Jan Ullrich findet immer die falschen Worte

Von Marina Koch

Jan Ullrich findet immer die falschen WorteJan Ullrich, er war einmal der Stern am deutschen Radsport-Himmel, galt als Super-Talent, als Vorzeige-Sportler, als Aushängeschild der Bundesrepublik, - bis der Doping-Skandal kam. Seither schludert er von einem Fettnäpfchen ins nächste, macht wirre Aussagen und verwundert mit seltsamen Ansichten.

So meldete sich der Tour-de-France Sieger mit dem Statement zurück: „Die Grenzen im Radsport sind wie in der Kinderkrippe. Jedes Baby nimmt wahrscheinlich mehr Medikamente, als wir dürfen.“

Besonders verwunderlich erscheint diese Äußerung angesichts der Tatsache, dass sich Ullrich in den vergangenen Jahren völlig zurück gezogen hat und jetzt als reiner Familienmensch lebt. Er hat selbst zwei Kinder, Sarah Marie (5) und Max (11 Monate), genießt jetzt das Leben als Hausmann: „Zu Hause mache ich Männerarbeit: Rasenmähen und in den Pool springen. Und der Weinkeller ist mein Bereich.“

Ullrich gilt allerdings als rehabilitiert. Er wurde nie wegen Dopings verurteilt. Der letzte deutsche Tour-de-France-Sieger (1997) zahlte 250 000 Geldauflage, sein Betrugs-Verfahren wurde eingestellt. Er gilt somit offiziell als unschuldig.

Abgeschlossen hat er mit dem Thema jedoch nicht. Ullrich hat angekündigt, ein Buch zu schreiben: „Um meine Sicht der Dinge darzustellen.“ In einem Interview mit der Sport Bild beteuert Ullrich: „Ich habe nie jemanden betrogen. Was ich sage, ist ehrlich. Ich fühle mich nicht als Betrüger. Ich bin ein gerechter Mensch und war immer ein fairer Sportler.“ Dann der äußerst merkwürdiger Vergleich: „Die Grenzen im Radsport sind wie in der Kinderkrippe. Jedes Baby nimmt wahrscheinlich mehr Medikamente, als wir dürfen.“

Auch in der aktiven Rad-Szene ist Doping so präsent wie nie. Das ZDF hat für die Übertragung der Tour-de-France sogar einen „Doping-Experten“ bestellt.

Vielleicht hätte man das lieber Ullrich machen lassen sollen. Denn offenbar scheint ihn das reine Hausmann Dasein langsam ein wenig zu langweilen.

Privatmann Ullrich: „Ich genieße es in vollen Zügen. Ich sehe täglich, wie sich Max entwickelt. Früher war ich 300 Tage im Jahr weg, heute 300 Tage zu Hause. Bei mir ist immer Sonntag – ich warte auf den Montag.“

Was erwartet er sich wohl von einem „Montag“ ?

Artikel vom 2. Juli 2008

Eine Antwort zu “Jan Ullrich findet immer die falschen Worte”

  1. Hans sagt:

    Ein Betrüger im juristischen Sinne war er allerdings nicht, denn die Sponsoren wußten - oder mußten wissen -, daß ALLE “Spitzen-Radfahrer” dopen; anders sind die unmenschlichen Leistungen bei “Tour de France” u.a. Monsterrennen gar nicht zu schaffen. Betrüger sind die Veranstalter, Sponsoren, Medien u.a. Abzocker, die dem Publikum unter Vorspiegelung falscher Tatsachen - nämlich, daß so etwas auch ohne Doping möglich wäre - Zeit und Geld stehlen. Bis 1967 war Doping im Radsport offiziell erlaubt; JEDER Tour-de-France-Fahrer nahm ganz offen Strichnin o.ä. Was soll diese Heuchelei?

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