Holocoust-Wagen für Karneval in Rio zensiert

Von Christian Dieter Matuschek

Adolf HitlerSeit die Menschheit sich kritisch mit ihrer Existenz auseinander setzt werden brisante Themen mit Kabarett und Theater verarbeitet und aufbereitet. Die moderne Gesellschaft im 21. Jahrhundert scheint hierzu nicht mehr in der Lage. Immer öfter werden bestimmte Themengebiete aus dem öffentlichen, unzensierten Aufarbeitungsprozess herausgeschnitten.

Das jüngste Beispiel ist die Zensur des alljährlichen Karneval in Rio. Ein Wagen zum Thema Holocoust wurde zwangsweise ausgeschlossen.

Auf Antrag der jüdischen Gemeinde der brasilianischen Metropole verbot eine Richterin den Auftritt des umstrittenen Gefährts. Der Wagen sollte am ersten Tag der weltberühmten Parade mit künstlichen aufeinandergestapelten Leichen zu Sambarhythmen durch das Karnevalsstadion Sambodromo fahren.

Nicht mitmarschieren darf gemäß Entscheidung auch ein Tänzer mit Adolf-Hitler-Kostüm, der sich neben und auf dem Holocaust-Wagen präsentieren sollte.

Der Sprecher der Liga der Sambaschulen in Rio (Liesa), Hiram Araujo, prangerte das Urteil empört als “Zensur” an. Es sei unverständlich, dass man im Kino und im Theater den Holocaust und andere Dinge thematisieren könne und das beim Karneval verboten werde.

Der Chef der für den Wagen verantwortlichen Sambagruppe Viradouro, Marco Lira meinte, man wollte eine reuige Hitlerfigur mit gesenktem Haupt präsentieren. “Wir wollten Gänsehaut erregen. An dem Wagen ist nichts Schändliches dran. Wir wollten zeigen, was damals passiert ist. Das hat die Welt erschüttert, und heute kennen viele diese Geschichte nicht mehr”, sagte er.

DCRS ONLINE meint: Hier beanspruchen offenbar die Opfer das alleinige Recht für sich, die Darstellung ihrer Vergangenheit zu dirigieren. Ist das nicht ein wenig einseitig ?

Artikel vom 2. Februar 2008

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