Kinder TV-Camp: 40 Kinder alleine im Wilden Westen

Von Eleonore Matschge

Es ist interessant zu sehen wie sich die Kinder in ihrer Aufgabe machenProminente im Jungle, Jungvolk im Container, Organtransplantation und Schönheitsoperationen live, zur Krönung ein Einsiedlerdorf, wie zu Frühmenschlichen Zeiten, damit aber nicht genug, nun sind die Kinder an der Reihe. Eine neue Reality- Soap in den USA erregt die Gemüter. Wie lange wird es wohl dauern, bis das Format auch über unsere Bildschirme flimmert?

„Kid Nation“ heißt das neueste Produkt des Fernsehgiganten CBS in den USA. Eine Horde Kinder wird sechs Wochen lang in eine verlassene Westernstadt gesperrt. Die Kinder müssen sich selbst organisieren und für die alltäglichen Bedürfnisse sorgen, ohne Strom, ohne fließendes Wasser und ohne Eltern.

Die Aufzeichnung des neuen Formates ist bereits abgeschlossen. Die Ausstrahlung hat aber noch nicht begonnen. Die erste Folge ist für den 19. September angesetzt. Schon jetzt sorgt das Format für heiße Diskussionen. Die Rede ist von „Ausbeutung“ und „Kinder- Arbeit“.

Der Produzent Tom Forman, selbst Vater von zwei Kindern verteidigt sich: „Tatsächlich haben wir ein Sommerlager veranstaltet. Die Kinder sind Teilnehmer in einer Reality Show. Sie arbeiten nicht. Sie leben, und wir nehmen auf, was passiert.“

Die Schilderung von so manchem der rund 40 teilnehmenden Kindern zeugt allerdings durchaus von so manchem kleinen oder auch größeren Drama während des Camps.

„Es war so viel anstrengender als es aussah“, erzählte der zehnjährige Zach später in einem Interview. „Ich wusste nicht einmal, ob ich durchhalten würde.“

Die Kinder wurden in verschiedene, gesellschaftliche Gruppen eingeteilt. In Arbeiter, Kaufleute und eine Oberschicht. Jede Gruppe hatte andere Aufgaben zu bewältigen. So wurde auch ein vierköpfiger Kinderstadtrat eingerichtet, der die Machenschaften der übrigen Kinder überwachen musste.

„Ich habe gelernt, dass es immer jemanden Verantwortlichen geben muss mit der Macht, die Dinge zusammen zu halten“, sagt der zehnjährige Taylor.

Ein 15jähriger berichtet, dass ihm die ständig filmenden Kameras schon manchmal auf die Nerven gegangen seien. Er habe sich dann auf ein Klo zurück gezogen, doch als er wieder heraus kam, warteten schon wieder die Kameras.

So erlebt der Zuschauer alle emotionalen Facetten des Lebens: Streit, Tränen, Schmerz, Wut, Trauer und Heimweh. Natürlich sind die Folgen auch mit lustigen und erfolgreichen Erlebnissen gespickt.

Außerdem wird den teilnehmenden Kindern die Strapaze des Drehs mit einem „Taschengeld“ von 5000 Dollar und einem Stern aus echtem Gold versüßt.

„Wer hat hier letztlich die Verantwortung?“, fragt der Kommunikationswissenschaftler Matthew Smith von der Wittenberg Universität in Ohio, „der Sender, der mit dem Preis vor den Eltern hin- und her wedelt, oder die Eltern, die ihren Kindern erlaubt haben, sich in eine solche Situation zu begeben?“

Die Produktionsfirma kontert mit einer Gegenfrage „Sind die Kinder unter Umständen sogar in der Lage eine bessere Gesellschaft als die unsere zu errichten?!“

DCRS meint: Vielleicht hat so eine Erfahrung aber auch einen konstruktiven Wert. Man kann auf der Welt nicht alles umsonst haben. Hinter den Vorzügen von Ruhm und Erfolg steckt oft viel unangenehme Arbeit.

Artikel vom 20. August 2007

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