Geisel in Afghanistan wird per Haftbefehl gesucht
Wie am Montag bekannt wurde, ist in Afghanistan erneut ein deutscher Staatsbürger entführt worden. Allerdings ist der vermisste Harald K. bei den deutschen Behörden kein unbeschriebenes Blatt und wird derzeit sogar mit Haftbefehl gesucht. Er soll knapp 90000 Euro unterschlagen haben.
Das Geld stammt von der Hilfsorganisation „Grünhelme“ und war für den Bau einer sozialen Einrichtung gedacht. Zudem sollen auch familiäre Probleme vorliegen. Harald K. heiratete eine Afghanin, die zuvor mit einem anderen Mann verbunden gewesen sein soll.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai bestätigte am Montag in Kabul, dass es sich beim Entführten um einen deutschen Staatsbürger handelt, der mit einer Afghanin verheiratet und inzwischen zum islamischen Glauben übergetreten ist. Derweil schloss die örtliche Polizei ein Familiendrama des zum Islam konvertierten Mannes nicht aus, der seit 2003 in Afghanistan lebt.
Bei dem Entführungsopfer soll es sich um den 42-jährigen Harald K. handeln. Er wurde in Fürth geboren und lebte nach Angaben der Stadtverwaltung bis Ende 1995 in seinem mittelfränkischen Geburtsort. Nach seinem Wegzug wohnte der Schreinermeister vier Jahre lang in Amberg in der Oberpfalz, wie eine Rathaus-Sprecherin bestätigte.
„Er war hier von 1999 bis 2003 gemeldet“, sagte sie. In der Zwischenzeit soll der Mann vorübergehend in Berlin gelebt haben. 2003 ging er nach Afghanistan.
Medienberichten zufolge hat K. wegen Betrugs bereits mehrfach im Gefängnis gesessen, gegenwärtig liege gegen ihn in Deutschland ein Haftbefehl vor, berichtete „süddeutsche.de“. An diesen Vorkommnissen sollen letztlich auch seine Ambitionen für eine politische Karriere gescheitert sein. Der Landesverband der bayerischen Grünen bestätigte, dass Harald K. 2003 in Amberg für den bayerischen Landtag kandidieren wollte. „Er hat seine Kandidatur aber zurückgezogen“, sagte der Sprecher.
Laut „sueddeutsche.de“ wurde Harald K. 2003 vom Landgericht Amberg wegen Computerbetrugs zu einem Jahr Haft verurteilt. Den Angaben zufolge erschien er jedoch nicht zur Verhandlung, sondern reiste im September 2003 nach Afghanistan aus. Die „Berliner Zeitung“ (Dienstagausgabe) berichtete zudem, K. werde jetzt wegen Veruntreuung von Hilfsgeldern per Haftbefehl gesucht. Darin werde ihm vorgeworfen, als Aufbauhelfer der Grünhelme beim Bau einer Schule in Afghanistan insgesamt 87 300 Euro unterschlagen zu haben.
In den Jahren 2003 und 2004 hat K. der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge für die Hilfsorganisation Grünhelme in Afghanistan gearbeitet, die nach eigenen Angaben seit längerem keine Verbindung mehr zu ihm hatte. Am Montag war bekanntgeworden, dass der Mann, der den Namen Abdul Rahman angenommen habe, am Sonntag entführt worden sei.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, man bemühe sich intensiv um Aufklärung. Den „Hinweisen auf eine mögliche Entführung eines Deutschen“ werde nachgegangen.
Das mutmaßliche Entführungsopfer war offenbar in afghanischen Regierungskreisen bekannt. Der Handels- und Industrieminister Armin Farhang sagte, der 42-Jährige sei ein „sehr netter, sehr engagierter Deutsch-Muslim“. Er werde sich für seine Freilassung einsetzen. Sollte sich die Nachricht von der Entführung bestätigen, müsse dies keinen Zusammenhang mit den Taliban haben. „Es gibt viele Diebe, die Geld erpressen wollen.“
Zuletzt war im Oktober ein in Afghanistan verschleppter deutscher Ingenieur nach mehrmonatiger Geiselhaft freigekommen. Er war Mitte Juli gemeinsam mit einem später erschossenen Kollegen entführt worden. Im August war eine Entwicklungshelferin in Kabul kurzzeitig in die Hände von Kidnappern geraten, konnte aber von der Polizei schnell wieder befreit werden.
DCRS ONLINE meint: Das sind höchst seltsame Vorkommnisse.





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