Gehirntumor
Beschreibung:
Ein Gehirntumor ist eine Gewebswucherung, die sich aus dem Nervenstützgewebe (Gliom/Astrozytom), im Gebiet der Hirnhäute (Meningeom), oder der Hirnanhangdrüse (Hypophysenadenom) entwickelt und das Gehirn in seiner Funktion beeinträchtigt.
Gehirntumore sind seltene bösartige Tumore, die sich aus verschiedenen Zellen bilden können. Dabei kommt es zu einer ungebremsten Vermehrung und Wachstum der Zellen im Gehirngewebe. Je nachdem, aus welcher Zelle sich der Tumor gebildet hat, unterscheidet man zwischen verschiedenen Tumorarten wie z.B. Gliome, Meningeome, Hypophysenadenome und Neurinome.
Auch die Aggressivität des Tumors ist abhängig von der Zellart, aus dem sich der Tumor gebildet hat.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei verschiedene Arten von Gehirntumoren:
1. Primäre Hirntumore, welche sich aus verschiedenen Zellarten des Gehirns, z. B. Neuroepithel und Meningen (Primärtumor liegt im Gehirn) bilden
2. Sekundäre Hirntumore, welche Tochtergeschwülste (Metastasen) von Krebserkrankungen anderer Organe sind, die in das Gehirn einwandern oder Metastasen bilden.
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) unterscheidet zwischen gutartigen (benignen) und bösartigen (malignen) Gehirntumoren. Ferner gibt es eine Einteilung von Grad 1 (gutartig) bis Grad 4 (bösartig). Dabei entspricht Grad 1 einem gutartigen, langsam wachsenden Tumor mit günstiger Prognose und Grad 4 einem bösartigen, schnell wachsenden Tumor mit schlechter Prognose. Diese Einteilung spielt später bei der Therapieplanung eine wichtige Rolle.
Gutartige Gehirntumore wachsen nicht in das umgebende Gewebe hinein und metastasieren (streuen) nicht. Durch den ungebremsten Wachstum können sie aber unter anderem das umgebende Gewebe verdrängen, den Abfluss der Gehirnflüssigkeit (Liquorabfluss) erschweren und zu einem erhöhten Hirndruck führen, der für den Patienten lebensbedrohlich sein kann. “Gutartig” ist in dem Sinne nur auf die Infiltration bezogen, da das umgebende Gewebe von den Tumorzellen nicht infiziert wird. Die Aussichten auf eine Heilung sind bei vollständiger Entfernung des gutartigen Tumors sehr groß.
Bösartige Gehirntumore wachsen hingegen infiltrierend und haben keine scharfe Begrenzung. Nach Operationen kommt es häufig zu einem Rezidiv (Wiederauftreten), da einzelne Zellen im umgebenden Gewebe immer verbleiben können.
Zu den häufigsten Gehirntumoren gehören:
*Gliome: Kommen am häufigsten vor und machen 50% aller primären Geschwülste aus. Gliome weisen Ähnlichkeiten mit Gliazellen auf und leiten sich von Glia-Vorläuferzellen im Zentralnervensystem ab.
*Medulloblastome: Bösartiger und häufigster Tumor im Kindesalter. Der Tumor hat seinen Ursprung im Kleinhirn und breitet sich schnell in das umgebende Gewebe aus, metastasiert bevorzugt in den Liquorraum und Hirnstamm.
*Meningeome: Sind meist gutartige, langsam wachsende Tumore, die sich aus den Gehirnhäuten (Meningen) oder Häuten des Rückenmarks bilden. Sie werden aufgrund des langsamen Wachstums erst spät oder per Zufall erkannt, wenn der Tumor bereist angrenzende Gehirnstrukturen verlagert hat und in ihrer Funktion beeinträchtigt. Meningeome bilden selten Metastasen.
*Neurinome: Kommen meist in der hinteren Schädelgrube vor und gehören zu den gutartig, langsam wachsenden Tumoren. Sie differenzieren sich aus den Schwann-Zellen, die die Gehirnnerven ummanteln. Der achte Hirnnerv, welcher den Gehör- und Gleichgewichtssinn vermittelt (N. vestibulocochlearis), ist am häufigsten betroffen. Neurinome bilden keine Metastasen.
*Lymphome: Entwickeln sich von Lymphozyten (Zellen, die für die körpereigene Abwehr zuständig sind). Sie gehören zu den bösartigen Tumoren, die ihren Ursprung aus dem lymphatischen Gewebe haben. Obwohl das Gehirn kein lymphatisches Organ ist, können auch hier Lymphome entstehen, wobei die Ursache für diesen Prozess noch unklar ist. Gehäuft tritt dieser Tumor besonders bei Patienten mit AIDS und immunsupprimierten Patienten auf.
*Hypophysenadenome: Gehören zu den gutartigen Hirntumoren ( mit guter Prognose) und wachsen im Bereich der Hirnanhangdrüse und der Gehirnbasis.
