Es fehlen 200000 Lehrstellen
Im laufenden Ausbildungsjahr stehen nur 623000 Ausbildungsplätze in der deutschen Wirtschaft zur Verfügung. Um diese Plätze streiten sich allerdings 832400 Schulabgänger, wie die Bundesregierung jüngst in ihrem „Berufsbildungsbericht 2008“ mitteilte.
Die Spanne könnte sogar noch größer ausfallen. Die Bewerberzahl liegt nach Einschätzung der Regierung eher am unteren Rand der Schätzungen. Es könnte sich sogar um rund eine Million Bewerber handeln, die sich die geringe Zahl an Ausbildungsplätzen teilen müssen. Wie viele Ausbildungsplätze zum Stichtag Ende September tatsächlich angeboten würden, hängt zudem von der konjunkturellen Entwicklung in den kommenden Monaten ab.
Im Vorjahr waren 626.000 neue Ausbildungsverträge unterschrieben worden - der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung.
Ein unverändert großes Problem sind Altbewerber, die bislang keine Lehrstelle bekommen haben und deshalb Warteschleifen drehen. Bis zu 100.000 Altbewerbern will die Regierung jetzt mit einem neuen Ausbildungsbonus eine Lehrstelle verschaffen. Dafür können Firmen eine Prämie von 4000 bis 6000 Euro bekommen.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla lobte das Modell: “Jetzt ist es an den Betrieben, diese Möglichkeiten auszuschöpfen.” Gewerkschaften und Arbeitgeber lehnen jedoch den Bonus ab. Nach ihrer Ansicht wird das Problem der schlechten schulischen Leistungen dadurch nicht gelöst.
Die Bildungsexpertin der Linken, Nele Hirsch, warf der Koalition vor, die Lage schön zureden. Sie forderte eine gesetzliche Ausbildungsplatz-Umlage. Auf diese Weise sollen Unternehmen zur Kasse gebeten werden, die keine Lehrlinge ausbilden.
Wie gut die von der Politik hochgelobte duale Bildung aus Berufsschule und Praxis in den Betrieben im europäischen Vergleich tatsächlich ist, soll nach Angaben von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) bald wissenschaftlich belegt werden.
“Das deutsche Berufsbildungssystem steht im internationalen Wettbewerb. Es kann und muss sich mit seinen Leistungen messen lassen. Ich habe daher die Initiative ergriffen, einen europäischen Leistungsvergleich in der beruflichen Bildung (Berufsbildungs-PISA) mit anderen europäischen Staaten abzustimmen.” Die PISA-Studien vergleichen die Leistungen von Schülern in den wichtigsten Industriestaaten und hatten erhebliche Defizite in Deutschland aufgezeigt.
Über den wegen sinkender Schulabgängerzahlen drohenden Fachkräftemangel wollen Bund und Länder im Herbst bei einem Qualifizierungsgipfel beraten. Bereits in diesem Jahr werde es über 30.000 weniger Absolventen an den allgemeinbildenden Schulen geben. “Damit wird ein demografisch bedingter Trend eingeleitet, der (…) die künftige Sicherung des Fachkräftenachwuchses deutlich erschweren wird”, heißt es im Bericht. Allein in Ostdeutschland werde sich die Absolventenzahl bis 2013 gegenüber 2000 etwa halbieren. Die Zahl der Schüler mit Abitur wird jedoch leicht steigen. Zwischen 2011 und 2013 werde es starke Zuwächse wegen der doppelten Abiturjahrgänge geben. Diese ergeben sich aus dem verkürzten Gymnasium von 13 auf 12 Jahre.





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