Deutsche Politiker bequemen sich im Fall Marco W. endlich zu Kritik

Von Irina Heidkamp

Marco W muss endlich aus dem Türkenknast befreit werden !Am Dienstag wurde der Prozess gegen den 17jährigen Schüler Marco W. in Antalya erneut vertagt, zum 7. Mal. Die Anwälte des Jungen zeigten sich ratlos und enttäuscht. Ein Bild, das den Jungen im Gerichtssaal zeigt, wie er verzweifelt auf seine Mutter wartet, dokumentiert, was aus dem einst so fröhlichen Jungen gemacht worden ist.

Marco`s Mutter war kurz vor dem siebten Prozesstermin zusammengeklappt, konnte nicht erscheinen. Wie bitter für Mutter und Sohn.

Immer noch gibt es keine konkreten Beweise für die Schuld des Jungen, im Gegenteil, die beiden Entlastungszeugen, die bereits für Marco aussagten, wurden einfach ignoriert. Charlottes Aussage liegt nicht vor.

Die Hilflosigkeit und offensichtliche Ratlosigkeit der deutschen Anwälte Marco`s machen wütend, vor allem aber die Tatenlosigkeit unserer Politik. Ein deutscher Jugendlicher scheint nichts wert zu sein – Eine Ungeheuerlichkeit !

Aus dem einst so fröhlichen, unbeschwerten Jungen ist ein gebrochener Häftling geworden, schreibt die Bildzeitung am Mittwoch und zeigt ein entsprechendes Bild dazu.

Tatsächlich hat man die erneute Vertagung des Prozesses in Berlin „mit Empörung“ aufgenommen. Das allerdings hilft Marco wenig. Taten sind gefragt.-

Politiker von Union und FDP forderten Konsequenzen. „Der Fall zeigt, dass die Türkei nicht reif für den Beitritt in die Europäische Union ist“, sagte der rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Gehb, der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“ (Mittwochausgabe) und spricht damit Millionen Bundesbürgern aus dem Herzen.

„Mit unserem Verständnis von einem Rechtsstaat ist dieses Verfahren nicht mehr vereinbar“, sagte Gehb.

Muss man sich denn nun fürchten in die Türkei in den Urlaub zu fahren? Sollte einem dort wirklich Ungerechtigkeit widerfahren, kann man sich noch nicht einmal darauf verlassen, dass einem von der Heimat geholfen wird !

FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jörg van Essen kritisierte: „Haftsachen, insbesondere in Jugendverfahren, sind in allen Rechtsstaaten der Welt mit besonderer Beschleunigung zu bearbeiten. Was wir hier erleben an immer neuen vermeidbaren Verzögerungen ist ein Skandal“, betonte er.

FDP-Fraktionsvize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte ein Eilverfahren vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof: „Diese Verzögerung des Verfahrens ist nicht akzeptabel. Mit rechtsstaatlichen Maßstäben hat das nichts zu tun.“

Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) kritisierte, die britische Belastungszeugin Charlotte, die Marco sexuellen Missbrauch vorwirft, „hätte schon längst vor Gericht erscheinen müssen, damit
sich die Richter ein Bild von ihrer Glaubwürdigkeit machen können“.

Von SPD und Grünen, die sich gerne als besonders menschenfreundlich darstellen, konnte allerdings bislang keine Reaktion auf die erneute Vertagung des Prozesses vernommen werden. Toleranz scheint hier also Gleichgültigkeit, so lange es die Damen und Herren nicht selbst betrifft.

Die Verhandlung gegen Marco war am Dienstag im türkischen Antalya auf den 14. Dezember vertagt worden. Der Jugendliche soll sich im April im türkischen Urlaubsort Side in einem Hotelzimmer an der 13-jährigen Britin Charlotte sexuell vergangen haben. Der Schüler sitzt seit mehr als sieben Monaten in Untersuchungshaft in der Türkei.

DCRS ONLINE meint: Die Regierung muss endlich tätig werden, zumindest die Auslieferung fordern, damit Marco in Deutschland einen echten, fairen Prozess erhalten kann, der die Wahrheit ans Licht bringt, gleich wie diese dann aussehen mag. Doch das Lamentieren über vergleichsweise Nichtigkeiten im Bundestag ist eben bequemer als tatsächlich Maßnahmen zu ergreifen, da müsste man dann ja einmal etwas arbeiten !

Artikel vom 21. November 2007

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