Bus-Explosion in China – Angeblich privates Motiv

Von Eleonore Matschge

Bus-Explosion in China Angeblich privates MotivBei den tödlichen Anschlägen auf zwei chinesische Linienbusse in den vergangenen Tagen soll es sich laut offiziellen, chinesischen Angaben nicht um Terroranschläge gehandelt haben. Die Verbrechen seien privat motiviert. Auch gegen die Olympischen Spiele richteten sich die Anschläge demnach nicht. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking und der Vizebürgermeister der Stadt Kunming, Du Min, erklärten selbiges gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Regierung hatte mögliche Terroranschläge zuvor als größte Bedrohung für die Spiele bezeichnet. Knapp zwei Wochen vor der Eröffnung hatten die Behörden landesweit die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Bei den Explosionen in zwei Bussen der Linie 54 waren zwei Menschen ums Leben gekommen. Mehr als ein Dutzend wurde verletzt. Die Hintergründe geben der örtlichen Polizei allerdings weiter Rätsel auf. Die schnelle Schlussfolgerung der Regierungsbehörden mutet daher seltsam an.

Einige Bewohner sollen vor den Explosionen mit einer mysteriösen SMS gewarnt worden sein. Das berichtete die Zeitung “Nanfang Dushi Bao”. Dem Blatt zufolge hatten mindestens zwei Bewohner der Provinzhauptstadt Kunming in Yunnan die Kurznachricht erhalten. “Die allgemeine Mobilmachung der unbedeutenden Leute (”Maulwurfsgrillen und Ameisen”) … ich hoffe, dass die Bürger, die diese Nachricht erhalten, morgen früh nicht die Buslinien 54, 64 und 84 nutzen werden”, hieß es darin.

Die Polizei wollte demnach aber nicht bestätigen, dass es sich um eine echte Warnung gehalten habe, und der Absender der SMS zu den Verdächtigen gehöre. Die Polizei tappt auf ihrer Suche nach den Tätern offenbar im Dunkeln. Sie hat eine Belohnung von 100.000 Yuan (9000 Euro) für Hinweise ausgelobt sowie eine Fahndung eingeleitet. Vor allem in den Grenzregionen der Provinz Yunnan zu den Nachbarländern Birma, Laos und Vietnam wurden die Polizeikontrollen verstärkt.

Der Terrorexperte Li Wei erklärte laut “South China Morning Post”, dass es sich vermutlich nicht um einen Terroranschlag sondern womöglich eher um persönliche Racheakte gehandelt habe.

Wie die Ermittler offenbar bereits herausgefunden haben, wurden die Explosionen durch Ammoniumnitrat herbeigeführt. Dieser Stoff wird vor allem in der Landwirtschaft zum Düngen verwendet. Die Sprengkörper hatten die Attentäter unter den Sitzen der Busse angebracht. Die Explosionen hatten Löcher in die Verkleidung der beiden Busse gerissen, seien aber nur von geringer Stärke gewesen, erklärte Li Wei.

Laut Polizeiangaben sind örtliche Medienberichte über drei tote Menschen nicht korrekt. Auf Grund verschiedener Bezeichnungen der Explosionsorte sei es zu Verwirrung gekommen, die zu der fälschlichen Berichterstattung geführt habe.

Bis auf eine schwer verletzte Person seien nun alle Passagiere außer Lebensgefahr. Die meisten hätten durch die starke Detonation Verletzungen im Innenohr davongetragen.

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Artikel vom 22. Juli 2008

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