Nürnberger Zoo versucht Ruf durch Eisbär -Handaufzucht zu retten
Der Nürnberger Zoo hat es derzeit nicht leicht. Die Nachricht über Nachwuchs im Eisbärengehege von vor rund fünf Wochen löste einen Sturm der Begeisterung aus. Doch nun nimmt die Kritik kein Ende. Eine Eisbärendame hat ihre beiden Babys vermutlich aufgefressen. Der Zoo hatte sich stets geweigert die Aufzucht der kleinen Eisbärbabys per Hand vorzunehmen und damit auch bewusst in Kauf genommen, dass die beiden sterben.
Nun, da das Horrorszenario tatsächlich eingetroffen ist, hat der Zoo nun seine Verfahrensweise radikal verändert. Das Baby der zweiten Eisbärenmutter wurde noch am Dienstag von dieser getrennt und in die Handaufzucht übergeben.
Offenbar will man auf die Einnahmen durch einen Knut- 2 doch nicht verzichten.
Die Begründung des Nürnberger Zoos für die Trennung von Mutter und Sohn klingt freilich auch plausibel. Eisbärendame Vera hat ihren fünf Wochen alten Sohn, laut Aussage des Zoos, verstoßen.
Der kleine Eisbär wird nun von Pflegern mit der Flasche groß gezogen werden. Den ursprünglichen Vorsatz, das Tier sterben zu lassen, sollte sich die Mutter nicht mehr um ihren Nachwuchs kümmern, brachte im Zoo dann doch niemand noch ein drittes Mal übers Herz.
„Ich hätte heulen können“, sagte Zoodirektor Dag Encke am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.
„Die Mutter hat das Kind rausgeschleppt und liegengelassen“, berichtete er niedergeschlagen. Es war eine rabenschwarze Woche für ihn. Erst fraß Eisbärendame Vilma ihre beiden Babys auf, dann setzte die zweite Mutter Vera ihren Nachwuchs aus, angeblich.
Für die Verantwortlichen im Tiergarten ist die Handaufzucht ein Horrorszenario. Noch vor einigen Tagen hatte Zoo-Vizechef Helmut Mägdefrau verkündet, nicht einzugreifen.
„Wenn sie ihre Kleinen sterben lassen wollen, dann müssen die eben sterben“, hatte er betont. Doch am Dienstag wollte man davon nichts mehr wissen.
Kalt ließ Eisbärendame Vera die Trennung von ihrem Sohn offensichtlich nicht: Sie lief am Gitter des Geheges unruhig auf und ab, gelegentlich brüllte sie laut. Das Jungtier verkroch sich unterdessen im Inneren der Höhle, Tierpfleger eilten herbei. Vor der Anlage brachten sich bereits erste Kamerateams und Fotografen in Position. Denn nach dem Weltstar Knut im Berliner Zoo hat Bayern nun den Eisbären „Edi“.
So will zumindest Grünen-Landtagsfraktionschef Sepp Dürr das Tier nennen. Die Parallelen des Schicksals des kleinen Bären zu dem des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, CSU, seien augenscheinlich, sagte Dürr:
„Auch Edi Stoiber wurde ja von seiner Mutterpartei verstoßen.“ Die Stadt Nürnberg und auch der Zoo verschwenden an den Namen aber noch keinen Gedanken. Zunächst gehe es nur darum, das Jungtier durchzubringen.
„Wir haben beschlossen, sofort einzugreifen“, sagte der Zoodirektor. Die Eisbärenmutter habe sich in der Bruthöhle offenbar nicht mehr sicher gefühlt. Sie sei sehr nervös gewesen, habe ihr Baby zunächst raus- und dann wieder reingetragen.
Doch scheinbar konnte Vera keinen geeigneten Platz für ihren Nachwuchs finden. Anschließend habe sie den kleinen Eisbärenjungen draußen alleine im Heu liegengelassen.
„Warum sie unsicher geworden ist, wissen wir nicht“, betonte Encke. Bis dahin sei alles nach Plan verlaufen.
Doch nun bestehe keine Chance mehr, dass die Mutter ihren Kleinen noch in Ruhe großziehe. Deshalb sei am Mittag die Entscheidung für die Trennung und eine Aufzucht per Hand gefallen. Direktor Encke steht dieser Lösung nach wie vor kritisch gegenüber.
Solche Tiere seien als Erwachsene stark auf Menschen fixiert, weshalb eine Nachzucht oft misslinge. Encke will alles daran setzen, aus dem Tier dennoch einen richtigen Eisbären zu machen.
Nürnbergs 2. Bürgermeister Horst Förther, SPD, lässt jedoch wenig Hoffnung: Man müsse „fast davon ausgehen“, dass der Kleine später Verhaltensstörungen haben werde. Dennoch hält er die Entscheidung für richtig. Der Zoo habe nicht anderes handeln können.
„Wir werden im Tiergarten kein Tier verhungern lassen“, betonte der Bürgermeister. Das sehen die Zoobesucher genauso. „Man kann den Eisbär doch nicht einfach sterben lassen“, sagte ein älterer Herr.
Doch auch eine Handaufzucht ist nicht ohne Risiken. Der Zoodirektor betonte: „Es ist keine Überlebensgarantie.“ Bislang scheint das Baby aber keine Schäden davon getragen zu haben, es ist wohlauf. „Das Kleine war topfit“, berichtete Encke. Im Zoo stünden Pfleger bereit, die Erfahrung mit einer Tieraufzucht hätten. Ein Ziehvater ist sicher schnell gefunden.
DCRS ONLINE meint: Ob Knut diese Konkurrenz gefällt ?!





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