Skifahren und Wintersport verliert seine Anhänger
Die deutschen Skigebiete bangen um ihr künftiges Kundenklientel. Weil die Schulen immer seltener das Skifahren in ihren Sportunterricht integrieren, könnten künftige Generationen das Interesse am alpinen oder nordischen Wintersport weitgehendst verlieren.
Ein weiterer Grund ist die nachlassende Kaufkraft der Bürger. Eine teure Skiausrüstung, einen zusätzlichen Urlaub, steigende Preise für Liftkarten, Wintersport ist für viele kaum bezahlbar.
Österreichische Wintersportgebiete haben mit günstigen Angeboten die verbliebenen Schule bereits überwiegend für sich gewinnen können.
Die Oberallgäuer Gemeinde Bad Hindelang will dem nun entgegen wirken und selbst zur Werbetrommel greifen.
„Wir sind die Kinderstube des Skisports“, erklärt Kurdirektor Max Hillmeier. In den nächsten Wochen sollen wieder Tausende von Schülern an den Hindelanger Liften auf den Geschmack gebracht und als Stammkunden von Morgen umworben werden.
Allein über 1100 Kinder und Jugendliche von sechs bayerischen Schulen zwischen Lindau und Augsburg haben sich für Freitag zum Skischultag im Bad Hindelanger Skigebiet am Oberjoch angemeldet. Beim „Schwäbischen Skischultag“ sind es jedes Jahr fast 4000 Kinder aus Baden-Württemberg, die dort unter Anleitung von Skilehrern die ersten Schwünge auf Alpinski oder Snowboard wagen.
Die große Resonanz an den Schulen erklärt der Breitensportdirektor beim Deutschen Skiverband (DSV), Hubert Brühl, ganz einfach: „Das ist was für faule Lehrer.“
Mit der Entfernung zu den Alpen nehme die Neigung der Pädagogen ab, Skifahren in den Schulsport zu integrieren. Bei den Skischultagen werde ihnen die Arbeit abgenommen.
Der DSV gehe aber auch andere Wege, um Kinder für den Wintersport zu begeistern. So beteiligt sich der Skiverband an der „MountainFreak-Tour“ des Bayerischen Rundfunks, die vom 18. bis 20. Januar in Bad Hindelang Station macht.
Carven, Snowboarden, Telemarken, Winter-Walking, Schneeschuhwandern, Tiefschneefahren, Shortcarven, Snow-Soccer und Big-Foot-Race können unter Anleitung von Experten ausprobiert oder perfektioniert werden.
Erstmals wird auch ein Schnupperkurs in Biathlon angeboten. „Geschossen“ wird ohne Munition mit einem Infrarot-Gewehr. Als Trainerin stellt sich unter anderem Martina Seidl, Biathlon-Olympiasiegerin von 1998 in Nagano, zur Verfügung. Namhafte Firmen stellen für alle Sportarten Leihausrüstungen zur Verfügung.
„Die Industrie hat das gleiche Problem wie die Bergbahnen. Ohne Nachwuchs werden die alpinen Disziplinen zu einer Randsportart“, sagt Kurdirektor Hillmeier: „Wir leben im Winter von den alpinen und nordischen Disziplinen. Das ist für einen Ort wie Bad Hindelang von existenzieller Bedeutung.“
Für den Vorsitzenden des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben, Alfons Zeller, ist der Wintersport ein wesentliches Standbein für die gesamte Region: „Die Feriengäste bringen eine Kaufkraft mit, die einer Stadt von 133 000 Einwohnern entspricht.“
Die Österreicher hätten mit massiver Werbung viele deutsche Schulen über die Grenze gelockt. Das Allgäu und Oberbayern müssten dagegen halten mit attraktiven Angeboten und günstigen Kosten, die für Eltern erschwinglich seien. Bad Hindelang sei dabei ein „Leuchtturm“, so Zeller.
Seit Jahren organisiert der örtliche Hotel- und Gaststättenverband das Programm „Triple A“, Adventure-Alps-Allgäu, das schon Tausende von Schülern ans Oberjoch geholt hat. Bei Klassenfahrten von weiterführenden Schulen steht vormittags der Wintersport und am Nachmittag die Ausbildung in EDV-Programmen auf dem Stundenplan. „Triple A“, sagt Kurdirektor Hillmeier, gehöre zur Strategie der Gemeinde, Stammgäste von Morgen zu gewinnen.
Nach Angaben des Deutschen Skiverbandes ist die Zahl der Alpinskifahrer mit knapp sieben Millionen zwar seit Jahren bundesweit konstant. Allerdings sinke die Frequenz von Skiurlauben.
Viele Gäste, die früher jedes Jahr dem Wintersport frönten, reisten inzwischen nur noch alle zwei oder drei Jahre in die Skigebiete.
DCRS ONLINE meint: Nix mehr mit ganz viel Skiiiii-Fahrn ?!





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