Einige dieser Tumore können selbständig Hormone bilden, die z.B. Wachstumsstörungen oder Menstruationsstörungen hervorrufen können.
Gehirntumore machen ca. 7-9 % aller Krebserkrankungen aus. In Deutschland erkranken laut Schätzungen des Robert Koch Instituts Berlin jährlich etwa 8.000 Menschen neu daran.
Es liegt eine Krankheitshäufung zwischen dem 3.–12. Lebensjahr vor, sowie dem 65. – 85. Lebensjahr, wobei ein Gehirntumor in jedem Alter vorkommen kann. Männer sind von dieser Erkrankung öfter betroffen als Frauen. Bei Kindern werden häufig primäre Gehirntumore diagnostiziert und bei Erwachsenen kommen häufig Metastasen, also sekundäre Gehirntumore, vor.
Ursachen / Risikofaktoren:
Trotz intensiver Forschung konnten bislang die genauen Ursachen für die Entstehung von Gehirntumoren noch nicht geklärt werden. Risiken und Lebensgewohnheiten, wie z.B. das Rauchen und Alkoholkonsum, die bei anderen Krebserkrankungen immer im Vordergrund stehen, spielen offensichtlich bei der Entstehung eines Gehirntumorm keine wesentliche Rolle. Als Risikofaktoren werden diskutiert ionisierende Strahlen, genetische und hormonale Faktoren, kanzerogene Substanzen und onkogene Viren (Tumorviren), sowie bestimmte chemische Substanzen (Pestizide, Herbizide). Begünstigende Faktoren sind unter anderem auch bestimmte Krankheiten und deren Behandlungsmethoden, z.B. stellte man bei einigen HIV-Infizierten Patienten fest, das mit Fortschreiten der Erkrankung sich auch das Risiko steigt, dass sich ein Gehirntumor entwickelt.
Symptome:
Ein Gehirntumor bleibt oft lange Zeit verborgen, da er am Anfang kaum Beschwerden verursacht. Der Tumor wird meist erst spät diagnostiziert, weil die Beschwerden nicht spezifisch sind und vieldeutig sein können, darunter fällt auch das erste und häufigste Symptom, die Kopfschmerzen.
Typische Symptome, die auf ein Gehirntumor hinweisend sein können sind:
*Kopfschmerzen, neu auftretend und häufig, insbesondere nachts und früh morgens, die auch im Liegen zunehmend sind, aber sich spontan bessern
*Schwindel- Sprach- und Sehstörungen
*Stauungspapille (selten)
*Übelkeit und Erbrechen, schwallartig, meistens früh morgens, wenn der Patient nüchtern ist und keine Magen-Darm-Erkrankung vorliegt, oft Zeichen des erhöhten Hirndrucks
*Krampfanfälle, unwillkürliche Zuckungen einer Extremität bzw. einer Körperhälfte
*Neurologische Ausfälle, Lähmungserscheinungen
*Koordinationsstörungen, Ungeschicklichkeit und Vergesslichkeit
*Persönlichkeitsveränderungen
Kopfschmerzen, die durch einen Hirntumor verursacht werden, werden mit Verlauf der Krankheit innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen immer heftiger und sind mit herkömmlichen Schmerzmitteln kaum mehr zu lindern. Es gibt aber auch immer wieder Fälle, bei denen die Betroffenen keine Kopfschmerzen haben.
Diagnose:
Besteht der Verdacht auf einen Hirntumor können verschiedene diagnostische Methoden eingesetzt werden. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Neben der Befragung (ärztliche Anamnese) und der körperlichen Untersuchung kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz.
Die Diagnose wird in erster Linie über die Computertomografie (CT) oder die Kernspintomografie (MRT) gestellt. Beim CT werden Röntgenstrahlen eingesetzt, die das Gehirn durchleuchten und in Schnittbildern darstellen, dadurch kann man Tumore, Verkalkungen und Blutungen gut erkennen. Im MRT dagegen arbeitet man mit Radiowellen und Magnetfeldern, die Unregelmäßigkeiten im Gehirn noch detaillierter sichtbar machen.
Als weitere Diagnoseverfahren stehen zur Verfügung EEG (Elektroenzephalogramm), Rötgennativaufnahmen des Schädels (Ausschluss von kranialen Osteolysen), Angiographie ( Darstellung der Hirngefäße mit Kontrastmitteln), Lumbalpunktion / Liquorpunktion, Untersuchung des Nervenwassers und eine Biopsie, Gewebsprobe direkt aus dem Tumor (selten) zur Verfügung.
Besteht der Verdacht auf einen bösartigen Tumor wird die Biopsie mit der kompletten Tumorentfernung durchgeführt, da sich sonst bei der Probenentnahme die Tumorzellen in das gesunde Gehirngewebe streuen können. Deshalb werden Biopsien vor einer Operation nur selten und bei strenger Indikation durchgeführt.
