Insel Rügen will fünftes Delfinarium in Deutschland bauen

Von Andre Bergmann

Insel Rügen will fünftes Delfinarium in Deutschland bauen FotoDie Gemeinde Glowe auf Deutschlands größter Insel Rügen will ein rund 17 Hektar großes Anwesen an einen Groß-Investor abgeben. Doch das stößt bei Tierschützer auf Widerstand. Man will nämlich auf dem ehemaligen Gelände der Küstenfunkstelle Rügen Radio in Glowe Deutschlands fünftes Delfinarium inklusive einem gigantischen Hotelkomplex mit insgesamt 260 neuen Jobs bauen. Die Gemeinde befürwortet das Projekt, Tierschützer und Ferienwohnung-Vermieter laufen Sturm.

Leer und verlassen ist das Gelände der ehemaligen Küstenfunkstelle Rügen Radio in Glowe. Seit am 25. Januar 1997 auf Rügen der letzte wachhabende Funker den Sender abschaltete und den Dienst an Norddeich Radio übergab, liegt die 17 Hektar große Immobilie in bester Strandlage brach. Geht es nach dem Willen der Glower Gemeindevertreter, dann soll sich das im kommenden Jahr ändern. Ein Investor hat angekündigt, dort für 76,4 Millionen Euro Deutschlands fünftes Delfinarium zu errichten, inklusive eines Hotelkomplexes mit insgesamt bis zu 260 neuen Jobs.

Das Projekt hat im „Jahr des Delfins 2007“ für viel Aufregung auf der Ostseeinsel Rügen gesorgt. Denn während vor allem viele Einheimische eine zügige Entscheidung zugunsten der Delfin-Schau fordern, lässt sich das Land Zeit mit der Genehmigung des im Sommer 2005 gestellten Antrags. Offiziell heißt es im Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern, es fehlten noch baurechtliche Unterlagen und Investitionspläne. Zugleich jedoch wächst der Druck von Tierschützern, Politikern und Wissenschaftlern, dem Vorhaben die Zustimmung zu verweigern.

In einem 16-seitigen Gutachten hat sich der wissenschaftliche Beirat des Stralsunder Meeresmuseums gegen jedwede Haltung von Delfinen ausgesprochen. Marine Säugetiere könnten nicht artgerecht gehalten werden, sagt dessen stellvertretender Vorsitzender Hennig von Nordheim. Das Delfinarium würde weder dem Raumbedarf der Tiere noch den Anforderungen an Wasserqualität und Nahrungsbedarf entsprechen. Zudem sei unklar, woher angesichts strikter Fangverbote die Tiere eigentlich kommen sollten.

Investor Berthold Blatecki hält dem entgegen, dass Landkreis, Tourismusverband und sogar das Staatliche Amt für Umwelt und Natur (StAUN) in Stralsund sein Projekt befürworteten. Er wirbt dafür, dass in Glowe Deutschlands führendes Zentrum für tiergestützte Therapie entstehen soll und zwar mit Angeboten, die preislich deutlich unter den derzeit üblichen Kosten von bis zu 10 000 Euro liegen würden.

Die Delfintherapie sei doch nichts anderes als ein vorgeschobenes Argument für ein möglichst lukratives Geschäft mit Tiershows, sagt dagegen Undine Kurth, Bundestagsabgeordnete der Grünen. Nachdem in Deutschland auf Druck der Öffentlichkeit bereits fünf von ehemals neun Delfinarien geschlossen wurden, sei völlig unverständlich, dass nun im Osten erneut ein solches Projekt durchgepeitscht werden solle. Zudem gebe es bislang keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die sehr teuren Delfintherapien besser seien als andere Tiertherapien - zum Beispiel mit Wasserrettungshunden. Ihre Fraktion werde daher im Bundestag einen Förderantrag für die Erforschung tiergestützter Therapien stellen.

Kritiker sehen zudem die Gefahr eines Imageschadens für die Tourismusregion, sollten in Glowe, wie in diesem Jahr im Nürnberger Zoo geschehen, Delfine sterben. In einer Urlauberumfrage vor einem Jahr hatten sich immerhin 85 Prozent der Touristen gegen das Delfinarium ausgesprochen. Und skeptisch sind auch Vermieter von Ferienwohnungen im Ort, die in dem neuen Hotelkomplex unliebsame Konkurrenz sehen.

DCRS ONLINE meint: Jobs versus Tierschutz, das wird noch heftige Auseinandersetzungen geben.

Artikel vom 26. Dezember 2007

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