Gewalt in Berliner U-Bahnen – Jetzt soll aufgeräumt werden
Die Zahl der schweren Übergriffe in Berliner Verkehrsmitteln am vergangenen Wochenende hat Politik und Behörden offenbar endgültig wachgerüttelt. Jetzt sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Berliner Verkehrsmittel wieder sicherer zu machen. Doch welche dies höchste Effizienz haben und bezahlbar sind, darüber scheiden sich die Geister.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) denken über den Einsatz von mehreren hundert Arbeitslosen nach, die Präsenz in Bahnen und Bussen zeigen sollen. Allerdings haben diese keinerlei Ausbildung, um mit Gewalttätern um zu gehen und dürfen auch keine Waffen tragen. Sie können lediglich den Notruf drücken, wenn tatsächlich etwas passiert.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte daher dies am Montag als “blinden Aktionismus” und forderte, Busse und Straßenbahnen mit einer direkten Notverbindung zur Polizei auszustatten.
Allerdings erscheint diese auch ungenügend, angesichts der Vorkommnisse in den vergangenen Tagen. Bei diesen hätten die Opfer keine Gelegenheit mehr gehabt rechtzeitig Hilfe zu holen.
Die CDU betonte, der Schutz von Personal und Fahrgästen dürfe nicht an “vorgeschobenen Kostenargumenten” scheitern. CDU- Generalsekretär Frank Henkel sprach von “unfassbarer Brutalität” und “versuchter Tötung”. Die FDP-Fraktion forderte den rot-roten Senat auf, dafür zu sorgen, dass Busfahrer und Fahrgäste künftig wirksamer gegen Übergriffe geschützt werden.
Einen konkreten, umsetzbaren und wirksamen Vorschlag hat aber offenbar niemand.
BVG-Betriebsvorstand Thomas Necker sagte, es sei an den Einsatz einer mindestens dreistelligen Zahl derzeit Arbeitsloser gedacht. Sie sollen aber keine Sicherheitskräfte sein, sondern nur Präsenz zeigen, sagte Necker am Montag im Inforadio des RBB. Vorstellbar seien auch gemeinsame Streifen von BVG-Mitarbeitern und Polizisten.
Der Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Eberhard Schönberg, kritisierte, von den BVG-Mitarbeitern “kann niemand erwarten, dass sie sich irgendwelchen Gewalttätern und Messerstechern entgegenstellen. Um wirksam tätig zu werden, muss das Sicherheitspersonal gut ausgebildet und bewaffnet sein. Das können nur Mitarbeiter der Polizei, die unverzüglich zusätzlich eingestellt und ausgebildet werden müssen, gewährleisten.”
Eine überraschende Feststellung machte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Sie sagte, es gebe in Bussen und Bahnen nicht mehr Gewalttaten als früher, allerdings habe sich die Brutalität der Täter enorm gesteigert.
Es sei daher auch ein Unterschied, ob es nur eine Videoüberwachung gebe, oder ob Menschen in den Fahrzeugen seien, die ansprechbar sind und Hilfe rufen können. Derzeit liefen Verhandlungen mit dem Bund über ein derartiges Programm. Mit einer Antwort rechne man in drei bis sechs Wochen. Frühestens Mitte des Jahres könnte der Einsatz beginnen.
Ein Busfahrer war am Wochenende in Berlin-Kreuzberg niedergestochen, ein Fahrgast in einer U-Bahn in Wedding durch Fußtritte gegen seinen Kopf schwer verletzt worden. Der Busfahrer wollte einen Streit schlichten, der Fahrgast Frauen helfen, die belästigt wurden. Eine 20-Jährige hatte einen dunkelhäutigen Mann in Friedrichshain vor eine einfahrende S-Bahn gestoßen. Der Mann konnte sich mit Hilfe von zwei Fahrgästen retten. Die Frau wurde festgenommen. Ein anderer Busfahrer wurde in Reinickendorf bei einem Angriff leicht verletzt. Bei einer Messerstecherei auf dem U-Bahnhof Boddinstraße in Neukölln wurden drei Männer verletzt.





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