Dramatische Notlandung des Raumschiffes Sojus TMA-10 in der kasachischen Steppe
Dicht an einer Katastrophe vorbeigeschrammt, so kann man die Landung des Raumschiffes “Sojus TMA-10″ in der kasachischen Steppe wohl am besten bezeichnen. Die Raumkapsel mit den beiden russischen Kosmonauten Fjodor Jurtschichin und Oleg Kotow sowie dem ersten Astronauten Malaysias, Sheikh Muszaphar Shukor, an Bord ist am Sonntag nämlich ungesteuert notgelandet.
Die tonnenschwere Kapsel musste in der kasachischen Steppe notlanden und ging um 12.39 Uhr deutscher Zeit rund 200 Kilometer vor dem geplanten Landeplatz bei der Stadt Arkalyk nieder.
Die Besatzung hat die Notlandung unbeschadet überstanden und die Männer sind geborgen worden und wohlauf.
Zu keinem Zeitpunkt habe für die Besatzung habe Lebensgefahr bei der Havarie bestanden, deren Ursache bis dato noch unklar ist, sagte ein Sprecher des Flugleitzentrums (FLZ) in Koroljow bei Moskau.
Das Raumschiff kam jedoch nur noch mit Hilfe einer “Reservevariante” zur Erde zurück.
So erfolgte nach Öffnung des Fallschirms plötzlich das Kommando, die Kapsel auf eine
ballistische Abstiegsbahn zu bringen.
“…Das ist ein seltener Fall…”, kommentierte ein FLZ-Experte das Geschehen.
Das habe es nur einmal 2003 bei der Landung von «Sojus TMA-1» gegeben. Damals sei das Ziel um 460 Kilometer verfehlt worden.
“Sojus TMA-10″ sei von den Bergungsmannschaften, die eilig an den neuen Landeort beordert worden seien, auf der Seite liegend vorgefunden worden.
Das ist allerdings bei den Russen keine Seltenheit. Wird der Landefallschirm beim Auftreffen der Kapsel nicht rechtzeitig ausgeklinkt, kann sie bei starkem Wind durch die Steppe geschleift werden und auf die Seite kippen.
Dabei werden die Besatzungsmitglieder kräftig durchgeschüttelt und müssen nicht selten
von den Bergungsmannschaften in ihren Sicherheitsgurten hängend befreit werden.
Bei einer ballistischen, das heißt ungesteuerten Landung, sind die Kosmonauten kurzzeitig einer Überbelastung bis zum Acht- oder Neunfachen ihres Körpergewichts ausgesetzt.
Bei einer gesteuerten Landung macht die Überbelastung das Drei- bis Vierfache aus. Darauf werden alle Raumfahrer im Training vorbereitet. Allerdings dürfte für Jurtschichin und Kotow, die seit April rund 200 Tage in der ISS arbeiteten, die Überbelastung am Ende ihrer langen Dienstreise eine spezielle körperliche Herausforderung gewesen sein.
Shukor, der am 10. Oktober mit der neuen Stammbesatzung Juri Malentschenko (Russland) und Peggy Whitson (USA) zur Station gestartet war und dort eine Woche lang geforscht hatte, dürfte die Überbelastung lockerer weggesteckt haben.
Unmittelbar nach der Bergung sprach der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Anatoli Perminow, per Handy mit den havarierten Männern. Er beglückwünschte die Besatzung zur “erfolgreichen Landung” und dankte ihnen für die “ausgezeichnete Arbeit”.
Die Raumfahrtzeitschrift “Nowosti Kosmonawtiki” veröffentlichte derweil ausgerechnet am Sonntag auf ihrer Website die Mitteilung, das Flugleitzentrum sei auf eine mögliche Notlandung der “Sojus”-Besatzung vorbereitet.
Sollte sich eine außergewöhnliche Situation an Bord ergeben, setze die Besatzung in Abstimmung mit dem FLZ das “Formular 14″ in Kraft. In dieser Tabelle sei vorgegeben,
wann die Besatzung bei welcher Erdumkreisung die Triebwerke einzuschalten habe, um in den Zonen zu landen, die in den Internationalen Raumfahrtvereinbarungen festgelegt seien.
Neben Kasachstan, Weißrussland und der Ukraine sei das unter anderem auch ein Gebiet in Südfrankreich. Sollte das Raumschiff bei der Landung in Kasachstan vom berechneten Kurs abkommen, werde man es trotzdem sofort finden. Das scheint am Sonntag der Fall gewesen zu sein.
DCRS ONLINE meint: Das ist ja dann gerade noch einmal gut gegangen.





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