Deutsche Polizisten gründeten inoffizielle Sicherheitsschule in Libyen
Polizisten, Bundesewehr-Angehörige und Spezialisten mit GSG-9-Hintergrund stehen nun im Zentrum von Ermittlungen des Verteidigungsministeriums. Rund 30 Personen sollen auf eigene Rechnung Sicherheitskräfte des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi ausgebildet haben.
Behördenkreise bestätigten in Düsseldorf entsprechende Angaben der “Süddeutschen Zeitung”. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte: “Aktive Beamte der GSG-9 sind nach unseren Erkenntnissen nicht involviert.”
Im Verteidigungsministerium bestätigte ein Sprecher, dass gegen einen Angehörigen der Bundeswehr unter dem Vorwurf, er habe in Libyen “in der Freizeit Ausbildungsunterstützung” geleistet, disziplinarisch ermittelt werde. Der Soldat sei gegenwärtig vom aktiven Dienst suspendiert.
Allein in Nordrhein-Westfalen stehen acht Polizisten unter Verdacht, teilte NRW-Innenminister Ingo Wolf, FDP, mit. Er bestätigte Informationen des Bielefelder “Westfalen-Blatts” und der “Neuen Westfälischen”.
Gegen alle acht Beamten seien bereits Disziplinarverfahren eingeleitet worden. “Das Verhalten der Polizisten ist völlig inakzeptabel”, sagte Wolf.
Laut Jahresbericht 2007 der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist Libyen vom Status eines Rechtsstaats noch weit entfernt, auch wenn Gaddafi in den vergangenen Jahren einen moderateren Kurs in punkto Menschenrechte sowie bei der Abgrenzung vom Terrorismus eingeschlagen hatte.
Hinweise auf entsprechende Machenschaften liegen offenbar schon seit Juni 2007 vor. Das Innenministerium habe damals Düsseldorfer Polizei mit Ermittlungen beauftragt.
Ein Ministeriumssprecher erklärte unterdessen, es sei noch unklar, welche Sicherheitskräfte genau in Libyen geschult worden seien. Die SPD kündigte an, die Vorwürfe im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags zur Sprache zu bringen.
Ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage, dass gegen einen ehemaligen SEK-Beamten wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen ermittelt werde. Einzelheiten werde die Behörde an diesem Freitag mitteilen.
Nach Zeitungsinformationen hatte ein früherer Beamter der GSG 9 - der Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei - eine private Sicherheitsfirma gegründet und bei mehreren Spezialeinsatzkommandos Polizisten auf Honorarbasis angeheuert. Die SEK-Beamten seien vor zwei Jahren nach Libyen geflogen und hätten dort im Auftrag der Privatfirma Sicherheitskräfte trainiert. Für ihren Einsatz in dem nordafrikanischen Land sollen die Beamten bis zu 15.000 Euro bekommen haben.
Eine Sprecherin von Amnesty International sagte dem “Westfalen-Blatt”, es sei schlimm, wenn sich der Verdacht bestätige. Im Amnesty- Jahresbericht 2007 sei etwa nachzulesen, dass libysche Polizisten an einem Tag zwölf Demonstranten erschossen hätten.
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