Europas erstes homosexuelles Altenheim eröffnet in Berlin
Ausgerechnet in der deutschen Hauptstadt hat jüngst das erste Pflege- und Altersheim für homosexuelle Rentner und Pensionäre eröffnet. Dass die Sexualität auch im Alter noch eine Rolle spielen kann, ist inzwischen hinreichend bekannt, und auch, dass ausgerechnet Berlin sich hier in der Führungsrolle hervor tut, ist wohl kein Zufall.
Doch Tatsache ist auch, dass sobald ein heterosexueller die Einrichtung betritt, dieser in gewisser Form diskriminiert ist.
Es erscheint hier doch äußerst fraglich, warum man extra ein Schwulen- und Lesben – Sanatorium benötigt und nicht Personen mit unterschiedlichster sexueller Neigung völlig unaufgeregt in ein und demselben Pflegeheim untergebracht werden können.
Der lesbisch-schwule Interessenverband Village e.V. begründet dies damit, dass viele Lesben und Schwule bislang häufig ihre Sexualität im Alter verleugnet hätten. Dies wolle man nun ändern. Deshalb wird das Pflegeheim für Homosexuell am Freitag den 18. Januar in Berlin -Pankow offiziell eröffnet.
Ziel sei es, „ein diskriminierungsfreies Leben im Alter für Lesben und Schwule zu ermöglichen“, sagte Village-Gründungsmitglied Christian Hamm der Nachrichtenagentur ddp.
Allerdings ist die Abgeschiedenheit nur ein Trugschluss. Denn ein tatsächlich diskriminierungsfreies Leben, wäre ein Leben ohne große Beachtung und Aufmerksamkeit unter Heterosexuellen und nicht die selbst herbeigeführte Abgrenzung.
Dass Bedarf an Senioreneinrichtungen für Homosexuelle besteht, ist angeblich schon lange bekannt. Doch bislang gab es keine entsprechenden Angebote.
„Wir vermuten, dass viele Pflegeheimbetreiber fürchten, ihr Publikum zu vergraulen“, sagte Hamm. Erst im Asta-Nielsen-Pflegeheim in Pankow stieß der Verein Village auf offene Ohren. Die Leiterin des Pflegeheims, Kerstin Wecker, ist selbst bekennende Lesbe und weiß, wovon sie spricht:
„Ältere Lesben und Schwule haben oft eine Geschichte der Verfolgung, Bestrafung und Diskriminierung erlebt. Es ist umso wichtiger, dass sie in einer Pflegesituation von ihrem Leben erzählen können, ohne sich verstecken zu müssen.“
Zwar wird heute offen darüber diskutiert, ob Deutschland einen schwulen Kanzler akzeptieren würde. Die Erfolge im Kampf um Gleichberechtigung und Toleranz von gleichgeschlechtlicher Liebe wurden aber erst in den vergangenen Jahrzehnten errungen. Noch bis 1969 stand Homosexualität in Deutschland per Gesetz unter Strafe.
„Heute 80-jährige Lesben und Schwule haben die ersten 40 Jahre ihres Lebens und vor allem ihre Jugend in dieser Situation erlebt“, betonte Hamm. Und diese Generation hat weiterhin Angst vor Diskriminierung und Unverständnis - etwa in herkömmlichen Altenheimen.
„Wenn man älter ist, wird man vielleicht empfindlicher und dünnhäutiger“, sagte Peter Mahling.
Für den 59-Jährigen wäre eine Unterbringung in einem gewöhnlichen Pflegeheim undenkbar: „Ich möchte auch ein Foto von meinem Freund hinstellen können und will nicht sagen müssen: ‘Das ist mein Bruder oder mein Schwager’“.
Er würde auch seinen Freund küssen wollen, ohne dass sich andere Heimbewohner aufregten, die mit Homosexualität nicht umgehen könnten. Wenn Mahling seine als Schwuler erkämpften Rechte im Alter neu verteidigen müsste, wäre das für ihn ein „zweites Outing“.
Bislang war Homosexualität in Pflegeheimen angeblich „kein Thema“, fand der Verein Village bei einer Befragung heraus - und dass, obwohl davon ausgegangen wird, dass rund fünf Prozent der Menschen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben. „Die Vermutung ist, dass pflegebedürftige Lesben und Schwule bislang ihre Lebensgeschichte für sich behalten haben. Das fanden wir ganz grausam“, sagte Hamm.
In der neuen Pflegeetage des Asta-Nielsen-Heims stehen fortan 28 Betten, zumeist Einzel- sowie einige Doppelzimmer, für „Lesben und Schwule sowie ihre Freunde und Freundinnen bereit“, sagte Wecker. Gemessen am Bedarf dürfte das Pilotprojekt lediglich ein „Tropfen auf den heißen Stein“ sein. Denn allein in Berlin seien Schätzungen zufolge schon über 1350 Lesben und Schwule in vollstationärer Pflege untergebracht. Zudem ist das Interesse an dem Projekt groß. Auch mit Anfragen von außerhalb Berlins wird gerechnet.
Wecker wies darauf hin, dass bei der Auswahl des Pflegepersonals „Respekt, Vertrauen und Verständnis im Umgang mit Lesben und Schwulen“ im Vordergrund stünden.
Auch der Heimalltag werde sich nach deren Bedürfnissen richten. Bei Kinoabenden sollen von der lesbisch-schwulen Community bevorzugte Filme gezeigt werden, bei Chorabenden könnten etwa die Spreediven oder die Rosenkavaliere auftreten. Wecker, Hamm und ihre Mitstreiter hoffen, auch andere Heimbetreiber von ihrem Projekt überzeugen zu können. (village-ev.de; haus-asta-nielsen.de)
DCRS ONLINE meint: Diese Einrichtung beweist, dass weder Heteros tatsächlich vorurteilsfrei mit Homosexuellen umgehen, genauso wenig, wie umgekehrt !!





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