Diskussion um Sterbehilfe von Dignitas neu angestachelt

Von Kerstin Moebius

Diskussion um Sterbehilfe von Dignitas neu angestacheltJustizministerin Brigitte Zypries, SPD, hatte zum Thema Sterbehilfe in Deutschland geäußert, dass sich jeder auch in Deutschland umbringen könnte. Diese Äußerung stößt offenbar bei der schweizerischen Sterbehilfeorganisation Dignitas auf größtes Unterverständnis. 60 Prozent der Hilfesuchenden, die zu Dignitas kommen, sind nach deren Angaben nämlich Deutsche.

Der Gründer der Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas, Ludwig Minelli, hat die Bundesregierung für ihren Umgang mit Sterbewilligen daher nun scharf kritisiert. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) habe “keine Ahnung” vom “Suizidgeschehen” in Deutschland, sagte Minelli laut einem Medienbericht.

Die Äußerung der Ministerin sei “so kaltschnäuzig, fast schon empörend”, so der “Tagesspiegel am Sonntag”.

Eine Freitodbegleitung sei in Deutschland unter menschenwürdigen Bedingungen nicht möglich, erklärte Minelli. Der Bezug von seiner Ansicht nach human wirkenden Giften sei in Deutschland verboten, das von seiner Organisation genutzte Natriumpentobarbital dürften nur Veterinäre verwenden. “Somit haben Tiere in Deutschland mehr Rechte als Menschen.”

Ausdrücklich wandte sich Minelli gegen die aktive Tötung von Patienten auf deren Wunsch hin. “Ich finde, man sollte diesen Schritt nicht tun”, sagte er. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland nicht strafbar, allerdings müssen Sterbehelfer befürchten, wegen unterlassener Hilfeleistung belangt zu werden.

Minelle gab indirekt zu, dass seine Organisation versuche, in Deutschland einen Präzedenzfall zu schaffen. Eine Rechtsänderung in Deutschland wäre dann in drei bis fünf Jahren denkbar, sagte er. Und falls deutsche Gerichte nicht “vernünftig” urteilten, müsse der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg entscheiden.

Minelli hat nach eigenen Angaben in den letzten zehn Jahren mit seiner Organisation 840 Menschen in den Tod begleitet. 60 Prozent davon seien Deutsche gewesen.

Artikel vom 30. März 2008

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