Flug- und Nahverkehr bundesweit bestreikt
Seit Mittwochmorgen geht im deutschen Flug- und Nahverkehr fast nichts mehr. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes zu Streiks aufgerufen, mit durchschlagendem Erfolg.
Erstmals sind nun auch die deutschen Flughäfen von den Ausständen betroffen. Punkt 4.30 Uhr traten Beschäftigte des Flughafen Hannover in den Warnstreik, in Nordrhein-Westfalen streikte auch der Nahverkehr. Am Frankfurter Flughafen legten rund 2000 Mitarbeiter planmäßig ab 05.30 Uhr die Arbeit nieder. Dort könnten zwar noch Flugzeuge landen. Starts gebe es allerdings keine mehr. Die Warnstreiks bei Sicherheitskontrollen, Gepäckabfertigung und Büropersonal sollten bis in den Nachmittag dauern.
In München gingen etwa 180 Mitarbeiter ab 5.00 Uhr in den Ausstand. “Nach unseren Informationen ist am Morgen noch kein Flug aus München rausgegangen”, sagte der zuständige Sprecher von Verdi Bayern, Frank Riegler. “Auf der Anzeigetafel ist alles annuliert.” München soll zwischen 5.00 und 12.00 Uhr bestreikt werden.
Am Nürnberger Flughafen ging Verdi-Sprecher Manfred Weidenfelder von etwa 100 Streikenden aus, unter anderem Haustechniker und Busfahrer. “Die Stimmung ist gut”, sagte er. In Nürnberg soll vier Stunden lang gestreikt werden.
Auch in Düsseldorf wird seit 4.00 Uhr gestreikt. Die Gepäckförderanlagen stehen still. Einchecken ist unmöglich. Bis 9.00 Uhr soll der Ausstand dauern, dann werde der Betrieb wieder aufgenommen.
Insgesamt zeigte sich Verdi mit dem Streikauftakt an deutschen Flughäfen zufrieden. Auch in Stuttgart, Münster-Osnabrück und Saarbrücken wird der Flugverkehr bestreikt.
Auf dem Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel sollten die Beschäftigten nach Gewerkschaftsangaben zwischen 6 und 9 Uhr in den Ausstand treten.
Die Lufthansa reagierte unmittelbar auf die Warnstreiks, strich 142 Flüge. Vor allem innerdeutsche Flüge mit Start oder Ziel in Frankfurt oder München wurden gestrichen.
In Nordrhein-Westfalen legten mit dem Schichtwechsel um 2 Uhr als erste die Beschäftigten der Kölner Verkehrsbetriebe ihre Arbeit nieder, wie ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Düsseldorf mitteilte. Der öffentliche Personennahverkehr in NRW wird nach Einschätzung der Gewerkschaft im Verlauf des Tages fast flächendeckend zum Erliegen kommen. Außerdem sollten unter anderem Kindertagesstätten, Krankenhäuser, die Müllabfuhr, Sparkassen, Altenpflegeeinrichtungen, Theater und Stadtverwaltungen bestreikt werden.
Die Warnstreiks verfehlen unterdessen ihre Wirkung ganz offensichtlich nicht. Die Arbeitgeber zeigten äußerst ärgerlich über die Ausfälle. So erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg:
„Flughäfen lahm zu legen ist völlig unverhältnismäßig und gefährdet den Standort Deutschland.”
Allerdings gelte dies auch für den Bahn-Streik im Güterverkehr. Abhalten werden sich die Arbeitnehmer mit derartigen Argumentationen sicher nicht. Im Gegenteil.
Man werde künftig die Frage stellen müssen, wo die Verhältnismäßigkeit von Warnstreiks endet, erklärte Landsberg weiter. Er halte angesichts der umfassenden Streikaktionen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der starren Verhandlungshaltung ein neues Angebot der Arbeitgeber vor der letzten Verhandlungsrunde ab Donnerstag für ausgeschlossen.
Am Donnerstag startet in Potsdam die fünfte und vorerst letzte Verhandlungsrunde im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen. Verdi fordert für seine Anhänger ein Plus von 8 Prozent, mindestens aber 200 Euro im Monat.
Diese Erhöhung soll maximal für ein Jahr gelten, dann wolle Verdi schon wieder neu verhandeln.
Die Arbeitgeber bieten ein Plus von fünf Prozent für zwei Jahre. Gleichzeitig soll die Arbeitszeit im Westen von 38,5 Wochenstunden auf 40 Stunden und damit auf Ost-Niveau steigen.
Verdi-Chef Bsirske sagte der Hannoverschen “Neuen Presse”, der bisherige Verlauf der Warnstreiks habe gezeigt, dass die Beschäftigten auch bereit seien, in einen unbefristeten Arbeitskampf zu gehen, sollten die Arbeitgeber den Forderungen der Gewerkschaften in der nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag nicht entgegenkommen.
Das bisherige Angebot von Bundesregierung und Kommunen sei schamlos und ein billiges Täuschungsmanöver. “Wenn man die vorgeschlagene Verlängerung der Arbeitszeit einrechnet, müssten die Arbeitnehmer für die Lohnerhöhung noch Geld mitbringen”, sagte Bsirske.
DCRS ONLINE meint: Angesichts horrender Lebenshaltungskosten ist die Forderung der Arbeitnehmer nachvollziehbar. Doch ständige Erhöhungen auf Kosten- und Verdienstseite führt lediglich zur Teuerung. Die Bürger haben dadurch nicht mehr. Hier ist die Politik gefragt. Steuern runter, Lohnnebenkosten runter, Energiekosten runter.





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