PISA- Studie nicht vergleichbar - daher keine Verbesserung

Von Irina Heidkamp

Bei Naturwissenschaften schneiden die Deutschen offenbar gut abDie PISA-Studie im Jahr 2003 sorgte bundesweit für lange Gesichter, angesichts der wenig erfreulichen Leistung der deutschen Schüler. Nun gibt es ein neues PISA-Ergebnis, das vorschnell als großer Erfolg bejubelt wurde, doch offenbar lässt sich die neue Erhebung mit 2003 gar nicht vergleichen. Es wurden andere Themengebiete untersucht.

Nach der neuen PISA-Studie gehören die 15-jährigen Deutschen beim Umweltwissen und in Naturwissenschaft zur internationalen Spitzengruppe. Sie landen auf Rang 13 von 57 Staaten, bestätigte ein Sprecher der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwochabend in Berlin. Außerdem verbesserten sich Deutschlands Grundschüler mit ihren Leistungen beim Lesen und Textverständnis im weltweiten Vergleich leicht. Nach der IGLU-Studie 2006 belegen sie Rang elf unter 35 Nationen und zehn Regionen.

Bei der PISA-Studie 2003 lag Deutschland noch auf Platz 18. OECD-Bildungskoordinator Andreas Schleicher sagte “tagesschau.de”, die Tests seien wegen ihrer geänderten Aufgabenstruktur nicht miteinander vergleichbar. Deshalb sei das jetzige Ergebnis nicht als Aufstieg zu sehen. Das jüngste Testverfahren habe bestimmte Stärken von deutschen Schülern begünstigt.

Die Naturwissenschaften waren erstmals Schwerpunkt der PISA-Studie. Dazu war das gesamte Aufgabenspektrum überarbeitet und vor allem Umweltwissen in den Mittelpunkt gestellt worden. Damit kam man auch deutschen Wünschen entgegen. Finnland konnte seinen ersten Rang erneut behaupten. Die umfassenden PISA-Ergebnisse werden am Dienstag kommender Woche vorgestellt.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Kultusminister nach den neuen Ergebnissen der IGLU- und PISA-Studien vor “zu viel Euphorie” gewarnt. Die großen Probleme des deutschen Schulsystems seien bei weitem nicht gelöst, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Nach wie vor sei in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so groß wie in Deutschland.

Die OECD untersucht bei PISA die Leistungen 15-jähriger Schüler. Die Tests der internationalen Vergleichsstudie werden regelmäßig im Abstand von drei Jahren für die Bereiche Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften vorgenommen. Dabei werden jeweils unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Bei der aktuellen Studie sind dies die Naturwissenschaften. Das mittelmäßige Abschneiden der deutschen Schüler bei den ersten beiden PISA-Studien hatte heftige Debatten über das deutsche Schulsystem ausgelöst.

Nach der am Mittwoch vorgestellten zweiten internationalen IGLU-Grundschulstudie können Deutschlands Grundschüler mit ihrer Leseleistung im weltweiten Vergleich gut mithalten. Sie belegten Rang elf unter 35 Nationen und zehn Regionen. Damit landeten die deutschen Viertklässler auf dem gleichen Platz wie beim ersten IGLU-Test 2001. Bei der Punktezahl zum Leseverständnis konnten sie etwas zulegen. Gleichzeitig wird die deutsche Schule aber sozial immer ungerechter.

Demnach fällt es Zehnjährigen aus der Oberschicht immer leichter, selbst bei weit unterdurchschnittlichen Leistungen eine Empfehlung ihrer Grundschule für den Besuch des Gymnasiums zu erhalten. Von einem Kind aus einem einfachen Arbeiterhaushalt dagegen werden dafür Spitzenleistungen verlangt.

Die Bundesländer wollen auch nach dem guten Abschneiden beim IGLU-Grundschultest die Reformen im Bildungssystem weiter vorantreiben. Man dürfe mit den Reformanstrengungen nicht nachlassen, sagte die Koordinatorin der unionsgeführten Länder, Hessens Kultusministerin Karin Wolff.

“Was mit Ländern geschieht, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, kann in der IGLU-Tabelle nachgelesen werden”, sagte die CDU-Politikerin mit Blick auf Absteiger. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen, die für die SPD-regierten Länder spricht, sagte, man dürfe nicht in den Anstrengungen nachlassen, “allen Kindern in Deutschland eine möglichst gute Basis für ihren weiteren Bildungsweg zu verschaffen”.

Mit einer IGLU-Gesamtleseleistung von 548 Punkten (2001: 539) liegt Deutschland im oberen Viertel der 45 Teilnehmer. In der EU schneiden die deutschen Viertklässler nach Angaben der Autoren am besten ab. Doch nur jeder zehnte (10,8 Prozent) gilt als Spitzenleser. “Das ist unbefriedigend”, heißt es in der Studie. Internationale Spitzenreiter sind Russland (565 Punkte) und Hongkong (564), die Schlusslichter Marokko (323) und Südafrika (302).

DCRS ONLINE meint: Wir lernen alle niemals aus.

Artikel vom 29. November 2007

Hinterlasse eine Antwort