allerdings nicht von der Pflanze aufgenommen werden, sickert er durch den Boden ins Trinkwasser. Das geschah in den 70er und 80er Jahren. NRW-Umweltminister Klaus Matthiesen (SPD) reagierte mit der im vergangenen Jahr durch eine bundesweite Regelung ersetzten Gülleverordnung: Bauern mussten Tanks anlegen, in denen die Gülle gelagert werden konnte. Seitdem ist ein Ausbringen zwischen dem 15. November und dem 15. Januar verboten.

Landwirte dürfen die Gülle nicht mehr verspritzen, sondern müssen sie in den Boden einarbeiten. Das liegt auch in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse. Wer Gülle richtig nutzt, spart Kunstdünger. Und der ist in den vergangenen Jahren teuer geworden.

Artikel vom 22. April 2008

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