Rürup bezeichnet Lohnplus von 1,5 Prozent als kräftig

Von Eleonore Matschge

Bert Rürup (Foto: Clemens Bilan / ddp)In verschiedensten Branchen haben die Arbeitnehmervertretungen eine Erhöhung der Löhne gefordert. Bei Ver.di sind es 8 Prozent, die Lokführer wollen mindestens 10 Prozent, die Ärzte der öffentlichen Kliniken ebenfalls.

Bert Rürup, Chef der fünf Wirtschaftsweisen, hat sich nun in die Lohndebatten eingeschaltet und seine Prognose für das kommende Jahr abgegeben. So rechnet er mit dem stärksten Lohnplus seit 13 Jahren und bezeichnet einen Zuwachs der Real-Einkommen von 1,5 Prozent als „kräftig“. Ob das die Arbeitnehmer angesichts einer gewaltigen Teuerung bei Energie und Lebensmittel genauso sehen ist fraglich. Laut einer Umfrage liegt die gefühlte, durchschnittliche Inflation bei 8 Prozent.

Der Bildzeitung, Montagausgabe, sagt Rürup: „Die Bruttolöhne und Gehälter werden je Beschäftigten um 3,5 Prozent steigen. Die reale Bruttolohn- und Gehaltssumme je Arbeitnehmer wird um 1,5 Prozent steigen - das ist das kräftigste Plus seit 1995.“

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, geht von Lohnabschlüssen in derselben Höhe aus - mit Einschränkung beim realen Lohnplus. „Real bedeutet das allerdings nur ein Zuwachs von 0,5 Prozent“, sagte Sinn. Verhaltener blickt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, auf das kommende Jahr. „Hohe Lohnsteigerungen können nur gut ausgebildete Fachkräfte erwarten. Das durchschnittliche Lohnplus von zwei Prozent wird durch die Inflation aufgefressen. Die Reallöhne werden also
stagnieren.“ Somit werde es zumindest keinen Rückgang der Kaufkraft geben.

Alle drei Ökonomen rechnen mit einem erneut starken Beschäftigungszuwachs. Die Arbeitslosigkeit werde um weitere 300 000 auf durchschnittlich 3,5 Millionen Personen zurückgehen. Rürup erwartet eine Zunahme der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten um 270 000 auf 27,2 Millionen.

Bei der Teuerungsrate gehen die Wirtschaftsexperten von einem leichten Rückgang aus. Zimmermann rechnet mit einer Teuerungsrate von unter zwei Prozent. Sinn schätzt die Preissteigerungsrate auf 2,3 Prozent, Rürup auf 2 Prozent.

DCRS meint: Laut den Prognosen bleibt die Lohnsteigerung immer noch hinter der Teuerungsrate zurück, unterm Strich also ein Minus für den Verbraucher!

Artikel vom 24. Dezember 2007

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