Radovan Karadzic – CIA Schutz bis 2000

Von Bianca Wollert

Radovan Karadzic – CIA Schutz bis 2000 Foto

Nach seinem ersten Auftritt vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag kommen immer mehr Details über seine Fluchtjahre zu Tage. Nach Angaben von Karadzic hatten die USA dem Kriegsverbrecher Straffreiheit versprochen, wenn er sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehe.

Mindestens bis zum Jahr 2000 sollen die USA diese Vereinbarung gehalten und Karadzic unter ihren Schutz gestellt haben. Doch dann brach Karadzic selbst die Vereinbarung. Er wurde vom US-Geheimdienst CIA dabei ertappt, wie die serbische Zeitung „Blic“ berichtet.

Aus einem abgehörten Telefongespräch erfuhrt die CIA, dass Karadzic weiterhin die Serbische Demokratische Partei, SDS, leitete.

„2000 gab es ein SDS-Treffen in Bijeljina, das von Karadzic persönlich geleitet wurde“, berichtete ein US-Geheimdienstler „Blic“. „Er gab den Mitgliedern Anweisungen, wer abgesetzt und wer in eine bestimmte Position befördert werden sollte.“

Damals habe sich bei der CIA der Eindruck festgesetzt, dass Karadzic auf die Absprachen pfeife. Aus Verärgerung sei dann der „informelle Schutz“ für Karadzic aufgehoben worden, der ihn auch vor der Festnahme durch andere Geheimdienste geschützt habe.

Karadzic hatte am Donnerstag vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag erklärt, der frühere US-Gesandte Richard Holbrooke habe ihm erst vor zwei Jahren im Gegenzug zu seinem Rückzug aus dem politischen Leben Schutz vor Verfolgung durch das Tribunal zugesichert.

Holbrooke bestreitet eine derartige Vereinbarung. Die von „Blic“ angeführte Quelle erklärte: „Ich bin mir nicht sicher, ob es ein schriftliches Dokument dafür gibt, aber ich weiß andererseits, dass Holbrooke auf höchster Ebene mündliche Garantien für Karadzic abgegeben hat.“

So sagte der bosnisch-serbische Außenminister Aleksa Buha gegenüber dem Sender Radio Belgrad am Samstag, dass Holbrook seinerzeit ihm gegenüber die Abmachung sogar bestätigt habe und sagte, dass Karadzic nicht vor das Kriegsverbrechertribunal komme, wenn er sich nicht politisch betätige.

Dieses Versprechen habe Holbrooke schon während eines Treffens in Belgrad in der Nacht zum 19. Juli 1996 abgegeben, an dem auch der damalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic, der damalige jugoslawische Außenminister Milan Milutinovic und der frühere bosnisch-serbische Parlamentspräsident Momcilo Krajisnik teilgenommen hätten.

Krajisnik war während der Friedensverhandlungen in Dayton in den USA der ranghöchste Vertreter der bosnischen Serben. Holbrooke war an den Abkommen von Dayton, die den Bosnien-Krieg 1995 beendeten, maßgeblich beteiligt.

Artikel vom 4. August 2008

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