Regierung übernimmt Kontrolle über US-Immobilienbanken

Von Bianca Wollert

Regierung übernimmt Kontrolle über US-Immobilienbanken  FotoDie beiden angeschlagenen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac werden vorübergehend von der US-Regierung kontrolliert. In Washington kündigte Finanzminister Henry Paulson an, einen entsprechenden Plan zur Rettung der beiden größten US-Baufinanzierer vorlegen zu wollen.

Die Führungsspitze beider Unternehmen wurden laut Paulson entlassen.

Die beiden Kredithäuser sollen jeweils mit 100 Milliarden Dollar unterstützt werden, so Paulson. Die Regierung werde eine “neue Klasse von Vorzugsaktien” kaufen und damit weitere Kursverluste abfedern. Mit dem Notfallplan solle ein Kollaps des Kreditmarkts verhindert werden.

Der Finanzminister bezeichnete den Schritt als “beste Maßnahme zum Schutz unserer Märkte und der Steuerzahler”. Aufgrund der Entwicklungen der vergangenen vier Wochen sei er zu dem Schluss gekommen, dass es nicht ausreichen werde, den beiden Unternehmen einfach nur finanziell unter die Arme zu greifen, sagte Paulsen.

Die Strategie zur Maximierung der Einkünfte aus Kapitalvermögen habe sich als mit zu großen Risiken behaftet erwiesen. Nach seinen Angaben bleiben die Chefs von Fannie Mae und Freddie Mac, Dan Mudd und Dick Syron, während einer Übergangsperiode kommissarisch im Amt.

Republikaner wie Demokraten signalisierten Zustimmung zu den Regierungsplänen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama meinte, angesichts der “extrem ernsten Lage” auf dem Immobilienmarkt sei die staatliche Übernahme sinnvoll. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass “der Steuerzahler geschützt wird und nicht Aktienbesitzer und Manager saniert werden”. Die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin kritisierte, dass die Unternehmen “zu groß und zu teuer für die Steuerzahler” geworden seien. Notwendig seien strukturelle Änderungen und die Verkleinerung der Immobiliengiganten.

Fannie Mae und Freddie Mac sind Privatunternehmen, sie unterliegen aber staatlicher Kontrolle und werden deshalb als halbstaatliche Institutionen angesehen. Dank der Kreditgarantien des Staates sorgten die beiden Baufinanzierer rund 40 Jahre lang mit günstigen Zinsen dafür, dass auch der Mittelstand in Besitz von Häusern gelangen konnte. Inzwischen verwalten sie mehr als 40 Prozent der privaten Immobilienkredite in den USA. Zweifel an der finanziellen Stabilität der beiden Institute im Zuge der Immobilienkrise hatten ihre Aktienkurse einbrechen lassen. Die beiden Unternehmen verloren rund 90 Prozent ihres Wertes.

Artikel vom 8. September 2008

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