Kurt Beck, wie lange macht er’s noch ?!

Von Christian Dieter Matuschek

Kurt Beck, wie lange macht er’s nochVor der Sommerpause hat SPD-Chef Kurt Beck in Berlin nocheinmal versucht seine Partei zur Geschlossenheit zu bewegen, doch die Standing-Ovations und Klatsch-Paraden wirken irgendwie unecht, die seichten Sprüche des Parteivorsitzenden angesichts der Putsch-Gerüchte in der Partei unsicher.

“Miteinander ist viel schöner als gegeneinander”, findet der Parteivorsitze und demonstriert angesichts der Krise seiner Partei und der eigenen schlechten Umfragewerte Durchhaltewillen. “Ich werde nicht hinter den Baum gehen, weil es da bequemer ist”, verspricht Beck auf dem Berliner Landesparteitag – “ich werde stehen, auch wenn das nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist.” Die Parteispitze habe “nach einigem Geruckel” begriffen, dass “wir zusammenzuarbeiten haben”.

Vermutlich handelt es sich aber weniger um tatsächlichen Durchhaltewillen, sondern vielmehr um dem Mangel an Urteilsvermögen, wann der Zug abgefahren ist. Die Umfragewerte der SPD sinken derweil weiter in den Keller. So mancher sehnt sich nach einem Befreiungsschlag und will von Zusammenhalt und Geschlossenheit unter Beck nichts mehr hören.

Die Entscheidung über einen SPD-Kanzlerkandidaten stehe noch nicht an, so Beck in Berlin. Personalfragen seien wichtig, aber sie würden “zur richtigen Zeit” entschieden, sagt der Parteichef und verlangt erst einmal angesichts des Gezerre um seine Führungsqualitäten von seinen parteiinternen Kritikern eine offene Auseinandersetzung. Wer kritisiere, ohne selber dafür einzustehen, sei “unsolidarisch und feige”.

“Wenn sich jemand gegen einen aus unseren Reihen in unfairer Weise stellt, dann müssen wir auch die Kraft haben, für ihn einzustehen”, sagt Beck, ohne den Satz ausdrücklich auf sich selbst zu beziehen. “Das ist auch Solidarität.”

“Das, was ohne Namensnennung an Kritik geäußert wird, interessiert mich nicht”, so Beck. Wer kritisiere, müsse “dazu stehen mit seinem Namen”. Beck rief seine Partei zur Geschlossenheit auf. Sie werde nur erfolgreich sein, “wenn wir die Gemeinsamkeiten über die kleinen Nickeligkeiten gegeneinander zu stellen wissen”. Von den Delegierten des SPD-Landsparteitags in Berlin bekam er dafür stehenden Applaus.

Beck und die SPD können sich seit Monaten nicht aus immer neuen Tiefs in Meinungsumfragen befreien. Medien hatten in den zurückliegenden Tagen unter Berufung auf ungenannte SPD-Politiker berichtet, dass Beck in der SPD-Führung keine Chancen mehr für die Kanzlerkandidatur 2009 eingeräumt würden. Als Anwärter auf die Kandidatur gilt auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Artikel vom 22. Juni 2008

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