Roland Koch bedenkt SPD-Chaos mit Häme

Von Jette Petersen

Roland Koch bedenkt SPD Chaos mit HämeHochmut kommt vor dem Fall, das müsste der hessische Ministerpräsident und CDU-Landeschef, Roland Koch, doch eigentlich jetzt gelernt haben. Doch anscheinend ist er noch nicht genug in den Dreck gefallen. Angesichts des Tumultes in der SPD, der Kellerfahrt deren Umfragewerte und des gescheiterten Versuchs von Andrea Ypsilanti, Koch von seinem Thron zu stoßen, triumphiert der CDU-Chef wie ein kleiner König.

Doch hoffentlich hat er sich nicht zu früh gefreut. Koch tut fast schon so, als hätte er eine neue Regierung mit seiner Führung unter Dach und Fach, doch das scheint bislang immer noch unmöglich.

Den CDU-Mann scheint es nicht zu stören. Seine Schadenfreude ist offenbar grenzenlos und beflügelt ihn zu neuem Optimismus. Koch fühlt sich jetzt plötzlich wieder in einer Position der Stärke.

Er macht den Grünen Avancen für eine Jamaika-Koalition und kann sich auch eine Große Koalition vorstellen. Doch diese wollen noch lange nicht mit der CDU und mit Roland Koch erst recht nicht. Zu massiv waren die Angriffe während des Wahlkampfes gegen die Führungsetage der hessischen Grünen.

Zwar sind die Grünen tief erschüttert vom “inhaltlichen Richtungsstreit und der Unprofessionalität innerhalb der SPD”. Doch das lässt sie keineswegs über Nacht zu einer Jamaika-Koalition mit CDU und FDP umschwenken. Partei- und Fraktionschef Tarek Al-Wazir schiebt vor seine verletzte Persönlichkeit die Partei-Basis:

Das würden die grünen Mitglieder und Wähler ihm nicht verzeihen. Der Landesvorstand erklärte deshalb, man sehe “keine Basis für ein Jamaika-Bündnis mit der Koch-CDU”. Auch ohne Koch “bleibt die Hessen-CDU immer noch die Hessen-CDU”, wird Al-Wazir nicht müde zu betonen.

FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn ist alarmiert. Er sieht die Chancen für ein Einlenken der Grünen schwinden und warnt schon vor einer Großen Koalition. Hahn weiß um das Riesenproblem der Grünen mit Koch. Deshalb wird er nicht müde zu betonen, eine Jamaika-Koalition dürfe nicht an einzelnen Personen scheitern. Ein wenig verschleierter Aufruf an Koch, den Weg freizumachen.

Doch dieser ist derzeit so verblendet, von seinem vermeintlichen Triumph über Andrea Ypsilanti, dass er nicht sehen will, dass seine Partei unter seiner Führung nur wenig Zukunft hat.

Koch betont lieber, die Partei habe seine Führungsrolle bestätigt und dem wolle er gerecht werden. In einem Interview der “Frankfurter Allgemeinen” reagierte er am Donnerstag unwirsch auf die Frage nach einem möglichen Verzicht. Dazu habe die Partei das Notwendige gesagt, erklärte der CDU-Mann. “Ich habe dem nichts hinzuzufügen.” Anders als Ypsilanti ist Koch ein Polit-Profi. Er weiß genau, wann er was sagen muss. Zudem scheint sein Landesverband nach wie vor auf ihn eingeschworen, ja ihm geradezu hörig. Ehre, Treue, Gemeinschaft: Das sind die Grundfesten der hessischen CDU.

DCRS ONLINE meint: Es geht mal wieder, wie in Deutschland üblich, nichts vorwärts.

Artikel vom 16. März 2008

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