Neue Zeugin im Fall Kampusch erhebt schwere Vorwürfe

Von Irina Heidkamp

Schon vor Jahren saß ihr offenbar die Angst im Nacken. Damals war es die Angst vor dem Verlust des Jobs ihres Mannes. Auch heute will eine neue Zeugin im Fall Kampusch nicht mit Namen genannt werden, denn die Anschuldigungen, die sie gegen die Ermittlungsbehörden und die Politik in Österreich erhebt sind ungeheuerlich.

Offenbar wurden die Ermittlungen im Fall Kampusch auf Weisung „von oben“ nach der Entführung im Jahr 1998 vorzeitig eingestellt. Die Polizisten hatten nach Angaben der anonymen Zeugin die Anweisung erhalten nur mehr nach der Leiche des entführten Mädchens zu suchen, nicht aber weiter die Spur, die zu ihrem tatsächlichen Entführer Wolfgang Priklopil führte, weiter zu verfolgen.

Hätte man sich an diese Anweisung nicht gehalten oder den Mund aufgemacht, hätte man seinen Job riskiert, so die anonyme Polizistengattin gegenüber der Tageszeitung „Österreich.

Tatsächlich hätten sich die Ermittler aber mit Wolfgang Priklopil auf dem richtigen Weg befunden. Der Kidnapper hatte Kampusch auf dem Schulweg entführt. Das Mädchen war acht Jahre in seiner Gewalt. Als ihr 2006 die Flucht gelang, brachte sich Priklopil um.

Nach Bekanntwerden diverser Ermittlungspannen war Anfang Februar von der Regierung eine Untersuchungskommission unter der Leitung des ehemaligen Verfassungsrichters Ludwig Adamovich eingesetzt worden.

Das Ergebnis dieser Untersuchung ist vor allem für die Schadensersatzklage von Natascha Kampusch wichtig. Auch deren Vater fordert vom österreichischen Staat Schmerzensgeld und hat sich an die Klage seiner Tochter drangehängt.

Adamovich sagte am Montag der österreichischen Nachrichtenagentur APA, die Kommission werde auch die Vorwürfe der anonymen Zeugin prüfen. Die Ex-Frau eines ehemaligen Polizisten hatte berichtet, sie habe vor zehn Jahren von ihrem damaligen Mann gehört, dass sich Priklopil bei seiner Aussage in Widersprüche verstrickt und kein Alibi gehabt habe. Er habe nach seiner Vernehmung als Hauptverdächtiger gegolten.

Die erste Phase ihrer Untersuchungen hat die Sonderkommission unterdessen abgeschlossen. Am Montagnachmittag legte Adamovich dem österreichischen Innenminister Günther Platter (Volkspartei) einen Zwischenbericht vor, über dessen Inhalt noch nichts bekannt ist.

Kampuschs Anwalt verhandelt inzwischen mit dem Staat Österreich über eine hohe Abfindung wegen der Ermittlungspannen. Der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat sich bereits für eine “vernünftige Geste” in Form einer Entschädigung ausgesprochen.

DCRS ONLINE meint: Was wird dieser Fall noch kurioses zu Tage fördern?!

Artikel vom 26. Februar 2008

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