Eisbärenbaby Flocke verschläft Taufe

Von Irina Heidkamp

EisbärenbabyDas Nürnberger Eisbärenbaby hat endlich seinen offiziellen Namen. Flocke soll die kleine Eisbärendame auch künftig heißen. Der Zoo gab dem Drängen unzähliger Fans und Berater nach, den Namen nicht noch einmal zu ändern. Ob die kleine Eisbärin damit auch glücklich wird, muss sich erst noch zeigen. Ihren Appetit hat sie aber angesichts ihres neuen, alten Namens nicht verloren, - ganz im Gegenteil.

Der neue Name ist also der alte. In einer live, von zwei Fernsehsendern übertragenen und von 15 TV-Kameras verfolgten Pressekonferenz gab Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly am Freitagnachmittag die Auswahl der Jury aus 50000 Namensvorschlägen bekannt.

Nürnbergs Zoo-Direktor Dag Encke zeigte sich „extrem erfreut“: „Ich hoffe, dass aus dieser Flocke ein Schneeball und vielleicht sogar eine Lawine wird.“

… ob ein derartiger Komentar für eine Dame passend ist ?!

„Wir wollten nicht den Fehler des Tiergartens in Berlin begehen, die erst den Namen Knut bekanntgaben und dann viele Prozesse um die Markenrechte führen mussten»“ sagt Maly.

Deshalb sicherte sich die Stadt bereits Ende vergangener Woche die Rechte, die Kombination „Flocke“ und „Eisbär“ in zehn Marken-Klassen zu vermarkten. Nur kurz zuvor hatte Tierpfleger Horst Maußner den Namen zum ersten Mal genannt: „Ich nenne sie Flocke, weil sie so weiß und kuschelig ist“, sagte er.

In der mit Vertretern der Stadt und des Tiergartens besetzten Jury setzte sich dann „sehr rasch und einvernehmlich“ der Favorit durch:

„An uns wurde appelliert, den Namen zu lassen und uns nichts Künstliches auszudenken“, gab Maly die Resonanz der Flocke-Fans weltweit wieder. Selbst aus Neuseeland und Indien hatten das Rathaus Zuschriften erreicht, nachdem der kleine Eisbär von seiner Mutter verstoßen wurde und seither von Tierpflegern per Hand aufgezogen wird.

Dass er nicht lange namenlos bleiben konnte, merkte Bürgermeister Horst Förther sehr bald: Schon einen Tag danach stapelten sich auf seinem Schreibtisch die Vermarktungsangebote.

In Nürnberg ist Flocke längst omnipräsent: Ein Konditor bietet Eisbärenbabys aus Marzipan an, ein rustikaler Gasthof wirbt mit „Eisbärsalat“. Und auch die Spielwarenmesse, die Anfang Februar startet, wird nach Einschätzung der Stadt das Thema Eisbär vielfältig aufgreifen.

Ein oberfränkischer Plüschtierhersteller ist schon vorgeprescht und hat eine kleine Serie entsprechender Kuscheltiere auf den Markt geworfen. „Das ist auch unproblematisch, solange es nicht mit dem Namen Flocke geschieht. Wir haben uns ja nicht die Marke ‘Eisbär’ gesichert“, sagte Maly. Deshalb werde man auch sicher nicht die Markenpolizei über die Spielwarenmesse schicken.

Aber natürlich hofft die Stadt auf einen Teil des zu erwartenden Geldregens. Er soll in die Infrastruktur des Tiergartens und in eine Kampagne zur Erhaltung der Weltmeere investiert werden, sagte Zoo-Chef Encke.

Er hatte zu Beginn noch versucht, die Eisbären-Euphorie zu bremsen und verwies immer wieder auf die ersten drei Monate der Aufzucht, die sehr kritisch seien. „Doch die Namensfindung hat eine Eigendynamik erreicht, die nicht mehr aufzuhalten war.“

Wie im Fall Knut wird es nun also bald Kuscheltiere, Schlüsselanhänger, Schreibwaren, Filme, Bücher und mehr geben. Maly schränkte jedoch ein: „Wir wollen unseren kleinen Eisbären zeigen, aber ihn nicht zur Schau stellen. Er bleibt im Tiergarten, wandert nicht durch TV-Shows.“

Am Freitag hatte Flocke bereits auf 2950 Gramm zugelegt. „Sie tut nicht viel mehr als schlafen und trinken“, sagte ihr Pfleger Harald Hager.

Entwickelt sie sich weiter so positiv, soll sie bereits Ende März ihr Gehege erkunden und mit ihren Ersatz-Eltern das Schwimmen lernen. Um den dann zu erwartenden Ansturm zu bewältigen, hat die Stadt nun eine Arbeitsgruppe mit Polizei und der Nahverkehrsgesellschaft eingesetzt. Die Flut von Vermarktungsangeboten soll dagegen von der Internet-Seite eisbaerflocke.nuernberg.de aufgefangen werden.

DCRS ONLINE meint: Die kleine Dame hat von ihrer Taufe wohl gar nicht viel mitbekommen.

Artikel vom 18. Januar 2008

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