Im Bundesrat kein Entwurf zu Sterbehilfe – Kusch ringt um Worte

Von Eleonore Matschge

Im Bundesrat kein Entwurf zu Sterbehilfe Kusch ringt um WorteDer Bundesrat hat geplant am Freitag über einen Gesetzentwurf für ein Verbot der organisierten Sterbehilfe abzustimmen. Hierzu kam es allerdings nicht, weil der ursprünglich Antrag von mehreren unionsgeführten Ländern nicht zur Abstimmung gestellt werde.

Stattdessen wurde nur ein Entschließungsantrag verabschiedet, wonach noch im laufenden Jahr ein entsprechender neuer Straftatbestand geschaffen werden soll. Dieses Vorgehen sei beim Treffen der Unionsministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstagabend abgesprochen worden.

Zuvor hatte es geheißen, dass sich in der Länderkammer eine Mehrheit für den Vorstoß abzeichnet. Den Entwurf hatte Baden-Württemberg gemeinsam mit Bayern, Thüringen, Hessen und dem Saarland erarbeitet. Auch Hamburg unterstützt ihn. Deutliche Ablehnung und Kritik kam zunächst lediglich aus Rheinland-Pfalz, später auch aus dem Land Berlin. Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig- Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hatten signalisiert, sich in der Länderkammer enthalten zu wollen.

Unterdessen geht die Diskussion um die umstrittene Sterbehilfe in der Öffentlichkeit weiter.

In seiner TV-Sendung verhörte Michel Friedman jüngst Sterbehelfer Roger Kusch und offenbarte dessen Gefühlskälte, Geltungsssucht und Erklärungsnot.

„Wie fühlt man sich als Todesengel Nummer eins?“ überrumpelte Friedman Dr. Roger Kusch und gab damit den Startschuss zu einer regelrechten Salve scharfer Angriffe.

Direkte und unverblümte Fragen – die Kusch so offensichtlich nicht erwartet hatte. In die Enge getrieben verriet Hamburgs Ex-Justizsenator schon zu Beginn des Gesprächs: Er habe der Todeswilligen Bettina Schardt (79) den Arzt empfohlen, der ihr das Rezept für den tödlichen Medikamenten-Cocktail ausstellte. Ohne ihn wäre die alte Dame wohl an den tödlichen Cocktail nicht gekommen. Trocken stellt Kusch fest: „Ich weiß nicht, ob sie ohne mich an den Richtigen geraten wäre.“

Trotzdem er ganz offensichtlich vom Tod fasziniert ist, zeigt sich Kusch kurz ein wenig versöhnlich und erzählt: „Es war eine schwierige Situation und ich bin froh, dass es hinter mir liegt.“

Dennoch würde er es aber jederzeit wieder tun. Nicht bei jedem – da müsse er sicherlich differenzieren.

Kusch fühlt sich offenbar berufen, als Jurist über Leben und Tod zu entscheiden. Unmittelbar warf Friedman dem „Todesengel“ Selektion vor. Achselzucken bei seinem Gegenüber.

Für sehr viel mehr blieb Kusch auch keine Zeit. Friedmans Bombardement an Fragen, nagelte den selbsternannten Missionar regelrecht fest.

Friedman weiter „Woher nehmen Sie sich das Recht heraus ihre Handlungen als christliche Nächstenliebe zu bezeichnen? Schließlich sei in jeder monotheistischen Religion Selbstmord eine Sünde – die Beihilfe dazu also auch?“

Kusch: „Ich bewahre die Menschen davor, in die Schweiz fahren zu müssen, um sich dort von dem Sterbehilfe-Verein Dignitas in den Tod begleiten zu lassen.“

Kuschs Aussage: Auch Bettina Schardt hatte bereits Kontakt zu dem Schweizer Verein aufgenommen, wollte Ende Mai in Zürich sterben. Er habe ihr diesen Weg erspart.

Er nehme Menschen ernst, die den Wunsch hätten, zu sterben, so Kusch weiter. Human sei das, nicht mehr. Ganz im Gegensatz zu den Bischöfen, die die Augen vor dieser Tatsache verschlössen.

„Wenn Menschen sich aus Todessehnsucht vor den Zug werfen, spricht auch niemand darüber“, so Kusch, seine Methode sei humaner.

Als human sieht Moderator Friedman aber weder Kuschs Ansichten noch seine Handlungsweise. Human ist für ihn viel mehr Hilfe für Menschen, sich aus ihrer Krise zu befreien und ihnen neuen Lebensmut zu schenken, so wie es tatsächlich in den Religionen praktiziert wird.

Friedman knallhart: „Wenn ich Sie zum falschen Zeitpunkt treffe, habe ich ja echt die Arschkarte.“

„Ich habe Frau Schardt kennen gelernt, sie wollte sterben. Bei ihr war Hopfen und Malz verloren“, konterte Kusch.

Ganz offensichtlich fällte das Todesurteil über Bettina S. nicht sie selbst, sondern Kusch.

DCRS ONLINE meint: Eine perfide Form der Machtausübung die dem ehemaligen Justizsenator offenbar in der Politik verweigert blieb !

Artikel vom 4. Juli 2008

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