Söldner schossen auf alles, was sich bewegt!

Von Jan Konrad

Offenbar wurde von den Söldnern auf wahrlos auf alles und jeden geschossenEs passierte letzten Sonntag: Helikopter flogen durch die Luft und eine Kolonne schwarzer Geländewagen rollte langsam auf der Strasse ihrem Ziel zu. Private Sicherheitskräfte, die amerikanische Diplomaten und Geschäftsleute beschützen, fuhren an diesem Tag in ihren dunklen, gepanzerten Zivilfahrzeugen eine gewöhnliche Mission. Ein Diplomat oder eine andere wichtige Person sass in einem der Wagen. Wer es genau war und wohin er gebracht werden sollte ist unklar. Und unwichtig.

Und dann explodierte eine Bombe. Kurz darauf folgte heftiges Gewehrfeuer. Nach 20 Minuten war es vorbei. Auf der Strasse lagen leblose Körper. Die amerikanische Armee traf ein und sperrte das Gelände ab, die Leichen wurden eingesammelt, die Verletzten versorgt, das Schlachtfeld gesäubert. Ein normaler Tag im Irak, nichts Spezielles. Menschen sterben, das steht hier an der Tagesordnung. Aber dann kam die grosse Ernüchterung:

Der irakische Innenminister verkündete, dass es sich ausschliesslich um zivile Opfer handelte. Mindestens 20 Zivilisten starben, weitere 35 wurden teils schwer verletzt. Die Reaktion darauf kam sofort: am Montag wurde der in den Vorfall verwickelten Privatorganisation Blackwater USA die Lizenz im Irak entzogen. Alle Operationen von Blackwater mussten deswegen eingestellt werden. Auch die Vereinigten Staaten zeigten sich empört über den Vorfall und leiteten umgehend eine Untersuchung ein (DCRS berichtete).

Was genau an jenem Sonntag aber passierte, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Es hängt nämlich davon ab, wen man befragt.

Blackwater USA sagte aus, dass sich ihre Leute einfach nur gegen bewaffnete Angreifer verteidigten. Zwei irakische Opfer, die den Vorfall verletzt überlebten, sagen aber etwas anderes. Die Anschuldigungen sind enorm: Blackwaterangestellte haben angeblich das Feuer auf alles eröffnet, was sich bewegte. Zwischen Zivilist oder bewaffneten Angreifer machte man angeblich keine Unterscheidung.

Hasan Jaber Salman ist einer der Opfer. Er liegt im Krankenhaus und wurde von den Blackwatersöldnern in den Rücken geschossen, und nämlich mehrmals. Salman ist ein Anwalt, der auf dem Weg vom Gerichtsgebäude zum Ministeriumsgebäude war, als eine Kolonne schwarzer SUVs den Weg versperrte.

Die Kolonne verursachte relativ schnell ein Verkehrschaos. Die Söldner winkten den Fahrern zu, umzudrehen und das Gebiet zu verlassen.

„Also kehrten wir um“, so Salman. „Dann eröffneten sie das Feuer. Die schossen auf die Autos von hinten. Alle meine Verletzungen, die Kugeln sind in meinem Rücken.“

„Etwa 4 Minuten später trafen weitere Söldner in einem Helikopter ein. Aus der Luft eröffneten sie das Feuer auf alle Zivilisten am Boden.“

Blackwater sagte aber, dass die Helikopter nur zur Aufklärung eingesetzt wurden. Aus den Helikoptern wurde laut Blackwater kein einziger Schuss abgefeuert.

Aber Salman behauptet, der Angriff war ungerechtfertigt.

„Niemand schoss auf sie, niemand zündete eine Bombe.“ Das Feuergefecht ging weiter, bis Salmans Wagen gegen einen Polizeicheckpoint prallte und sich überschlug. Der Wagen wurde von 8 Schüssen getroffen, 4 davon trafen Salman.

„Meine linke Schulter ist gebrochen, und mein Arm auch. Man musste mich operieren. Sie öffneten sogar meinen Bauch. Ich schwöre bei Gott, niemand tat ihnen etwas!“

Der Anwalt sagte, er werde Blackwater verklagen. Er hat schon einmal Anklage gegen Blackwater erhoben, in einem ähnlichen Vorfall, in welchem sein Sohn verletzt wurde.

Der Arbeiter Abul-Raheem Amir befand sich in einem Bus auf dem Weg zur Arbeit, als der Bus in dem Verkehr stecken blieb. Der Grund für den Stau war die Explosion eines Sprengkörpers.

„Eine Sicherheitsfirma namens Blackwater, sie stiegen aus und feuerten auf alles, was sich bewegte. Sie schossen zuerst auf die Passanten oder die Strassenarbeiter, dann schossen sie sogar auf den Verkehrspolizisten“, so Amir.

„Die Leute im Bus dachten zuerst, sie wären in Sicherheit. Aber als sie realisierten, dass sie ebenfalls in Gefahr waren, begannen sie, den Bus fluchtartig zu verlassen. Die meisten von ihnen wurden aber dabei erschossen.“

Als der Fahrer und eine Frau neben ihm erschossen wurden, versuchte Amir sich zu retten.

„Ich rannte etwa 50 Meter, dann wurde ich zum ersten Mal angeschossen. Ich rannte weiter. Die zweite Kugel warf mich zu Boden. Sie brach meine Knochen, und nach der dritten Kugel konnte ich nur noch kriechen.“

Einige Leute halfen ihm, aufzustehen und trugen ihn aus der Gefahrenzone in Sicherheit. Das Feuergefecht dauerte etwa 30 Minuten, und danach lagen etwa 30 leblose Körper in der Strasse.

„Ich erinnere mich an leblose Körper von Kindern, alten Männern, Frauen, jungen Männern… die Strasse wurde zu einem Friedhof. Ich konnte nichts machen. Jeder war auf sich alleine gestellt.“

Amir weiss nicht, was er von dem Vorfall halten soll:

„War das irgendwie eine Kräftedemonstration? Tun sie das gegen das irakische Volk, um ihre Stärke in den Medien zu beweisen? Ist es etwa ihre Mission, einen Menschen zu beschützen und dabei zehn unschuldige zu töten? Und wenn sie zwei Menschen beschützen, erschiessen sie dann etwa 100 Unschuldige? Ist das hier etwa Vietnam?“

Amir weiter: „Genug ist genug. Genug von alledem ist hier passiert. Gottes Rache wird kommen. Genug. Genug.“

DCRS meint: Unglaublich !

Artikel vom 19. September 2007

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