Gouverneur im US-Wahlkampf als Verräter beschimpft
Der Ton zwischen den beiden demokratischen Präsidentschaftskandidaten in den USA wird zusehends schärfer. Ein Berater der EX-First Lady Hillary Clinton beschimpfte Gouverneur Bill Richardson jüngst als „Judas“, weil dieser seine Unterstützung für Barack Obama erklärt hatte.
Der Vergleich war in einem Interview von Clintons Berater James Carville während eines Interviews mit der renomierten „New York Times“ gefallen. Er bezog sich darauf, dass Richardson einst als Energieminister dem Kabinett von Expräsident Bill Clinton angehört hat und sprach von einer besonderen Ironie, dass der Gouverneur von New Mexiko seine Unterstützung für Obama in der Karwoche bekannt gab. Damals habe Judas Jesus für 30 Silberlinge verraten.
Zu seiner Rechtfertigung erklärte Carville gegenüber dem Fernsehsender CNN: “Ich wollte ein sehr starkes Bild verwenden, um meine Position deutlich zu machen … Ich bezweifle, dass Gouverneur Richardson und ich in Zukunft besonders enge Freunde werden”, fügte Carville hinzu.
Tätsächlich ist es Carville damit aber gelungen Clinton als verratenen „Jesus“ und Obama als Verräter „Judas“ in die Köpfer der Wähler zu bringen.
Der Vergleich ist zudem auch nur die Retourkutsche für einen Vergleich eines Beraters von Obama. Dieser hatte Bill Clinton mit Joseph McCarthy verglichen, einer Symbolfigur des Kommunistenjagd in den 50er Jahren.
Der ehemalige Luftwaffengeneral Merrill McPeak hatte seinerseits Äußerungen des Expräsidenten zum Anlass genommen, in denen dieser indirekt den Patriotismus Obamas in Zweifel zog.
So schießt einmal die eine, einmal die andere Seite.
Am Montag warfen die Anhänger von Barack Obama Hillary Clinton vor, bei ihren Schilderungen über einen Besuch in Sarajevo während des Bosnien-Kriegs gewaltig übertrieben zu haben. Ein Sprecher Clintons räumte später ein, dass sich die New Yorker Senatorin irreführend geäußert habe.
Clinton hatte in einer Wahlkampfrede vor einer Woche erklärt, dass sie und ihr Mann Bill, der damalige US-Präsident, bei ihrer Landung in der bosnischen Hauptstadt im März 1996 von Heckenschützen attackiert worden seien. Die US-Delegation habe sich dann schnellstens in Sicherheit gebracht. Laut der damaligen Berichterstattung war das Präsidentenpaar jedoch keiner unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt. Ein Mitreisender sagte der “Washington Post” ebenfalls, er könne sich nicht an einen Beschuss erinnern.
Clinton selbst erklärte später, wer ständig öffentlich reden müsse, dem könnten auch mal Fehler unterlaufen. Ihr Sprecher Howard Wolfson nannte es bezeichnend, wie viel Energie das Obama-Lager darauf verwende, Negatives über Clinton zu verbreiten. Obamas Sprecher Tommy Vietor erklärte derweil, die aufgebauschten Bemerkungen zu Bosnien reihten sich ein in eine ganze Liste von Äußerungen, in denen Clinton ihre bisherige Rolle in der Innen- und Außenpolitik übertrieben habe.
Die nächste Vorwahl der Demokraten findet erst am 22. April in Pennsylvania statt. Vor der Vorwahl in Pennsylvania wollen Clinton und Obama am 16. April in einer Fernsehdebatte um die Stimmen der Parteimitglieder und Sympathisanten werben. Derzeit liegt Obama nur knapp vor Clinton. Seit Januar hat er 1.620 Delegiertenstimmen gesammelt, bei Clinton sind es 1.499. Es wird aber erwartet, dass sich bis zum Ende der Vorwahlen keiner der beiden Bewerber die für die Präsidentschaftskandidatur erforderliche Mehrheit von 2.024 Stimmen sichern kann. Die Entscheidung fällt dann erst auf dem Nominierungsparteitag im August, wenn auch die von der Partei ernannten “Superdelegierten” zum Zuge kommen.
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