China will keine internationale Untersuchung in Tibet

Von Christian Dieter Matuschek

China will keine internationale Untersuchung in TibetDie Krawalle in Tibet gehen weiter, und China schlägt brutal zurück. Bei antichinesischen Protesten in Tibet sind nach Informationen des Exil-Parlaments in der Hauptstadt Lhasa und anderen Teilen des Landes hunderte Menschen getötet worden. Der Dalai Lama, religiöser Führer des tibetischen Volks rief unterdessen zu Gewaltverzicht auf und forderte eine unabhängige Untersuchung. Dies wird von China allerdings nicht in Betracht gezogen.

Am Montag (um 17 Uhr MEZ) lief ein Ultimatum, das die chinesische Regierung an die Demonstranten gerichtet hat, ab. Wer sich stellte, hätte mit milder Behandlung rechnen können, hatte der tibetische Gouverneur Champa Phuntsok am Montag vor Journalisten gesagt. Peking hat inzwischen alle Ausländer aufgefordert, Tibet zu verlassen.

Exil-Tibeter äußerten die Befürchtung, dass es nach Ablauf des Ultimatums zu einer Militäroffensive kommen werde.

Die Protestbewegung blieb nicht auf die tibetische Hauptstadt Lhasa beschränkt. Augenzeugen berichteten von einem Truppeneinmarsch in der Nachbarprovinz Sichuan. Dort war es am Sonntag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, bei denen nach unbestätigten Berichten bis zu acht Menschen getötet wurden. In Maqu in der Provinz Gansu kam es am Montag zu neuen Zusammenstößen zwischen tausenden Demonstranten und der Polizei.

Nach Behördenangaben wurden mindestens zehn Polizisten verletzt. In Tongren in der Provinz Qinghai bezogen Bereitschaftspolizisten Stellung vor einem buddhistischen Kloster. Trotz eines Versammlungsverbots zogen Dutzende Mönche auf einen Hügel, wo sie Räucherwerk anzündeten. Dies sei Ausdruck des gewaltfreien Protests, sagte ein Teilnehmer. Das tibetische Siedlungsgebiet ist nahezu doppelt so groß wie die 1965 von den Kommunisten errichtete autonome Region Tibet. Weite Teile des alten Tibet wurden damals den Provinzen Sichuan und Qinghai angegliedert.

Die Regierung in Peking lehnt eine internationale Untersuchung der Vorgänge in Tibet ab. Auf Forderungen nach der Entsendung eines unabhängigen Gesandten der Vereinten Nationen sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Montag vor der Presse in Peking, die Entwicklung in Tibet sei eine “innere Angelegenheit”. China sei völlig in der Lage, alleine damit umzugehen.

China bezeichnet den Dalai Lama unterdessen als Lügner und Aufwiegler. Er solle hinter den massiven Protesten stecken. Auf dessen Vorwurf eines “kulturellen Völkermordes” in Tibet entgegnete er, der Dalai Lama verbreite “eine Menge Lügen und führt die Medien und die Öffentlichkeit in die Irre”. Es war die erste Erklärung der Zentralregierung in Peking zu den schweren Ausschreitungen in Tibet.

Die chinesische Regierung bestritt zudem etwas verstecken zu wollen. Man könne derzeit die Sicherheit von ausländischen Personen nicht gewährleisten, daher wurden diese des Landes verwiesen.

Der Dalai Lama bezeichnete das Vorgehen der chinesischen Regierung während einer Sitzung als beabsichtigten oder unbeabsichtigten Völkermord und befürchtet noch mehr Blutvergießen.

Die chinesischen Sicherheitskräfte haben bei Razzien in der tibetischen Hauptstadt nach exiltibetischen Angaben Hunderte von Tibetern festgenommen. Wie das exiltibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) berichtete, gibt es solche Razzien seit Sonntag.

Artikel vom 18. März 2008

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