Machtkampf bei TUI in entscheidender Phase

Von Louis Richter

Machtkampf bei TUI in entscheidender PhaseEs könnte eine Premiere in der Geschichte der DAX-Unternehmen sein. Zum ersten Mal hängt die das Amt eines Aufsichtsratschefs von einer Kampfabstimmung ab. Bei TUI hat sich der Machtkampf zwischen TUI-Cehf Michael Fenzel und dem Großaktionär John Fredriksen massiv zugespitzt.

Fredriksen will Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow abwählen lassen, ob er genügend Anhänger für sein Vorhaben finden wird, ist unklar.

Zankapfel ist die geplante Abspaltung der TUI-Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd. Fredriksen, mit 11,7 Prozent der größte TUI-Aktionär, will den Verkauf der Containerschifffahrtstochter vorantreiben und setzt den Konzern seit Monaten unter Druck.

Der Milliardär befürchtet, dass die TUI-Spitze den beschlossenen und von ihm selbst betriebenen Verkauf der Konzerntochter Hapag-Lloyd nicht rasch genug und zum höchstmöglichen Preis abwickeln wird.

Zudem spekuliert Fredriksen ganz offensichtlich auf eine kräftige Sonderausschüttung nach dem Verkauf von Hapag-Lloyd. Der Milliardär hatte bereits im Vorfeld die Abwahl eines weiteren Aufsichtsratmitgliedes beantragt. Diese trat aber zwischenzeitlich freiwillig zurück. Jetzt kann folglich höchstens ein Posten neu besetzt werden.

Frenzel bekommt im Machtkampf Rückhalt vom zweitgrößten Anteilseigner, dem russischen Stahlmagnaten Alexej Mordaschow, so wie weiteren Investoren aus dem touristischen Umfeld. Sie wollen nach der Trennung von Hapag-Lloyd im Reisegeschäft expandieren.

Wie aus dem Redemanuskript von Firmenchef Frenzel zur Hauptversammlung hervorgeht, hat TUI dank des Zusammenschlusses mit der britischen First Choice den Umsatz im ersten Quartal um knapp ein Viertel gesteigert. Vorläufigen Zahlen zufolge setzte TUI 5,1 Mrd. Euro um. Der saisonal bedingte Verlust schrumpfte. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebita) betrug minus 196 (Vorjahr minus 248) Mio. Euro.

Der Umsatz der Touristiksparte legte dank First Choice um rund 38 Prozent auf rund 3,6 Mrd. Euro zu. Der bereinigte Betriebsverlust lag mit 227 Mio. minimal unter dem Vorjahreswert von 230 Mio. Euro.

Artikel vom 7. Mai 2008

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