Kopftuchverbot in der Türkei spaltet Nation

Von Andre Bergmann

KopftuchDer türkische Ministerpräsident ist berüchtigt für seine Sympathien für einen Islam-Staat und jetzt macht er ernst. Das Kopftuchverbot in der Türkei in öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen, Universitäten, Krankenhäusern gilt als Garant für die strikte Trennung zwischen Staat und Religion.

Erdogan will genau dies nun abschaffen und fordert damit das Militär heraus, das sich als Hüter der weltlichen Staatsordnung versteht.

Die Kopftuch-Kontroverse wird zu einem Machtkampf zwischen der aufsteigenden, religiös-konservativ geprägten politischen Klasse, die Erdogan repräsentiert, und der säkular orientierten Elite, die seit der Gründung der türkischen Republik vor 85 Jahren das gesellschaftliche und politische Leben dominierte.

Schon vor dem Wahlsieg Erdogans hatte er die Aufhebung des Gesetzes angekündigt und durch seine Frau immer wieder demonstrieren lassen. Diese trägt bei jedem öffentlichen Auftritt, ob genehmigt oder nicht, ein Kopftuch.

Seit der Machübernahme sind weibliche Angestellte im öffentlichen Dienst immer weiter abgebaut worden, die Ansicht, Frauen sollten sich besser um das Heim und Kinder kümmern ist bei den Anhängern Erdogans weit verbreitet.

Um sein Anliegen durchzusetzen, und das Kopftuch an Universitäten zu erlauben, muss er allerdings eine Verfassungsänderung durchsetzen, kein einfaches Unterfangen.

Für eine solche Verfassungsänderung braucht Erdogan neben den 340 Stimmen der eigenen Fraktion mindestens weitere 27 Stimmen von der Opposition. Das scheint nicht unerreichbar, nachdem die ultra-nationalistische MHP bereits ihre Hilfestellung signalisierte.

Gegner und auch das oberste türkische Verwaltungsgericht warnen indes eindringlich vor einer Aufhebung des Verbots. Diese würde „Errungenschaften der Republik“ gefährden und die Universitäten zu einem Forum für „Sekten, Bruderschaften und rassistische Kräfte“.

DCRS meint: Die scharfe Diskussion innerhalb der Türkei beweist, dass das Kopftuch nicht nur ein religiöses Symbol sondern Politikum ist und für die Rolle der Frau in der Gesellschaft steht. Es ist in keiner Weise mit anderen religiösen Symbolen zu vergleichen !

Artikel vom 22. Januar 2008

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