Schwerin - Eltern ließen Tochter offenbar verhungern

Von Christian Dieter Matuschek

Und wieder ist es im Osten, wo ein Kind durch unfassbare Dummheit, Ignoranz und Kriminalität ums Leben gekommen istIn der Nacht auf Mittwoch spielten sich in einem Krankenhaus in der norddeutschen Stadt Schwerin dramatische Szenen ab. Ein 23 und 26 Jahre altes Elternpaar hatte den Notarzt zu ihrer Tochter gerufen, der das stark unterernährte und dehydrierte, 5jährige Mädchen in eine Klinik bringen ließ. Kurze Zeit später war das Mädchen tot.

Die Eltern wurden zwischenzeitlich festgenommen. Ein zweites Kind der Familie, ein wenige Wochen alter Junge, wurde dem Jugendamt übergeben.

Nach dem Tod eines stark unterernährten fünfjährigen Mädchens in Schwerin sind dessen Eltern am Mittwoch festgenommen worden. Nach Angaben der Schweriner Staatsanwaltschaft sollen der 26-jährige Vater und die 23-jährige Mutter am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt worden. Gegen sie werde „wegen Tötung durch Unterlassen“ ermittelt.

Das Kind war den Angaben zufolge in der Nacht zum Mittwoch kurz nach seiner Einlieferung in einem Schweriner Krankenhaus gestorben. Die Eltern hätten zuvor den Notarzt alarmiert.

Zu den weiteren familiären Hintergründen wurde noch nichts mitgeteilt. Derzeit würden die genauen Todesumstände ermittelt, hieß es. Die Leiche des Mädchens soll am Donnerstag obduziert werden. Nach Angaben des Innenministeriums wies das Kind auch Rötungen im Halsbereich auf. Der Notarzt soll einem Medienbericht zufolge auch einen akuten Flüssigkeitsmangel bei der Fünfjährigen festgestellt haben.

Der Schweriner Sozialdezernent Hermann Junghans sprach von einem „tragischen Einzelfall“. Seinen Angaben zufolge gibt es derzeit keine Hinweise auf Versäumnisse seiner Mitarbeiter. Vielmehr hätten sie den Vorschriften gemäß gehandelt. Allerdings wollte Junghans Medienberichte, wonach die Behörden seit einiger Zeit von dem Fall gewusst hätten, nicht kommentieren.

Die Leiterin des Jugendamtes, Heike Seifert, räumte ein, dass es bereits in der Vergangenheit Fälle unterernährter Kinder in Schwerin gegeben habe. Nach Angaben der Stadtverwaltung hat die Zahl der „Meldungen von Kindeswohlgefährdungen“ in der Landeshauptstadt in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Sie habe sich von 2005 zu 2006 auf 133 mehr als verdreifacht. Bereits im ersten Halbjahr 2007 sind dem Amt zufolge 85 Meldungen registriert worden. In etwa 50 Prozent der Fälle war ein Hilfs- und Unterstützungsangebot notwendig.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) äußerte sich entsetzt über den Vorfall. Er beklagte die fehlende soziale Kontrolle in Stadtteilen, in denen „die Nachbarschaft eigentlich funktionieren sollte“. In diesem Zusammenhang forderte Caffier die Menschen zum Handeln auf, „wenn jemand feststellt, dass Kinder geprügelt oder vernachlässigt werden“. Es sei „kein Denunziantentum, sich um Kinder zu sorgen, die unser aller Schutz brauchen“, sagte er.

Sozialminister Erwin Sellering (SPD) kündigte an, dass er in Kürze dem Kabinett ein Gesetz zur Förderung des Kindeswohls zur Entscheidung vorlegen werde. Damit wolle man erreichen, dass künftig alle Kinder an den regelmäßigen ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen, sagte er.

DCRS ONLINE meint: Fast täglich werden derartige Missstände bekannt. Wir sind kein Sozialstaat mehr, sondern eine zwei Klassengesellschaft !

Artikel vom 21. November 2007

Eine Antwort zu “Schwerin - Eltern ließen Tochter offenbar verhungern”

  1. Hummel meint:

    Wenn Eltern ihre Kinder mißhandeln bzw töten müßte man dafür sorgen daß sie kein Kinder mehr in die Obhut bekommen.abstruß ist wenn man Drogenkranken die mit sich selber nicht zurecht kommen Kinder überläßt

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