Die katholische Kirche

Ein Kommentar von Helga Wolf

Die katholische KircheAm 13. Mai 2007 leistete sich Ratzinger einen verbalen Schlag gegen die Indianer Südamerikas. Er hielt eine Predigt in Brasilien und meinte, dass “die Missionare den christlichen Glauben den Urvölkern anboten”. Weiter sagte er: “Die Weisheit brachte die Urvölker glücklicherweise dazu, eine Synthese zwischen ihren Kulturen und dem christlichen Glauben zu bilden”. (Welt, 23.5.07).

Richtig, sie waren weise. Wer wäre das nicht, wenn es um das nackte Leben geht. Was galt schon ein Indianerleben in damaligen Zeiten. Wenn in diesen Zusammenhängen von der “Liebe bis zur Vollendung” laut Ratzinger gesprochen wird, ist Gänsehaut angesagt.

Aber nicht nur mit den Indianern wurde derart umgegangen. Die Verbrechen der Kirche ziehen sich wie eine riesige blutige Spur durch unsere Geschichte.

Machtergreifung und -missbrauch, Landübernahme, Volksausbeutung, Kriege, Hexenverfolgungen, bis manche Dörfer fast frauenlos waren, Folter, Vergewaltigungen, Verbreitung von Druck, Angst und Zwang, Exorzismus und in den letzten Jahren mutieren die Berichte über Missbrauch an Kindern - nachdem es kein Tabuthema mehr war - fast zum alltäglichen Nachrichten-Alltag. Diskriminierungen von Frauen, Lesben und Schwulen gehören ebenfalls zur Tagesordnung. Unter kirchenopfer.de ist das alles ausführlicher zusammengefasst.

Ich frage mich, wie es sein kann, dass es nach all dem so viele Leute gibt, die immer noch in die Kirche gehen und die Predigten für bare Münze nehmen. Der Papst wird wie ein Popstar gehändelt und es jubeln ihm viele zu, auch junge Leute - wie ehedem Michael Jackson, natürlich vor dem Verdacht, dass er sich an Kindern vergangen haben könnte -. Wie kann ich zu einer Institution halten, die so viele Leichen im Keller hat? Die immer noch auf das Zölibat besteht, obwohl sie von zig unehelichen Pfarrerskindern wie auch von den vielen zerstörten missbrauchten Kinderseelen weiß? Letzteres ist in ihren Augen nur eine moralische Verfehlung und keine Straftat, deshalb stehen die Pädokriminellen auch unter besonderem Schutz. Nicht nur das: Wie im Riekofener Skandalfall vom letzten Jahr werden sie sogar erneut bevorzugt bei Kindern eingesetzt; hier in einer Grundschule und das, obwohl eine Amtsrichterin genau davor gewarnt hatte, ihn wieder mit der Jugend arbeiten zu lassen.

Und wieder ist vermehrt in kirchlichen Kreisen vom Exorzismus die Rede, der Heilung von Homosexualität, vom § 218. Noch mehr Kontrollforderungen für all jene, die sich nicht beugen und nicht so wie vorgeschrieben leben möchten oder kritische Gedanken äußern. Versprengte Schafe gilt es einzufangen und bei den angewendeten Methoden wird nicht lange gefackelt.

Natürlich leistet die Kirche auch viel Sozialarbeit für Junge, Kranke und Alte und das will ich auch gar nicht herunterspielen oder schmälern; oftmals in mühseliger und nervenaufreibender Mitarbeit aller HelferInnen. Ich frage mich nur, ob das Geld, das Millionen gläubige BürgerInnen bezahlen, nicht auch ohne Kirche für gute Werke ausgegeben und verarbeitet werden könnte, ohne dass scheinheilige Doppel-Moral und rotsamtene arrogante Macht dahintersteht, die mit dem Patriarchat Hand in Hand geht. Oder wie erklärt es sich anders, dass Frauen dort höchstens als Gehilfinnen Platz finden und von Gleichberechtigung noch nie die Rede sein konnte?

Für mich persönlich ist die katholische Kirche nur eine Sekte von vielen; leider eine staatlich genehmigte und geförderte.

Um auf den Missbrauch - ich würde es lieber beim Namen nennen: Pädokriminalität - zurückzukommen:

Norbert Denef kämpft seit Jahren um eine Anerkennung der an ihm begangenen Verbrechen von Seiten der Kirche und um eine Aufhebung der Verjährung dessen im Zivilrecht. Es gibt auch eine Petition in diesem Sinne.

In einem Bericht auf Denefs Homepage ist nachzulesen, dass Herr Ratzinger persönlich beim Thema Pädokriminalität in den 90igern in Texas Vertuschung betrieben haben soll. Wirklich überrascht bin ich nicht darüber, allenfalls in dem Bezug über die Meldung dieses Jahr, dass der Papst “beschämt” ist über den “Missbrauch” durch US-Priester. Da haben wir sie wieder - die Scheinheiligkeit selbst auf höchster Stelle. Ist er auch beschämt über den “Missbrauch” durch Priester in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt?

Ohnehin gelangt das wenigste an die Öffentlichkeit: Unter dem Titel “Pope Obstructed Sex abuse inquiry” war vor einiger Zeit in der englischen Presse ein Bericht zu lesen, in dem der jetzige Papst als Vorsitzender der Glaubenskongregation in einem Brief jeden katholischen Priester vertraulich aufgefordert haben soll, Untersuchungen gegen Kinderschänder unter den Teppich zu kehren. Wie lange? Mindestens bis die Opfer volljährig sind.

Übrigens richtete im Jahr 1542 Papst Paul III. die Inquisition als Kardinalskommission ein, die als zentrale Instanz für alle Länder über den reinen Glauben zu wachen hatte. 1908 erhielt diese Behörde den Namen “Heiliges Offizium” und mittlerweile wird sie Kongegration für die Glaubenslehre” genannt. Der Inhalt ist aber nach wie vor der selbe.

Je mehr Licht man in die Kirchengeschichte bringt, desto dunkler wird`s.

(Heinrich Wiesner, dt. Aphoristiker, 1925)

Wie wahr! Nachtsichtgeräte für alle wären angebracht…

Artikel vom 10. Juli 2008

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