Österreichische Geiseln in Tunesien – Motiv unklar

Von Jette Petersen

Österreichische Geiseln in TunesienDie Motive der Geiselnehmer zweier österreichischen Urlauber in Tunesien sind zunehmend unklar. Am Freitag waren zunächst die realistisch unerfüllbaren Forderungen nach der Freilassung von inhaftierten Al-Kaida-Terroristen in Algerien und Tunesien gestellt worden. Vermutlich ist dies aber nur eine Taktik um später mehr Geld erpressen zu können.

Durch die Forderung nach der Freilassung von inhaftierten Al-Kaida-Terroristen in Algerien und Tunesien sah es zunächst so aus, als sei mit den Extremisten nicht zu verhandeln. Nun heißt es, dass die “Al Kaida im Islamischen Maghreb” in massiven Finanznöten stecke und es sich bei der unerbringbaren Forderung möglicherweise um ein Erpressungsmanöver handelt, um später mehr Lösegeld für die Österreicher fordern zu können.

Laut der französischsprachigen algerischen Tageszeitung “L’Expression” hat der nordafrikanische Arm der Al Kaida in einer kürzlich veröffentlichten Internetbotschaft erstmals Mangel an Geld, Lebensmitteln und Medikamenten zugegeben. Die Situation sei ähnlich wie im Frühjahr 2003, als die Gruppe 32 europäische Touristen, darunter zehn Österreicher, entführt hatte.

“L’Expression” schreibt die Entführung des Halleiner Touristenpaares der Einheit eines gewissen Yahia Djouadi zu, der auch unter dem Namen Abou Ammar bekannt sei. Die Terror-Einheit trage den Namen “Tarik Ibn Ziad”, bestehe aus rund 40 Männern und sei vor allem im Süden des Landes aktiv. Ihr wird unter anderem die Tötung von acht Gendarmen Anfang Februar in der ostalgerischen Stadt El Oued zugeschrieben. Die Gruppe wird auch verdächtigt, hinter der Ermordung von vier französischen Touristen in Mauretanien am 24. Dezember 2007 zu stecken. Die Zeitung spekuliert, dass die Einheit von Djouadi das Urlauberpaar gemeinsam mit zwei anderen Terroristeneinheiten verschleppt hat, die ihrerseits im Gebiet der tunesisch-algerischen Grenze operieren.

Angehörigen wäre „Lösegeldforderung lieber gewesen“
Mit einem Appell an die heimische Politik hat sich am Freitag indes Bernhard Ebner, der Sohn des entführten Wolfgang Ebner, zu Wort gemeldet. Die Politik möge alle Möglichkeiten ausschöpfen, um seinen Vater und dessen Freundin Andrea Kloiber wieder gesund nach Österreich zu bringen.

Artikel vom 15. März 2008

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