Handystrahlung doch nicht gefährlich

Von Irina Heidkamp

Handystrahlung doch nicht gefährlichIm Jahr 2005 tauchte eine wissenschaftliche Studie über die Auswirkungen von Handystrahlung auf den menschlichen Organismus auf. Führende Mediziner warnten eingehend vor den gesundheitlichen Folgen der Wellen.

Alles nur Panikmache !

Wie nun bekannt wurde gibt es keine eindeutigen Beweise, dass Handystrahlung die Entstehung von Krebsgeschwüren begünstigt. Die Forschungsgruppe der Medizinischen Universität in Wien hatte angeblich belegt, dass die Emissionen des Mobilfunks Erbgut schädigen könnten. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass bösartige Geschwüre dann leichter entstehen könnten.

Doch offenbar wurde die Studie massiv von einer obskuren Labortechnikerin manipuliert. Wie das Magazin „Spiegel Online“ berichtet erfand die Labortechnikerin Elisabeth K. über Jahre hinweg Daten, die in die Ergebnisse der Studie einflossen und diese maßgeblich verzerrten.

Eine Untersuchungskommission traute weder den Daten und noch weniger Frau K.: Ihre Arbeit wurde heimlich überwacht – und die Schwindlerin wurde auf frischer Tat ertappt.

„Die hat gar nicht ins Mikroskop geschaut“, schildert Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität, das Tun seiner Mitarbeiterin. Frau K. wurde sofort entlassen.

Die offensichtlich psychisch gestörte Elisabeth K. machte mit den von ihr erfundenen Daten mit einem Schlag zwei Studien komplett wertlos. Eine im Jahr 2005 erschienene Studie bezog sich auf Schädigungen des Erbgutes in den Zellen. Diese könnten – so die Aufzeichnungen der Wiener Forschungsgruppe – durch die Nutzung gewöhnlicher GSM-Netze entstehen.
Zu diesem Ergebnis kam auch die zweite, in diesem Jahr veröffentlichte Studie, die sich mit den Funkwellen moderner UMTS-Netze auseinander setzte.

Erste Zweifel an korrekten Studienresultaten äusserte Alexander Lerchl, Professor für Biologie an der Bremer Jacobs Universität in Deutschland. Ihm fiel auf, dass die in der Studie aufgeführten Daten fast identisch waren.

„Das ist ein häufiger Fehler, wenn Leute Resultate fälschen“, weiß der Wissenschaftler. Sein Argument: „Es ist statistisch und logisch unmöglich, dass diese Daten aus echten Experimenten stammen.“ Bereits seit einiger Zeit beobachtete er die Arbeit seiner Wiener Studienkollegen mit grosser Skepsis: „Es gibt einfach keinen vorstellbaren Wirkmechanismus, der Erbgutschäden bei so energiearmen Wellen erklären kann.“

Der Kunde bleibt folglich weiter in der Ungewissheit. Bewiesen ist nämlich auch nicht, dass die Strahlen von Handys harmlos sind. Nicht erst sei 2005 steht die Handystrahlung in der Kritik, Krankheiten zu begünstigen.

Bereits 2003 kam das EU-Forschungsprojekt „Reflex“ zu dem Ergebnis, dass Mobilfunk-Emissionen Schädigungen im Erbgut verursachen könnten. Pikant: Der Koordinator dieser Studie, der Münchner Professor Franz Adlkofer, war auch an den beiden verfälschten Untersuchungen der Wiener Wissenschaftler beteiligt. Adlkofer ist erzürnt ob der falschen Studienergebnisse seiner österreichischen Kollegen – ganz im Gegensatz zu seinem Wiener Mitautor Hugo Rüdiger: Der ehemalige Professor der Abteilung für Arbeitsmedizin steht nach wie vor zu den Daten der Wiener Studien.

Artikel vom 27. Mai 2008

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