Immer noch kein DFB- Urteil über Hoyzer

Von Louis Richter

Der Schadenersatzprozess des Deutschen Fußball-Bundes, DFB, gegen den durch Wettbetrug in Ungnade gefallenen Ex-Schiri, Robert Hoyzer, zieht sich weiter hin. Rund drei Jahre nach Bekannt werden des größten Wettskandals im deutschen Fußball wurde das Urteil über den 28jährigen erneut vertagt. Beide Parteien signalisierten allerdings Gesprächsbereitschaft.

Im Raums steht eine Schadenersatzforderung von rund 1,8 Millionen Euro. Hoyzer muss derzeit seine Haftstrafe für die Betrugstaten absitzen.

Die 2. Zivilkammer signalisierte, dass sie den Großteil der Summe für berechtigt hält. Auf Bestreben beider Seiten wird das Gericht seine Entscheidung erst in der ersten Märzhälfte bekannt geben, sollten sich DFB und Hoyzer nicht zuvor einigen.

Der mit 1,5 Millionen Euro größte Teil des Schadenersatzes verlangt der DFB für eine an den HSV gezahlte Entschädigung. Der Verein war in einem von Hoyzer manipulierten Spiel beim SC Paderborn 07 im Jahr 2004 frühzeitig aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Die Kammer tendiere „vorsichtig“, wenn auch „nicht abschließend“ dazu, in diesem Punkt die Forderung des Klägers als berechtigt anzusehen, sagte der Vorsitzende Richter Michael Hirschfeld.

Den Schadenersatz für den nach dem Skandal einberufenen außerordentlichen DFB-Bundestag im April 2005 in Mainz wies das Gericht hingegen zurück. Der Zusammenhang zwischen den Manipulationen Hoyzers und den Kosten der Veranstaltung seien vom DFB nicht hinreichend dargestellt, sagte Hirschfeld. Die geforderte Summe setzt sich nach DFB-Angaben ferner aus zu Unrecht erhaltenen Schiedsrichter-Honoraren und Verfahrenskosten zusammen. Hirschfeld rief die Beteiligten zu einer gütlichen Einigung auf. „Wenn Sie sich nicht einigen, wird das Ganze noch eine ganze Weile dauern – egal, was wir hier entscheiden“, warnte der Richter.

Der Anwalt Hoyzers, Thomas Hermes, zeigte sich mit den Ausführungen der Kammer vor allem zur HSV-Entschädigung „nicht zufrieden“. Hier handele es sich um ein neues Rechtsgebiet. Er werde nun mit seinem Mandanten klären, ob eine außergerichtliche Einigung angestrebt oder die Klärung „über alle Instanzen“ gesucht wird. Hermes betonte jedoch, er sei gesprächsbereit. Vor der Verhandlung hatte er auf ddp-Anfrage gesagt, die eine oder andere DFB-Forderung könne sicherlich „noch als vertretbar“ angesehen werden.

Der DFB zeigte sich ebenfalls zu Verhandlungen außerhalb des Gerichtsaals bereit. Hoyzer solle nicht „vollends in den Ruin“ getrieben werden, betonte DFB-Vizepräsident Rainer Koch nach der rund 75-minütigen Sitzung im Saal 100. Schräg gegenüber hatte der Drahtzieher des Wettskandals, Ante Sapina, im März 2007 zugestimmt, der Deutschen Kassenlotterie ebenfalls 1,8 Millionen Euro
Schadenersatz zu zahlen.

Mit der Klage soll laut DFB-Anwalt Christoph Schickhardt auch erreicht werden, dass der DFB gegebenenfalls bei Buch- oder TV-Verträgen Hoyzers Zugriff auf die Erlöse hat. Das Gericht hatte dies jedoch bezweifelt. Sollte Hoyzer die Absicht haben, seine Geschichte zu vermarkten, habe er entsprechende Verträge vermutlich längst abgeschlossen, sagte Hirschfeld.

Koch wertete die Verhandlung als „im Wesentlichen für den DFB sehr zufriedenstellend“. Das Gericht habe festgestellt, dass der DFB durch Hoyzers Manipulationen geschädigt worden sei und auch im Interesse seiner Mitglieder vorgegangen sei. Nach Abschluss des Falls Hoyzers sei der Wettskandal für den DFB nach jetziger Aktenlage abgeschlossen. Klagen gegen weitere Personen wollte er jedoch nicht ausschließen.

Auch für den DFB ist jedoch noch fraglich, ob er von Hoyzer eine Entschädigung zu erwarten hat. Der Skandal-Schiedsrichter hat nach Angaben seines Anwalts kein Geld. Er war im November 2005 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden. Er verbüßt die Haftstrafe im offenen Vollzug in der Berliner Justizvollzugsanstalt Hakenfelde und arbeitet in einer Medienagentur. Nach Angaben des Gerichts hat Hoyzer für Spielmanipulationen 62 000 Euro erhalten.

DCRS ONLINE meint: Die Aussage, man wolle Hoyzer nicht vollens ruinieren ist wohl lächerlich. Davon abgesehen, hat er das wohl selbst schon vollbracht.

Artikel vom 9. Januar 2008

Hinterlasse eine Antwort