Lidl bespitzelte Mitarbeiter auf der Toilette

Von Christian Dieter Matuschek

Lidl bespitzelte Mitarbeiter auf der ToiletteDer Lebensmittelgroßhändler Lidl hat offenbar bei der Beurteilung seiner Mitarbeiter fragwürdige Mittel angewendet. So sollen Angestellte systematisch ausgeforscht und überwacht worden sein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin “Stern” unter Berufung auf mehrere Hundert Seiten interne Berichte des Unternehmens.

Verhaltensweisen der Beschäftigten während der Arbeit würden demnach detailliert protokolliert und sogar per Videoaufnahme überwacht.

Über so genannte Miniaturkameras, die in den Filialen offiziell dem Schutz vor Ladendieben dienten, wurden Angestellte bei sämtlichen Tätigkeiten während der Arbeitszeit aufgezeichnet.

In den Protokollen sei jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gingen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis habe, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig sei oder einfach nur “introvertiert und naiv wirkt”.

Die meisten dieser Berichte stammten aus Lidl-Filialen in Niedersachsen. Dazu kämen einzelne Abhörberichte aus Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein, schreibt das Blatt.

Lidl bestätigte dem Magazin die Existenz der Protokolle. Dem Konzern zufolge dienten die Berichte allerdings “nicht der Mitarbeiterüberwachung, sondern der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens”.

Von den detaillierten Protokollen aus der Privatsphäre der Beschäftigten habe sich das Unternehmen distanziert und erklärt, die “Hinweise und Beobachtungen entsprechen weder im Umgangston noch in der Diktion unserem Verständnis vom Umgang miteinander.”

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, sagte dem Magazin, dass das Protokollieren eines Toilettenbesuchs und ähnliches einen schweren Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstelle: “Ich gehe davon aus, dass, wenn solche Vorgänge bekanntwerden, die zuständige Datenschutzbehörde tätig wird und Ermittlungen einleitet”, sagte er.

Artikel vom 26. März 2008

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