Nachkriegsschriftsteller und Archivar Walter Kempowski erlag seinem Krebsleiden

Von Stefan Marx

Schriftsteller Walter Kempowski bekommt im Muenchner Prinzregententheater den internationalen Buchpreis Corine 2005 fuer sein Lebenswerk verliehen (Foto: Jörg Koch/ ddp)Nach langer Krankheit ist Walter Kempowski, einer der bedeutendsten Schriftsteller der Nachkriegszeit am Freitagmorgen im Alter von 78 Jahren verstorben. Der Autor litt seit geraumer Zeit unter einem Krebsleiden, hatte dennoch aber seine Arbeit an seinem letzten Buch unaufhörlich fortgesetzt und auch weiterhin zu Lesungen bei sich eingeladen.

Bundespräsident Horst Köhler ließ der Witwe ein Kondolzenschreiben überbringen, in dem er den Verstorbenen als einen der „bedeutensten Schriftsteller, dem wir ein großartiges und bleibendes Werk verdanken“ bezeichnete.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist „sehr betroffen“ von der Todesnachricht.

Selbst der große Literaturkritiker Hellmuth Karasek fand am Ende nur noch wohlwollende Wort für Kempowski. Er sei einer der größten Autoren und Chronisten der deutschen Nachkriegszeit, ein „wichtiger Vertreter“ der deutsche Literatur nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Vor allem sein gigantisches Werk „Echolot“ sei „wirklich ein Jahrhundertunternehmen“ und ein „ungeheurer Werk“.

„Geschichte so sehr mit erzähltem Leben zu verbinden, dass eine große Leserschaft sich seinen Romanen und Erzählungen anvertraute“, damit habe Kemposki etwas geschafft, was gemeinhin deutschen Autoren nie zugetraut wurde, erklärte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber.

Auch in seiner Heimatstadt Rostock zeigten sich die Menschen erschüttert. Oberbürgermeister Roland Mehtling bezeichnete den Schriftsteller als „überragende Botschafter“ und würdigte damit ebenso seine Fähigkeit geschichtliche Abläufe präzise und authentisch aber würdevoll und fesselnd an den Leser weiter zu geben. Kempowski wurde am 29. April 1929 in Rostock als Sohn eines Reeders geboren. Acht Jahre lang saß er nach Kriegsende in DDR- Gefangenschaft, wegen angeblicher Wirtschaftsspionage. Nachdem er endlich entlassen wurde studierte er Pädagogik und unterrichtete 20 Jahre lang an einer Dorfschule in Nartum.

Das in Rostock ansässige Kempowski- Archiv wird auf der Internetseite kempowski-archiv-rostock.de in Kürze ein offizielles, elektronisches Kondolenzbuch einrichten.

DCRS ONLINE meint: Die Trauer, Anteilnahme und Aufmerksamkeit scheint groß, allerdings, wie so oft, eigentlich zu spät, denn die Hauptperson nimmt von all dem nichts mehr wahr.

Artikel vom 5. Oktober 2007

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