Meisner entschuldigt sich, beharrt aber auf Inhalt seiner Aussage

Von Bianca Wollert

Kardinal Meisner (Foto: Henning Kaiser / ddp)Nach dem Kardinal Joachim Meinser durch seine Verwendung des Wortes „entartet“ massiv in die Kritik geraten war, sah er sich nun gezwungen, sich zu entschuldigen. Allerdings relativierte er den Wirbel um seine Aussage mit den Worten, der Begriff sei für seine inhaltliche Aussage nicht notwendig gewesen, und beharrt damit auf dem Inhalt seiner streitgegenständlichen Predigt.

Meisner bedauere, dass seine Aussage zu „Missverständnissen“ geführt habe. Das Wort „entartet“ habe „in der verkürzten Form des aus dem Zusammenhang gelösten Zitats Anlass zu Missverständnissen gegeben“ schreibt der Kardinal in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“:

Dies sei bedauerlich. Allerdings habe das Wort keinen Einfluss auf den Grundtenor seiner Aussage.

„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte.“ sagte Meisner in einer Predigt vergangenen Freitag.

Unmittelbar war Kritik an den Worten Meisners laut geworden. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch warnte, rechtsgerichtete junge Leute könnten Meisners Gebrauch des Wortes „entartet“ zum Vorbild nehmen.

Zum Vorbild für was, Frau Knobloch? Ist es zwischenzeitlich schon verboten dieses Wort zu benutzten?

“Das ist ein Begriff, den die Nationalsozialisten in Bezug auf jüdische Kunst und Kultur gebraucht haben”, sagte Knobloch.

DCRS meint: Bei dem zumeist niedrigen Bildungsniveau junger Bevölkerungsschichten, die gefährdet wären in eine radikale Szenerie zu rutschen, ist davon auszugehen, dass dieser Hintergrund gar nicht bekannt ist.

Meisner schreibt weiter in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass es eine Pervertierung sei, wenn der Mensch seine „Identifikation auf Gott hin vergisst und dadurch zum Ohne- Gott oder gar zum Antigott wird, wie wir es in der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Europa in grausamster Weise erleben mussten“.

Meisner wirbt für die Religion, verständlicher Weise für seine Religion, verurteilt, aber gleichzeitig ausdrücklich und nachdrücklich jede Radikalisierung. Ist das nicht vorbildlich?

Meisner rechtfertigt seine Wortwahl mit der Entlarvung des Nationalsozialismus und aller Formen totalitärer Kulturen, darum habe er diese mit ihrem eigenen Vokabular gekennzeichnet.

„Kultus und Kultur - im Sinne von Gottesverehrung und Gesellschaft - nehmen Schaden, wenn Gott nicht mehr in der Mitte steht.” sollte Meisners Kernaussage sein.

DCRS meint: Muss jedes Mal, wenn ein Relikt der dunklen Vergangenheit Deutschlands erwähnt wird, gleich ein Aufschrei der Entrüstung durch die Nation gehen? Warum sind die Schatten der Vergangenheit so lange. Im Schatten wächst nur Unkraut aber kein Blume mehr.

Artikel vom 19. September 2007

Hinterlasse eine Antwort