Kurt Beck muss sich rasiertem Henrico Frank stellen
Die Vergangenheit holt einen manchmal ein, einstweilen sogar schneller als einem lieb sein mag. So musste sich SPD-Chef Kurt Beck, bei seiner salbungsvollen Jahresbilanz in der Bundespressekonferenz, auch einem ungeliebten Geist aus der Vergangenheit stellen, Henrico Frank.
Beck hatte den Ex-Hartz IV Empfänger auf einem Weihnachtsmarkt vor rund einem Jahr ziemlich platt angepöbelt und ihm geraten, er solle sich waschen und rasieren, dann werde er auch einen Job bekommen.
Schon damals stellte Frank den Politiker auf die Probe, ließ sich tatsächlich die Haare schneiden und rasierte seinen Bart ab, um anschließend den versprochenen Job einzufordern. Der SPD-Chef saß in der Klemme, schickte dem Hartz IV Empfänger dann aber tatsächlich verschiedene Jobangebote. Frank nahm keines davon an, hat seit Februar aber dennoch einen Job bei dem Frankfurter Sender iMusic TV.
Ob er sich noch an ihn erinnern könne, meldet sich ein unscheinbarer Zuhörer am Montag nach der Jahresbilanz Becks aus den Reihen der Journalisten zu Wort. Henrico Frank ist überraschend in Berlin aufgetaucht und kritisiert den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten: Beck habe ihn vor einem Jahr auf dem Wiesbadener Weihnachtsmarkt „öffentlich gedemütigt“.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident hatte dem gelernten Maurer und damaligen „Hartz IV“-Empfänger Jobangebote in Aussicht gestellt, wenn er sich den Bart und die Haare schneiden lasse. Beck kontert, die Herausforderung von damals habe Frank am Ende doch genützt. Für das inzwischen Erreichte „gratuliere ich Ihnen“, betont er. Frank arbeitet seit Februar beim Frankfurter Sender iMusic TV als Musikredakteur und Kamera-Assistent.
Um am Jahresende Bilanz zu ziehen, ist der SPD-Chef in die Bundespressekonferenz gekommen. Schon die Wahl des Ortes ist ein Statement. Denn während ein Rückblick von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dort vor Weihnachten nicht vorgesehen ist, stellt Beck in grauem Anzug und roter Krawatte seine Sicht der Koalitionsarbeit vor. Er spricht salbungsvoll über soziale Gerechtigkeit, den Arbeitsmarkt, das Klima, die kommenden Landtagswahlen, Managergehälter und Landesbanken.
Über seine schlechten Umfragewerte kann dies allerdings nicht hinwegtäuschen, auch der Wille der Wähler scheint sich wenig in den Worten des SPD-Chefs wiederzuspiegeln.
Für seine Partei gehe ein „spannendes, erfolgreiches Jahr“ zu Ende, sagt Beck und lobt seine Mitstreiter ausgiebig: Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) habe schon bewiesen, dass die Personalentscheidung nach dem „überraschenden“ Ausscheiden von Franz Müntefering als Minister und Vizekanzler richtig gewesen sei. Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier übernehme die Koordination der SPD-regierten Bundesländer „in hervorragender Weise“. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee nimmt er sicherheitshalber vor der „einseitigen“ Berichterstattung in Schutz.
„Kampfeswillen und Kampfbereitschaft“ kündigt er für die kommenden Landtagswahlen an. In der Frage der Mindestlöhne als Bestandteil einer sozialen Gerechtigkeit, habe die SPD „eine deutliche Furche“ gezogen, fügt er hinzu. Dies sei eine Weiterentwicklung der „klaren Linie“ der Sozialdemokraten.
Nachdenken über mögliche Fehler möchte Beck, der 2007 auch unter schlechten Umfragewerten zu leiden hatte und mit dem Vorstoß, gemäßigte Taliban in eine Afghanistan-Friedenskonferenz einzubinden, unter Beschuss geraten war, öffentlich nicht. Fehler machten alle Menschen. „Ich auch.“ Allerdings sei er nicht gewillt, „darin zu suhlen“.
Auch auf die Frage, ob er aus der „Furche“ heraustreten und als Kanzlerkandidat gegen Merkel antreten wolle, zeigt sich der SPD-Chef nicht mehr so kampfbereit. Die SPD-Kanzlerkandidatur werde „Ende 2008 oder Anfang 2009“ entschieden, sagt er. In der Furche, merkt Beck an, stecke im Übrigen „das Saatgut und nicht der Bauer“.
DCRS meint: Herr Beck fühlt sich also als Bauer! Ob das nicht vielleicht so mancher tatsächlich nachvollziehen kann !?
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