Mitarbeiter von Blackwater USA im Irak wegen Mordes angeklagt

Von Jan Konrad

Private Söldner konnten im Irak bisher offenbar machen was sie wollenEs passierte letzten Sonntag: die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Blackwater USA, welche vor allem für den Personenschutz von amerikanischen Diplomaten im Irak eingesetzt werden, eröffneten wahllos das Feuer auf Zivilisten. Laut Angaben der Opfer schossen die Mitarbeiter auf alles, was sich bewegte, ohne überhaupt von irgendjemandem bedroht worden zu sein (DCRS ONLINE berichtete über die Aussagen der Opfer).

Nun sagte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums, dass der Irak die in den Vorfall verwickelten Mitarbeiter anklagen wird. Diese müssen sich vor einem irakischen Gericht für den Vorfall verantworten. Diese Ankündigung kommt genau eine Woche nach dem Vorfall, in dem über 30 Zivilisten getötet und viele andere verletzt wurden. Vielen wurde in den Rücken geschossen, als sie sich in Sicherheit begeben wollten.

Es ist jedoch unklar, wie die irakische Staatsanwaltschaft die Verantwortlichen vor Gericht bringen will. Laut einem Bericht vom Juli hat die irakische Regierung keine juristische Gewalt über die amerikanischen Soldaten im Irak oder die privaten Sicherheitsorganisationen wie Blackwater USA, da diese der amerikanischen Regierung unterliegen.

Die irakischen Behörden, die behaupteten, dass die Mitarbeiter von Blackwater nicht provoziert wurden, bestreiten die Angaben von amerikanischen Behörden, dass die Leibwächter nur auf einen Angriff auf den Konvoi reagierten. Die irakischen Behörden sagten weiter, dass sie im Besitz eines Videobandes sind, welches beweist, dass die Mitarbeiter von Blackwater nicht in einen Angriff verwickelt waren.

Der Vorfall führte dazu, dass die irakische Regierung Blackwater USA im Irak die Lizenz zum Operieren entzog. Gestern wurden die Operationen von Blackwater im Irak aber wieder aufgenommen. Die Diplomaten sassen so lange in der grünen Zone fest, da Blackwater den Grossteil des Personenschutzes übernimmt. Derzeit sind laut inoffiziellen Angaben etwa 180000 private Sicherheitsbeamte im Irak tätigt, das sind mehr als die Anzahl aller amerikanischen Truppen. Man behauptet, dass diese inoffiziellen Sicherheitsbeamten die wahre Verstrickung von Amerika im Irak verschleiern sollen. Über die wahren Zahlen gibt es nämlich keine offiziellen Angaben.

Laut Angaben von amerikanischen Behörden sind die in den Vorfall verwickelten Mitarbeiter von Blackwater USA derzeit immer noch im Irak. Innerhalb von einer Woche will die irakische Staatsanwaltschaft nun Anklage erheben. Dieser Schritt war keine Überraschung, zumal der irakische Staatspräsident Nuri Al Maliki schon einen Tag nach dem Vorfall verkündete, dass die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen werden.

Die geplante Anklage wurde von amerikanischen Behörden weder bestätigt noch kommentiert.

Die USA haben aber einen Untersuchungsausschuss eingeleitet, um mit dem Irak über die Probleme von privaten Sicherheitsfirmen zu beraten. In der Vergangenheit machten immer wieder private Leibwächter Schlagzeilen, die unschuldige Leute – manchmal sogar mit Absicht – umbrachten. Diese Mitarbeiter konnten von dem irakischen Rechtssystem nicht zur Verantwortung gezogen werden, und die amerikanischen Behörden kümmerten sich nicht um diese „isolierten“ Vorfälle.

Die privaten Sicherheitskräfte im Irak geniessen weitestgehende Immunität. Seit dem Beginn des Krieges wurden etwa 200 private Sicherheitskräfte im Irak ermordet. Ein Vorfall, der unter den privaten Söldner grosses Entsetzten und auch Wut auf die irakische Bevölkerung auslöste, war ein Vorfall vor zwei Jahren. Dabei wurden vier Söldner umgebracht und ihre verbrannten Leichen wurden an einer Brücke aufgehängt. Einige Wochen später stürmte die amerikanische Armee die Stadt, in welcher es zu jenem Vorfall kam. Dies war eine der grössten Operationen im Nachkriegsirak.

Seit diesem Vorfall wurden von diversen Racheakten an der Zivilbevölkerung berichtet. Die privaten Söldner, die dafür verantwortlich waren, konnten aber von dem irakischen Rechtssystem nicht bestraft werden. Ob sich das in naher Zukunft ändern wird, ist jedoch mehr als fraglich.

DCRS ONLINE meint: Es ist einfach das blanke Chaos !

Artikel vom 23. September 2007

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