CSU sucht - was es nicht zu finden gibt !
Die CSU ist geschockt. Ein derart schlechtes Ergebnis hat man nicht erwartet. Ich bin auch geschockt. Ich hatte nicht gedacht, dass die CSU tatsächlich so doof sein könnte, und tatsächlich glaubte, 50 + X zu erreichen.
Wer in Bayern Augen und Ohren aufsperrte, der konnte den Stimmungswechsel gar nicht übersehen. Eine Katastrophe ist das aber eigentlich nicht.
Vielmehr ist es grandiose Selbstüberschätzung zu glauben, eine Gallionsfigur wie Edmund Stoiber könnte einfach einmal schnell ausgetauscht und ohne Verluste ersetzt werden. Die CSU hat bei dieser Wahl noch einmal für den unschönen Umgang mit Edmund Stoiber bezahlen müssen. Deshalb ist Bayern aber nicht mehr oder weniger konservativ als vorher.
Jetzt von einem Debakel zu sprechen ist nicht gerade klug, vielleicht populistisch um unsichere Unions-Wähler für die Bundestagswahl zu mobilisieren, aber von einem tatsächlichen Debakel kann keine Rede sein. Die CSU ist mit gewaltigem Abstand stärkste Fraktion in Bayern. Das macht dieser Partei in ganz Europa in dieser Form so schnell niemand nach.
Eine schnelle Regierungsbildung sollte jetzt für die CSU oberste Priorität haben. Die FDP wird sich hierzu sicherlich leicht bitten lassen.
Der größte Fehler der CSU ist es nun aber über Personalfragen zu debattierten. Haderthauer geht, Haderthauer geht nicht. Huber geht nicht, jetzt zumindest, später aber vielleicht. Tatsächlich gibt es in der CSU keine Persönlichkeiten, außer Söder – und der arbeitet für die EU - , die für Führungspositionen in Frage kämen. Ein Doppelspiel aus Söder und Haderthauer lässt die alteingesessene CSU-Riege nicht zu, also ist die Debatte überflüssig.
Seehofer hat miserable Vertrauenswerte. Seine Affäre und seine nachlässige Arbeit als Bundesverbraucherminister haben sein Image schwer beschädigt, auch wenn er das nicht wahrhaben will. Beckstein und Huber aber sind jetzt ein eingespieltes Tandem. Sie stellen Bayern dar und haben es bereits in ihrer kurzen Zeit der Machthabe geschafft, Identität zu schaffen.
Mit dem gewaltigen Stoiber-Erfolg im Rücken, ist das eigentlich eine beachtliche Leistung, die so nicht zu erwarten war. Eigentlich wäre ein Total-Absturz der CSU sehr viel wahrscheinlicher gewesen, als dass es ein fränkischer Provinzler und ein bayerischer Heile-Welt-Zögling schaffen, die CSU vor dem Niedergang zu bewahren.
In der Vergangenheit war die Erbfolge in der CSU immer von langer Hand geplant. Einen echten Schnell-Sturz in der Stoiber-Form hatte es zuvor nicht gegeben. Selbst Stoiber gelangte „ordentlicher“ an die Macht als Beckstein und Huber. Aber diese haben es tatsächlich geschafft sich ein Stück weit zu politischen Persönlichkeiten zu entwickeln.
Warum also von einem Debakel sprechen, wenn die CSU-Spitze eigentlich einen gewaltigen Erfolg verbuchen kann, warum Figuren wegwerfen wollen, die gerade begonnen haben Format zu gewinnen, warum einem Wagen Steine in den Weg legen, wenn er gerade zu rollen beginnt.
Aber offenbar ist man bei der CSU nicht fähig, die Lage einzuschätzen, schon vor der Wahl nicht, und jetzt offenbar erst recht nicht.
So sucht die CSU einen Schuldigen für das vermeintliche Wahl-Debakel, den es nicht gibt, weil es kein Debakel ist, - sucht eine Führungsspitze, die es in der gewünschten Form nicht gibt, weil es für die derzeitige Führungsspitze keine mindestens gleichwertige Alternative gibt, - sucht einen Papa-Stoiber, der alles richten soll, den es aber in dieser Form auch nicht mehr gibt, weil man ihn selbst zerstört hat.
Foto: Christine Haderthauer





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29. September 2008 um 13:18
“Mit dem gewaltigen Stoiber-Erfolg im Rücken, ist das eigentlich eine beachtliche Leistung, die so nicht zu erwarten war. Eigentlich wäre ein Total-Absturz der CSU sehr viel wahrscheinlicher gewesen, als dass es ein fränkischer Provinzler und ein bayerischer Heile-Welt-Zögling schaffen, die CSU vor dem Niedergang zu bewahren.”
Hä? Wurde der Artikel vor dem Wahlergebnis geschrieben?!?
29. September 2008 um 13:19
“Warum also von einem Debakel sprechen, wenn die CSU-Spitze eigentlich einen gewaltigen Erfolg verbuchen kann, warum Figuren wegwerfen wollen, die gerade begonnen haben Format zu gewinnen, warum einem Wagen Steine in den Weg legen, wenn er gerade zu rollen beginnt.”
LOL
29. September 2008 um 21:44
Christine Haderthauer ist eine der wenigen CSU-Figuren, die Klartext spricht, und glaubwürdig ist.
Sie hat alleine mehr Charisma, als DITIB-Beckstein und Landesbank-Huber zusammen.
“Die CSU ist mit gewaltigem Abstand stärkste Fraktion in Bayern.
Das macht dieser Partei in ganz Europa in dieser Form so schnell niemand nach.”
Das ist wohl wahr.
btw: Die SPD erlebte in Bayern gerade das größte Debakel ihrer Geschichte.
24. Oktober 2008 um 06:40
Die CSU soll zufrieden sein das sie noch Herren wie Seehofer hat, denn mit Beckstein & Co würden die bald nicht mehr mit der FDP eine Regierung bilden können.
Mag ja sein das die Politik der führenden CSU-ler gar nicht soweit auseinander liegt, das Politik ja eh mehr von Staatssekretären oder all dem im Hintergrund arbeitenden Stab von Fachleuten gemacht wird, aber Politik muss auch verbal dem Volke erklärt werden können.
Schon Stoiber war ja kein verbal-Akrobat , hatte aber noch ein gewisses Charisma verbunden mit einiger Kompetenz in Sachfragen die spürbar war.
Im Gegensatz dazu nehme man da die immer hilflose Rhetorik eines Beckstein der in jeder Talkshow kaum drei zusammenhängende Sätze zustande-stammelte…haben/hatten die Huber/Beckstein keine Medienprofis zur Hand, die mit denen deren verbale wie auch Körpersprache trainierten?
Sorry , obzwar wir ja noch nicht ganz “amerikanisch” sind, aber mittlerweile gehört auch hier das sich verkaufen, die Show dazu.
Wenn die CSU nicht noch einen anderen mit Charisma in der Hinterhand hat , sollte man Seehofer besser nicht weiter beschädigen. Im Volk hat er jedenfalls mehr Vertrauen als Huber&Beckstein zusammen!