Therapie:
Die Therapie von Hirntumoren ist schwierig und muss dem Patienten und der Tumorart individuell angepasst werden.
Grundsätzlich besteht jedoch die Möglichkeit der chirurgischen Entfernung, der Bestrahlung und der Chemotherapie.
Bei Hirntumoren ist die erste Therapie der Wahl, die Operation, mit einer teilweise oder vollständigen Entfernung des Tumors. Zeigt sich eine Operation als nicht möglich/sinnvoll, da der Tumor an lebenswichtige Bereiche des Gehirns z.B. Atemzentrum angrenzt, so werden alternative Methoden eingesetzt. Die Operation wird am wachen Patienten durchgeführt, um wichtige Hirnareale zu erhalten.
Der Eingriff ist nicht schmerzhaft und wird fast immer unter Lokalanästhesie durchgeführt.Da der Tumor oft durch eine Operation nicht ausreichend behandelt werden kann, ist in vielen Fällen eine Nachbehandlung erforderlich. Dazu gehören unter anderem die Bestrahlung und die Chemotherapie.
Die Hauptwirkung der Bestrahlung besteht auf einer Schädigung schnell wachsender Tumorzellen durch ionisierende Strahlung mit Schonung des umgebenden Gewebes. Die alleinige Strahlentherapie führt sogar bei den Keimzelltumoren der Zirbeldrüse (Germinomen) zu einer vollständigen Heilung. Die bei der Planung festgesetzte Strahlendosis wird nicht mit einer Sitzung verabreicht, sondern täglich in kleinen Einzeldosen über mehrere Wochen oder täglich mehrmals als kleine Einzeldosen abgegeben. Dabei richtet man die Strahlen direkt auf den Tumor, nur in Ausnahmefällen wird das umgebende Areal mitbestrahlt, z.B. bei bestimmten Lymphomen. Einige Tumorzellen sind sehr strahlenempfindlich. Die Strahlenempfindlichkeit ist auf die rasche Zellteilung zurückzuführen. Als häufige Nebenwirkungen der Strahlentherapie treten auf Müdigkeit, Erschöpfung, begrenzter Haarausfall, Kopfschmerzen und lokale Hautreizungen, die aber nach der Therapie wieder rückgängig sind.
Neben der konventionellen Strahlentherapie gibt es noch die stereotaktische Radiochirurgie, hier wird der Tumor durch einen Energiestrahl zerstört. In der Radiochirurgie wird insbesondere das Verfahren des Gamma-Knife (Cobalt Gerät) durchgeführt. Hierbei werden gleichzeitig aus 200 Strahlenquellen Gammastrahlen ausgesendet, die im Tumorgewebe an einem vorher bestimmten Punkt zusammentreffen und somit gezielt den Tumor schädigen und das umgebende Gewebe weitestgehend schonen.
Die Chemotherapie besitzt bei den Hirntumoren, im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen eine eher untergeordnete Rolle. Sie wird nur bei wenigen Tumorarten erfolgreich eingesetzt, z.B. bei Lymphomen.
Abhängig von der Tumorart, Wachstum und Lokalisation, wird die Chemotherapie intravenös, d.h. als Infusion oder i.v. Injektion, als Tablette oder selten als Injektion in den Liquorraum verabreicht. Doch immer noch wird eine Kombination aus Chemotherapie, Operation und Strahlentherapie bevorzugt.
Prognose:
Je bösartiger ein Hirntumor ist, desto schlechter ist die Prognose. Das bedeutet die Prognose ist abhängig von der Tumorart und der Lokalisation im Gehirn.
Nach dem Grad der WHO-Einteilung lässt sich auch die Prognose ableiten.
*WHO-Grad I: gutartiger, langsam wachsender Tumor mit sehr guter Prognose (Hypophysenadenome)
*WHO-Grad II: noch gutartiger Tumor, mit Neigung zur Rezidivbildung, können sich zu bösartigen Tumoren umwandeln, relativ gute Prognose
*WHO-Grad III: bösartiger Tumor, nach einer Operation ist eine Strahlen- und/oder Chemotherapie erforderlich, schlechte Prognose
*WHO-Grad IV: sehr bösartiger Tumor, rasches Wachstum, nach einer Operation ist eine Strahlen- und/oder Chemotherapie erforderlich, sehr schlechte Prognose (Glioblastome)
Auch hier gilt, je früher ein Tumor entdeckt wird, desto höher sind die Heilungschancen bzw. die durchschnittliche Lebenserwartung, da man durch eine gezielte Therapie einige Tumorerkrankungen in Wachstum und Ausprägung hinauszögern und die Symptome lindern kann. Werden für eine Tumorerkrankung aus einer anderen Körperregion Hirnmetastasen nachgewiesen, so ist die Prognose wiederum schlecht. Hirnmetastasen begrenzen die Überlebenszeit viel stärker als der eigentliche Primärtumor.