Türke erhält 5 Jahre Haft für 10 Jahre Martyrium

Von Bianca Wollert

Ein Türke hatte jahrelang unbehelligt mit seiner Familie, einer vermutlich zwangsverheirateten, jungen Frau und seinen beiden Kindern in Deutschland gelebt, bis gravierende Missstände aufgedeckt wurden.

Der Angeklagte hatte seine Familie über zehn Jahre lang massiv misshandelt und geschändet. Nun wurde er verurteilt, zu fünf Jahren Haft. Fünf Jahre für zehn Jahre Martyrium

Dass dem Angeklagten die westliche Mentalität fremd geblieben ist, zeigt ein dokumentierter Zwischenfall. Einmal bestrafte er seine Töchter, weil sie sich für ein Klassenfoto neben einen Buben gestellt hatten.

Es hagelte nicht nur Schläge. Die Kinder mussten, wenn sie nicht brav waren, am Boden knien oder sich nackt hinstellen. Oder erdulden, dass ihr Vater ihnen zur Strafe in den Mund spuckte. Alle drei Kinder erlebten mit, wenn ihr Vater seine Frau schlug und dann nebenan vergewaltigte. Die 33-Jährige, ihr Sohn und die beiden Zwillingsschwestern sind in therapeutischer Behandlung.

Mehrfach hatte sich die junge Frau an ihre Eltern gewandt. Doch von ihrer Mutter bekam sie, wie im Prozess eine Zeugin berichtete, zu hören: “Ein Mann darf seine Frau schlagen.” Als 16-Jährige war sie in ihrer Heimat Türkei mit ihrem in Deutschland geborenen Cousin verheiratet worden.

2001 und noch einmal 2006 lebte die junge Frau mit den Kindern eine Zeit lang im Augsburger Frauenhaus, wohin sie geflüchtet war. Welche Einstellung ihr Ehemann zu dieser Einrichtung hat, zitierte im Urteil Jugendrichterin Dagmar Conrad:

“In diesem Haus leben nur unanständige Frauen.” Eiskalt, so das Gericht, habe der Angeklagte ausgenutzt, dass ihm seine Frau “sprachlich, finanziell sowie intellektuell ausgeliefert war”.

Das Gericht sprach den 33-jährigen Angeklagten der mehrfachen Vergewaltigung, der gefährlichen Körperverletzung, der Bedrohung sowie der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig. Den Kindern ersparten die Richter einen Auftritt vor Gericht. Ihre im Video aufgenommenen Aussagen wurden im Gerichtssaal gezeigt.

Der Angeklagte legte am zweiten Prozesstag ein Geständnis ab. Nach einem turbulenten Zwischenfall. Richterin Conrad ließ einen Zeugen, Nachbar der Familie, im Gerichtssaal festnehmen. Wegen Verdachts der Falschaussage. Sie sorgte noch einmal für Aufregung, als sie ankündigte, der Angeklagte könne mit höchstens sechs Jahren Haft rechnen - Strafrabatt für sein Geständnis. Freunde und Angehörige des Angeklagten, die als Zuhörer den Prozess verfolgten, fielen sich daraufhin schluchzend in die Arme. Sie hatten einen Freispruch erwartet. Eine ältere Schwester des 33-Jährigen fiel kurzzeitig in Ohnmacht.

DCRS ONLINE meint: Das ist Realität mitten unter uns. Von wegen Integration.

Artikel vom 2. Februar 2008

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