Immer wie mehr amerikanische Soldaten quittieren den Dienst

Von Jan Konrad

Immer mehr Soldaten hauen abDie durch den mittlerweile sechsjährigen Krieg im Irak stark beanspruchten amerikanischen Soldaten desertierten ihren Posten zu hohen Raten wie zuletzt im Jahre 1980, wobei die Deserteure in diesem Jahr über 80% zahlreicher sind als bei Ausbruch des Krieges im Frühjahr 2003.

Während die Gesamtanzahl der Deserteure immer noch weit unter der Anzahl Deserteure während des Vietnamkrieges liegt, als noch die Wehrpflicht galt, zeigen die Statistiken dennoch eine dramatische Zunahme der Kriegsdienstverweigerer.

Ein Sprecher der Armee kommentierte die Statistik: „Wir fordern sehr viel von unseren Soldaten. Sie sind nur Menschen. Sie haben viel zu tun, in ihrem Beruf und auch zu Hause. Ich bin sicher, dass es mit dem Stress zu tun hat, den der Beruf des Soldaten mit sich bringt.“

Die amerikanische Armee definiert den Begriff Deserteur als jemanden, der von der Truppe abwesend ist ohne Urlaub für mehr als 30 Tage. Diese Soldaten werden dann als Deserteure von der Armee entlassen und strafrechtlich verfolgt.

Laut der Armee sind im Jahre 2007 rund neun auf 1000 Soldaten desertiert. Im Vergleich zum letzten Jahr waren es nur 7 Deserteure auf 1000 Soldaten.

Diese Zunahme wird damit erklärt, dass die Armee wegen Versorgungsengpässen des Öfteren die Dienstzeit der Soldaten in Krisengebieten wie Afghanistan und Irak verlängern muss. Die meisten Soldaten haben auch schon mehrere einjährige Einsätze hinter sich.

Die Armee ist vollständig ausgelastet, weshalb man die Streitkräfte nun vergrössern will, um so auch die Probleme der Deserteure zu bekämpfen.

Ein Sprecher der Arme dazu:

„Uns ist das (die hohe Desertierungsrate) durchaus bewusst. Die Armee kann es sich nicht leisten, einfach gute Soldaten wegzuwerfen. Wir müssen mit diesen Soldaten zusammenarbeiten und ihnen helfen, gute Soldaten zu werden. Die Armee ist nicht für jedermann, und nicht jedermann ist richtig für die Armee. Diejenigen, die sich dafür entschliessen, den Dienst zu verlassen, werden auch einen Weg dazu finden.“

Die meisten Soldaten, die desertierten, sind erst in ihrem ersten Jahr des Dienstes. Erfahrene Soldaten desertieren laut der Statistik also weniger als Unerfahrene.

Es gibt vier Wege, wie man den Militärdienst noch vor Ablauf der vertraglich festgelegten Wehrzeit quittieren kann:

Man lässt sich für untauglich für den Wehrdienst erklären. Das kann in der Regel aber nur physikalisch der Fall sein.

Man kann sich attestieren lassen, dass man sich nicht an das Leben in der Armee anpassen kann. Dies hat oft mentale, psychologische Gründe.

Man kann angeben, dass man schwul ist. Den Schwulen ist der Dienst in der Armee verboten, weshalb alle Schwulen, die sich für schwul bekennen, vom Dienst suspendiert werden.

Die letzte Variante ist die Desertierung. Die meisten

Die Desertierungsrate der Armee hat seit dem Vietnamkrieg stark geschwankt. Gegen Ende der neunziger Jahre stieg die Zahl der Deserteure aufgrund des Luftkrieges gegen den Kosovo wieder an.

Seit der Invasion im Irak sind die Zahlen aber kontinuierlich gestiegen. Diese Zahlen beziehen sich aber lediglich auf die Armee.

Im Vergleich mit der Armee ist die Desertierungsrate der Navy seit dem Ausbruch des Irakkrieges stark zurückgegangen.

Die Desertierungsrate des Marinekorps ist annähernd gleich geblieben, und die Luftwaffe hat allgemein die tiefste Rate an Deserteuren.

Trotz dem Anstieg macht das Pentagon wenig, um die Deserteure zur Rechenschaft zu ziehen. In der Regel werden Deserteure nicht verfolgt und es gibt nur wenige Fälle, wo Deserteure verurteilt wurden.

Einigen Deserteuren wird sogar erlaubt, zu ihren Einheiten zurückzukehren. Andere werden lediglich unehrenhaft aus dem Dienst entlassen und nicht angeklagt.

Die Praxis aus dem Vietnamkrieg, im Nachbarland Kanada Asyl zu ersuchen, eignet sich für die heutigen Soldaten nur beschränkt.

Erst diese Woche hat der Oberste Gerichtshof von Kanada die Berufung von zwei Soldaten, die in Kanada um Asyl baten, abgelehnt. Diese Entscheidung entzog den beiden Männern die legale Grundlage für einen Aufenthalt in Kanada.

Das Gericht begründete das Urteil wie sonst üblich nicht. Die Entscheidung wird auch Auswirkungen auf andere Deserteure haben, die derzeit in Kanada leben.

Kanada, das die gleiche Nationalsprache hat wie Amerika, ist ein beliebtes Ziel für amerikanische Deserteure nach Mexiko.

DCRS ONLINE meint: Wer will diesen Irak-Irrsinn auch schon gerne mitmachen ?

Artikel vom 17. November 2007

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